Liebt die Küche: Markus Schmidbauer denkt noch gerne an die salzigen Dampfnudeln seiner Oma zurück. Es ist eines der Gerichte, dass er mit seinem Buch für die Nachwelt retten will.

„Geschichten machen ein Rezept besonders“

Darum hat ein Haushamer ein Kochbuch geschrieben, das er nicht verkauft

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Markus Schmidbauer hat vier Jahre lang Rezepte gesammelt, Bilder von Gerichten geschossen und ein Kochbuch mit mehr als 200 Seiten geschrieben. Verkaufen will er es nicht. Das steckt dahinter.

Hausham – Markus Schmidbauer (45) hat vier Jahre lang Rezepte gesammelt, professionelle Bilder von den Gerichten geschossen und daraus ein Kochbuch mit mehr als 200 Seiten gemacht. Verkaufen will es der Haushamer Unternehmensberater nicht. 100 Exemplare hat er drucken lassen, die er verschenkt – zuerst an seine Kinder. Wir haben mit ihm über Gerichte gesprochen, die es wert sind, vor dem Vergessen gerettet zu werden.

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Darum hat ein Haushamer ein Kochbuch geschrieben, das er nicht verkauft

Herr Schmidbauer, warum so viel Aufwand für ein Buch, das sie nicht verkaufen wollen?

Ich habe das Buch zuerst für meine Kinder geschrieben. Wir kochen in unserer Familie dreimal warm am Tag, am Wochenende sitzen meine Kinder auf und um die Kochinsel und haben die Finger in den Töpfen und Pfannen. Wir essen einfach gerne. Deswegen wollte ich unsere Familienrezepte und ihre Entstehungsgeschichten aufschreiben. Meine Kinder sollen später das Buch aus dem Schrank nehmen und sagen können: „Weißt du noch früher, so hat das geschmeckt.“

Weil die Rezepte sonst vergessen werden?

Genau. Manche Rezepte haben wir im Urlaub oder bei Freunden aufgeschnappt. Andere stammen von meiner Mutter oder sind durch Zufall entstanden, weil ich aus den letzten drei Zutaten im Kühlschrank etwas kochen musste. Wenn man das nicht aufschreibt, geht es verloren. Dann fragen sich meine Kinder irgendwann, wie die Rezepte ihrer Jugend gekocht wurden. Das will ich mit dem Buch verhindern.

Welche Rezepte Ihrer Jugend stehen im Buch?

Das Dampfnudelrezept meiner Oma, zum Beispiel. Sie hat Dampfnudeln immer salzig gegessen, mit Kohlrabi- oder Bohnengemüse, weil es während und nach dem Krieg kein Geld für Vanillesoße gab. Dabei ist sie ihr Leben lang geblieben. Das Rezept steht jetzt in meinem Buch.

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Mit der Geschichte dazu?

Ja. Mit der Geschichte und einem Bild meiner Oma. Meine Kinder haben sie nie kennengelernt. Aber nun können Sie ein Stück an Ihrer Urgroßmutter teilhaben. Wenn ich das nicht aufschreibe, gerät es in Vergessenheit. Die Geschichten machen aus einem Rezept etwas Besonderes. Deswegen verbinde ich im Buch immer Geschichten und Essen.

Welche Geschichten erzählen Sie noch?

Viele. Es geht um die Schweinelendchen und Kartoffelsuppe, wie sie meine Mutter früher gekocht hat. Um die lustige Entstehungsgeschichte meines Kässpatzenrezeptes, das in einer Sauna im Allgäu seinen Ursprung hat. Oder um die Habanero-Chilisauce, die ich beim Studium in den USA entwickelt und danach mit Freunden unter eigenen Firmierung hergestellt und verkauft habe.

Klingt nach viel Aufwand. Warum wollen Sie das Buch nicht verkaufen?

Es ist eine Herzensangelegenheit. Meine Kinder mögen es. Das reicht mir. Bei den übrigen Exemplaren habe ich Spaß am Verschenken. Das will ich mir nicht durch Kommerz kaputtmachen lassen. Wenn ich 10 000 Bücher drucken lasse, die ich unbedingt loswerden muss, bekommt das Buch einen fahlen Beigeschmack.

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