Detektive der Zeitgeschichte: Anton Stetter (l.) und Daniel Glasl sichten Hunderte historische Fotos für ihren neuen Bildband, der diesmal Ansichten aus dem gesamten Landkreis Miesbach zeigen soll.
+
Detektive der Zeitgeschichte: Anton Stetter (l.) und Daniel Glasl sichten Hunderte historische Fotos für ihren neuen Bildband, der diesmal Ansichten aus dem gesamten Landkreis Miesbach zeigen soll.

Anton Stetter und Daniel Glasl arbeiten an neuem Projekt

Der Landkreis Miesbach in Schwarz-Weiß: Neuer Bildband in Arbeit - Bürger können Fotos schicken

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Auch für ihr neues Buchprojekt sichten Anton Stetter und Daniel Glasl wieder Hunderte historische Fotos. Diesmal gleich aus dem gesamten Landkreis Miesbach. Und jeder kann mithelfen.

Landkreis – Sie inspizieren Schwarz-Weiß-Fotos mit der Lupe, blättern in dicken Wälzern und durchforsten das Internet. Wenn sich Anton Stetter und Daniel Glasl durch ihren mittlerweile beachtlichen Fundus aus historischen Bildern des Landkreises Miesbach wühlen, schaut es rundherum aus wie im Büro von zwei Tatort-Ermittlern. „Wir arbeiten investigativ“, sagt Stetter und fügt lachend hinzu. „Und zwei Chaoten sind wir auch.“

Dass am Ende trotzdem etwas Vorzeigbares dabei herauskommt, haben Stetter als Chef der Bavarian Distillers GmbH (unter anderem Lantenhammer und Tegernsee Arkaden) und Glasl als Fotodesigner aus Tegernsee bereits mit ihrem zu Weihnachten 2020 erschienenen Bildband „Das Schlierachtal: Eine Ausfahrt in historischen Photographien“ unter Beweis gestellt. Jetzt sind sie wieder am Suchen und Sortieren. Ende 2022 wollen sie ihr zweites gemeinsames Werk vorlegen. Diesmal mit Bildern aus allen Gemeinden aus dem Landkreis Miesbach. Und weil sie teilweise noch Bedarf an besonderen Fotos und Geschichten haben, rufen sie die Bürger zum Mitwirken auf.

Reaktionen auf erstes Buch „überwältigend“

Die Reaktionen auf ihr Buch über das Schlierachtal haben die beiden Herausgeber im von Glasl gegründeten Kleine Heimat Verlag überrascht bis überwältigt. „Bei Daniel wussten die Leute ja, dass er es kann. Aber mir hat es irgendwie keiner zugetraut, dass ich auch Lesen und Schreiben kann“, sagt Stetter trocken. So mancher habe gewitzelt, was er Glasl bezahlt habe, damit sein Name mit aufs Cover darf. Tatsächlich aber war der Diplom-Betriebswirt fürs Recherchieren und Schreiben der (bewusst kurz gehaltenen) Texte zu den Fotos zuständig. Ganze Geschichten galt es, auf sechs Zeilen zusammenzufassen. „Im Destillieren kenn ich mich aber zum Glück aus“, meint Stetter schmunzelnd.

Bis sie aber überhaupt an die Fakten herankommen, müssen die beiden Buch-Herausgeber tief abtauchen in die Welt, die ihre Fotos zeigen. Denn: Nicht jedes Rathaus verfügt über ein lückenloses Archiv oder versierte Heimatforscher. Allein schon das Jahr zu ergründen, in dem ein Bild aufgenommen wurde, grenzt teils an Detektivarbeit. Wie hoch waren die Bäume auf dieser Ansicht, wie hoch auf der anderen? Welches Baujahr könnte wohl das Auto vor dem Rathaus haben? Mit solchen Indizien versuchen Stetter und Glasl, die nur bruchstückhaft überlieferte Historie zu rekonstruieren.

Lesen Sie auch: Bildschatz gehoben: So sah‘s im Tegernseer Tal vor 100 Jahren aus

„Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht in unseren Büchern nicht“, räumt Glasl ein. Es sei aber auch gar nicht ihr Ziel, eine trockene Chronik zu verfassen, sondern die Menschen zu berühren. „Wenn man böse wäre, würde man uns als Walt Disney der Heimatforschung bezeichnen“, sagt Stetter und lacht. Doch die Rückmeldungen, die die Herausgeber des Schlierachtal-Buchs bekommen, zeigen ihnen, dass sie alles richtig gemacht haben. So habe ihm etwa ein junger Mann erzählt, dass seine an Demenz leidende Oma im Seniorenheim beim Anblick der alten Aufnahmen plötzlich für eine Stunde wieder klar im Kopf wurde und begeistert von der damaligen Zeit erzählt habe. „So was ist natürlich eine bewegende Bestätigung für unsere Arbeit“, schwärmt der Fotograf. Und die Motivation, ein weiteres Werk nachzulegen.

Aus Otterfing fehlt noch geeignetes Material

Doch in welche Richtung dieses gehen sollte, darüber waren sich Stetter und Glasl erst nicht recht einig. Die Idee, nur das Leitzachtal abzubilden, verwarfen sie wieder. Begründung: Hier hätten sich die Ortsbilder nicht so stark wie andernorts verändert. Ein weiteres Buch über das Tegernseer oder Schlierachtal allein wollten sich auch nicht herausbringen. Trotz vieler noch unveröffentlichter Bilder wäre ihnen das zu einseitig gewesen. Und so entstand der Plan, den gesamten Landkreis zu beackern.

Wobei: Streng genommen wollten sich Stetter und Glasl erst am historischen Bezirk Miesbach orientieren. Hier aber wäre die Gemeinde Otterfing außen vor gewesen. Weil den Autoren dafür ohnehin noch gutes Bildmaterial fehlt, wären sie diesen Kompromiss zunächst eingegangen. Nun aber wollen sie versuchen, über einen Aufruf an die Bürger auch die nördlichste Gemeinde des Landkreises zu porträtieren. Auch einen „Anschlag“ auf den früheren Bürgermeister Jakob Eglseder hat Stetter vor. „Der braucht eh eine neue Herausforderung.“ Auch auf die anderen Rathauschefs im Landkreis will er zugehen.

Den Segen des Landrats hat das neue Buchprojekt schon erhalten, berichtet Stetter schmunzelnd. So sei Olaf von Löwis froh, bei entsprechenden Anlässen des Landkreises ein angemessenes Geschenk präsentieren zu können. „Bis jetzt“, feixt Stetter, „muss er immer auf Whisky zurückgreifen.“

Aufruf zum Mitmachen

Wer selbst historische Fotos aus der Zeit bis etwa zum Zweiten Weltkrieg hat, kann sich an info@kleineheimat.bayern oder an die Adresse kleineheimat Verlag, Gschwandlerweg 4, 83684 Tegernsee wenden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare