Luftbild von der Tegernseer Straße in Hausham mit Häusern, Wiesen und Gärtnerei.
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Wird bereinigt: Die unter der Wiese im linken Bereich des Fotos schlummernde frühere Mülldeponie „Freudenreich“ in Hausham wird abgedichtet und damit unschädlich gemacht.

Altlasten werden abgedeckt

Frühere Mülldeponie in Hausham: So aufwendig wird sie saniert

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Gemeinde Hausham stellt sich ihren Altlasten. Nun steht der Sanierungsplan für die frühere Mülldeponie „Freudenreich“ an der Tegernseer Straße fest.

Hausham – Die Decke ist dünn, aber äußerst wirksam. Nur einen Zentimeter dick sind die Tondichtungsbahnen, die den Müll in der früheren Deponie Freudenreich in Hausham versiegeln und damit endgültig unschädlich machen sollen. Der Durchlässigkeitsbeiwert der sogenannten Bentonitdichtung könne es trotzdem mit einer hochwertigen Tonschicht von einem Meter Aufbaustärke aufnehmen, schreibt die Tauw GmbH aus Regensburg in ihrem Sanierungsplan für die stillgelegte Hausmüllkippe an der Tegernseer Straße kurz vor dem Ortsausgang von Hausham Richtung Ostin. Eine gute Nachricht, wie Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) nun im Gemeinderat erklärte. „Damit kommen wir um einen kompletten Aushub herum.“

Wie berichtet, wurden auf der Ende 1968 aufgelassenen, rund 15 000 Quadratmeter großen Deponie über acht Jahre Haus- und Gewerbemüll abgeladen. In den vergangenen Jahren ließ die Gemeinde die längst zugewachsene Fläche aufwendig auf Altlasten und dadurch auf eventuell überschrittene Schadstoffgrenzwerte untersuchen. Mittlerweile steht auch der Sanierungsplan fest.

Vier Varianten haben die Experten der Tauw GmbH geprüft. Einen Komplettaushub inklusive vollständiger Entsorgung des Mülls für 22,3 Millionen Euro sowie drei unterschiedliche Formen der Oberflächenabdeckung. Einmal mit Lehm für 3,3 Millionen Euro, einmal mit Kunststoffdichtungsbahnen für 3,1 Millionen Euro und einmal mit geosynthetischen Tondichtungsbahnen für 2,8 Millionen Euro. Die Empfehlung erhielt die vierte und damit kostengünstigste Alternative. Sie sei „sehr gut und nachhaltig wirksam“, urteilen die Gutachter. Mit einer Bauzeit von 15 bis 18 Monaten sei zu rechnen.

Um nicht durch die Abdichtung der Müllberge einen Berg an Kosten zu verursachen, habe die Gemeinde bereits frühzeitig einen Zuschussantrag bei der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) eingereicht, berichtete Zangenfeind. Ein Fonds, in den jede Gemeinde einzahle und bei Bedarf hineingreifen könne. Dies tut nun auch Hausham. Nachdem der Aufsichtsrat der GAB dem Fördergesuch zugestimmt habe, müsse man lediglich einen geringen Eigenanteil von rund 65 900 Euro bezahlen, erklärte Zangenfeind. Dies habe man bereits getan, so dass die Ausschreibung der Deponiesanierung starten könne. Die Maßnahme selbst könne im Herbst oder Anfang des Jahres 2021 begonnen werden, berichtete Bauamtsleiterin Petra Sperl.

Der Aufbau der Abdeckung erfolgt dabei in mehreren Schichten: auf eine zehn bis 20 Zentimeter dicke, gasgängige Ausgleichsschicht folgen besagte Tondichtungsbahnen, eine zwei Zentimeter dicke Drainagematte, eine 80 Zentimeter mächtige Rekultivierungsschicht sowie 20 Zentimeter „humoser Oberboden“. Ja sogar Selbstheilungskräfte werden der Tonschicht zugeschrieben. Durch das Quellvermögen des Bentonits würden sich Beschädigungen beim Einbau oder durch Wurzeln von alleine wieder verschließen.

Dies sorgt auch dafür, dass die Flächen nach der Sanierung als Grünland nutzbar sind, heißt es im Gutachten. Das Gelände werde nicht verändert. Auch die auf der Fläche bestehende Gärtnerei könne nach der Maßnahme weiterbetrieben werden. Während der Arbeiten werde es aber mit Sicherheit zu Beeinträchtigungen kommen, räumt Zangenfeind auf Nachfrage ein. Sobald man dazu Informationen habe, werde man sie weitergeben. Zudem werde man auf die Firma, die den Zuschlag für die Sanierung erhalte, einwirken, so viel wie möglich Rücksicht auf den Betrieb zu nehmen.

Alles in allem ist Zangenfeind mit der Vorgehensweise zufrieden. „So können wir diese Altlast aus der Nachkriegszeit gut abarbeiten.“

sg

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