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Dank Spende der Beisheim-Stiftung: Krankenhaus Agatharied rüstet Kardiologie auf

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Von: Sebastian Grauvogl

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Herzkathetereingriff, OP, Krankenhaus Agatharied
Auch einen Blick auf einen echten Herzkathetereingriff haben die Gäste bekommen. © Sebastian Grauvogl

Ist der Herzschlag aus dem Takt, ist die Kardiologie gefragt. Im Krankenhaus Agatharied kommt hier nun ein neuartiges Verfahren zum Einsatz. Dank einer Spende der Beisheim-Stiftung.

Agatharied – Das Störfeuer im Herzen wird von zwei Quellen am Lodern gehalten: einem Streichholz und Kohle. „Unser Ziel ist es, das Streichholz zu klauen“, erklärte Dr. Turgut Brodherr, neuer Leitender Oberarzt in der Kardiologie, den Vertretern der Prof. Otto Beisheim-Stiftung bei ihrem Besuch im Herzkatheterlabor des Krankenhauses Agatharied. Die Klinik hatte sie eingeladen, um ihnen unmittelbar vor Ort zu zeigen, wie die jüngste Fördersumme in Höhe von 350 000 Euro aus dem Stiftungsvermögen zur Weiterentwicklung der Diagnose und Therapie von schnellen Herzrhythmusstörungen mittels Elektrophysiologie eingesetzt wird.

Um die komplexen medizinischen Zusammenhänge möglichst plakativ zu erklären, hatte Brodherr das eingängige Bild des Feuers gewählt. Tatsächlich handle es sich bei der Kohle um Narben, die beispielsweise durch eine Herzmuskelentzündung entstehen, und beim Streichholz um elektrische Fehlimpulse, die etwa von den vier in die Herzkammern mündenden Lungenvenen ausgelöst werden, erläuterte der Leitende Oberarzt. Das Ergebnis seien Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern. Und die können im schlimmsten Fall zu Schlaganfällen und sogar zum plötzlichen Herztod führen.

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Das Verfahren

Damit es nicht so weit kommt, müssten die Störsignale früh und schnell beseitigt werden, erklärte Chefarzt Professor Dr. Günter Pilz. Bei komplexeren Formen des Flimmerns sei eine Therapie in Agatharied bislang nur medikamentös möglich gewesen. Dank der jüngsten Förderung der Beisheim-Stiftung verfüge man seit Kurzem aber über neue Spezialgeräte für die sogenannte „Puls-Feld-Ablation“, die Ärzten und vor allem den Patienten ganz neue Perspektiven eröffnen. Mittels spezieller Katheter werden die Herzstrukturen dabei schonend und dennoch hochsensibel im Millivoltbereich „elektrisch abgetastet“. Durch die dabei gewonnenen Messsignale könnten die Quellen der Störsignale genau geortet, als Koordinaten in ein digitales 3D-Modell übertragen und anschließend durch eine kontrollierte Energieentladung verödet werden. Die Herzrhythmusstörungen werden so beseitigt, der Patient geheilt.

Kardiologie, Beisheim-Stiftung, Krankenhaus Agatharied
Spannender Besuch in der Kardiologie: (v.l.) Hugo Trütsch (Stiftungsvorstand), Professor Dr. Berthold Höfling (Direktor kardiologisches Institut), Annette Heuser (Stiftungsgeschäftsführerin), Michael Kelbel (Krankenhaus-Geschäftsführer), Fredy Raas (Stiftungsvorstand), Benjamin Barthold (Leiter Unternehmensentwicklung im Krankenhaus), Dr. Turgut Brodherr (Leitender Oberarzt Kardiologie) und Professor Dr. Günter Pilz (Chefarzt Kardiologie). © Thomas Plettenberg

Nicht nur die beiden Stiftungsvorstände Fredy Raas und Hugo Trütsch sowie Geschäftsführerin Annette Heuser zeigten sich beeindruckt von der neuen Technik, sondern auch ein Urgestein der Kardiologie im Krankenhaus Agatharied, Professor Dr. Berthold Höfling. Zu Beginn seiner Karriere sei das EKG die einzige technische Möglichkeit gewesen, Herzrhythmusstörungen zu diagnostizieren. Binnen nur einer medizinischen Berufsgeneration habe man nun mit der Puls-Feld-Ablation eine hochmoderne Methode an der Hand, die der Kardiologie zu einem großen Sprung verhelfe.

Die Forschung

Schon zu seiner aktiven Zeit als Chefarzt setzte sich Höfling für den Pioniergeist im Klinikum ein. „Wann immer wir von einem Verfahren überzeugt sind, gehen wir das Risiko ein, die Methode im Rahmen einer Studie zu testen und bei Erfolg zugunsten der Patienten einzusetzen“, betont der heutige Direktor des Kardiologischen Instituts. So bietet das Kreiskrankenhaus heute zwei Herzkatheterlabore und führe jedes Jahr bis zu 2500 Eingriffe am Herzen durch.

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Die Förderung

Genau dieses Denken und Arbeiten des Klinikums begeisterte auch den 2013 im Alter von 89 Jahren in Rottach-Egern verstorbenen Philanthropen und Stiftungsgründer Prof. Otto Beisheim. „Ihm war bewusst, dass das Krankenhaus Agatharied aus Sicht der medizinischen Wissenschaft deutlich mehr zu leisten im Stande ist, als es von einem Kreiskrankenhaus dieser Größenordnung zu erwarten wäre“, erzählte Höfling, der als Leibarzt ein enger Vertrauer Beisheims war. Die neue Ausstattung der Elektrophysiologie reiht sich nun in diese Erfolgsgeschichte ein, wofür sich auch Klinikgeschäftsführer Michael Kelbel im Namen der Patienten bei der Stiftung bedankte.

Dass selbst die beste Technik nur so gut ist wie ihre menschlichen Anwender, hob schließlich der Leiter der Unternehmensentwicklung im Krankenhaus, Benjamin Barthold hervor. Dass man mit Dr. Turgut Brodherr einen ausgewiesenen Spezialisten auf diesem Gebiet nach Agatharied habe holen können, „ist für uns einer der Meilensteine, um unsere Kardiologie auf den neuesten Stand der Medizin zu heben“. Wie sehr der Leitende Oberarzt für die Elektrophysiologie brennt, davon konnten sich die Gäste am Ende nicht nur bei seinem Vortrag, sondern auch in der Praxis überzeugen: Sie durften ihm bei einem echten Eingriff über die Schulter schauen.

sg

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