Ein Kripperl in jedem Raum gehört für Dekan Michael Mannhardt zur Weihnachtszeit. Eine der größeren steht in seinem Wohnzimmer.  Foto: thomas plettenberg
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Ein Kripperl in jedem Raum gehört für Dekan Michael Mannhardt zur Weihnachtszeit. Eine der größeren steht in seinem Wohnzimmer.

Eine etwas andere Weihnacht

Die Botschaft des Glaubens bleibt

Der Heilige Abend wird heuer für viele Gläubige anders aussehen. Die nächtlichen Christmetten fallen aus. Die Gottesdienste werden früher am Tag gefeiert. Dekan Michael Mannhardt erzählt, wie die Ausgangssperre seinen Tagesablauf verändert.

Miesbach/Hausham – „Stille Nacht, Heilige Nacht“ – mit diesem gemeinsam gesungenen Lied in einer nur noch von Kerzenschein sanft erhellten Kirche schließen viele Christen ihren Weihnachtsabend ab. So war es bisher. Heuer werden die Kirchenbänke kurz vor 21 Uhr leer sein, damit jeder rechtzeitig zuhause ist. Dekan Michael Mannhardt macht da keine Ausnahme. „Vor Beginn der Ausgangssperre bin ich daheim“, sagt er.

Ein Heiliger Abend also, wie er ihn nie zuvor erlebt hat. Und dennoch empfindet Pfarrer Mannhardt das nicht als schlimm. „Vom Äußeren her gibt es kaum eine große Veränderung“, sagt er. „Die Grundstruktur bleibt gleich – und das gibt Sicherheit.“ Denn an der Botschaft des Glaubens ändert der Corona-Lockdown mit seinen Regelungen nichts. „Die zeitlichen Verschiebungen haben ja durchaus zwei Seiten“, findet der Dekan. „Man kann es positiv deuten und es für sich positiv machen.“ Die Nacht nach einem vorgezogenen Gottesdienst zuhause zu verbringen, könne auch schön sein. Und die Kirchen haben sich darauf eingestellt, möglichst jedem den Besuch einer Messe zu ermöglichen. „Das ist heuer etwas stressiger“, sagt Mannhardt. Denn wegen der Abstandsregeln werden am 24. Dezember mehr Gottesdienste in kürzeren Abständen angeboten. Aber dafür ist ab 21 Uhr Ruhe.

Er selbst wird den Abend mit seinen Eltern verbringen, im kleinsten Kreis also. Ein gemeinsames Essen, zu dem jeder etwas beiträgt, Musik hören. Es wird nicht viel anders sein als in den vergangenen Jahren, nur dass keiner mehr raus muss.

Die größere Herausforderung ist für Pfarrer Mannhardt, eine Predigt zu halten, mit der er die Gläubigen erreichen und berühren kann. „Es braucht Ehrfurcht vor der Gemeinde“, sagt er. „Was braucht es? Was tut not?“ Mit diesen Fragen beschäftige er sich, um die richtigen Worte zu finden. Die besten Inspirationen habe er, wenn „ich ganz bei mir selbst bin“. Dafür gehe er am liebsten hinaus in den Wald oder auf den Berg: um den Wind in den Bäumen und das Plätschern des Wassers zu hören, um Tiere zu beobachten und wahrzunehmen, was am Wege liegt, Tannenzapfen, Wurzeln, die er bisweilen mit nach Hause nimmt. Freilich finde er nicht immer diese Zeit, sagt Mannhardt. Manchmal müsse es anders gehen.

In den Tagen vor Weihnachten hilft ihm beim „Herunterkommen“ auch, wenn er seine Wohnung und die Büroräume im Pfarramt schmückt. Das mache er Stück für Stück. In der Wohnung gebe es einen Christbaum, am Balkon Lichter und Sterne, und er stelle mehrere Kripperl auf, erzählt er. „Die sind nicht so opulent, dafür gibt es für jeden Raum eines.“

Das Christkind wird am Heiligen Abend hineingelegt. Dann lässt Pfarrer Mannhardt auch die Beleuchtung an seinem Balkon das erste Mal strahlen. Es ist ihm wichtig, dass das erst in dieser Nacht geschieht: dass das Licht am Heiligen Abend die Dunkelheit vertreibt und die Frohe Botschaft verkündet.

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