Knochenjob unter Tage: ein Hauer im Bergwerk Grube Hausham.
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Knochenjob unter Tage: ein Hauer in der Grube Hausham.

Vor 100 Jahren starben sieben Bergleute

„Die Mauer wurde nie mehr geöffnet“: Die Nacht, in der ein Grubenunglück Hausham erschütterte

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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100 Jahre ist es her, dass im Bergwerk in Hausham die Alarmglocken schrillten. Die Nacht zum 9. Januar sollte am Ende sieben Bergmänner das Leben kosten.

Hausham – 100 Jahre ist es her, dass im Haushamer Bergwerk die Alarmglocken schrillten. In der Nacht von 8. auf 9. Januar 1921 brach 500 Meter unter Tage ein Schwelbrand aus. Das Bergwerk wurde evakuiert, rund eine Woche förderten die Kumpel in weiten Teilen der Stollen keine Kohle mehr. Das Unglück kostete sieben Bergleute das Leben.

100 Jahre nach dem tragischen Ereignis erzählt Martin Schmid, der acht Jahre in den Haushamer Stollen gearbeitet hat, von den Geschehnissen. Der Bergmann aus Hundham ist heute 79 Jahre alt, kennt die Erzählungen aus erster Hand: Sein Lehrer Josef Dötterl – im Jahr 1921 selbst noch in Ausbildung – war zum Zeitpunkt des Unglücks im Bergwerk beschäftigt. Zu Schmids Lehrzeit war Dötterl Leiter der Werkschule des Bergwerks Hausham, unterrichtete bergmännische Fächer und leitete die praktische Ausbildung vor Ort. In dieser Zeit berichtete der Lehrer seinen Schülern so eindrücklich von den Erlebnissen, dass sich Schmid auch Jahrzehnte danach gut daran erinnert.

„Das Feuer muss an einer elektrischen Anlage ausgebrochen sein“, sagt Schmid. Wie die Münchner Zeitung damals berichtete, sei der Brand „in der Nacht in der Bremskammer 6 Ost der sechsten Tiefbausohle“ ausgebrochen – „wahrscheinlich in Folge eines Kurzschlusses“. Schmid erklärt: „Man hatte damals kaum Erfahrung mit giftigen Gasen.“ In dem Zeitungsartikel wird das bestätigt: „Der bei den Rettungsarbeiten bewusstlos gewordene Oberingenieur konnte mit Sauerstoffbeatmung wieder ins Bewusstsein zurückgerufen werden. Er wurde ins Krankenhaus verbracht, sein Zustand ist befriedigend“, heißt es in dem Bericht vom 9. Januar 1921.

Drei Bergleute wurden in der Grube eingemauert

Insgesamt bargen die Bergmänner Schmid zufolge vier der sieben vermissten Kumpel. „Dann mussten die Retter abbrechen“, erklärt der 79-Jährige, der sich heute als Vorsitzender im Bergmannsverein St. Barbara Leitzachtal engagiert. Die Münchner Zeitung berichtete: „Um nicht weitere Menschenleben aufs Spiel setzen zu müssen, wurde im Einvernehmen mit den Vertretern des Betriebsrates die Abdämmung aller durch die Ausbreitung der Brandgase gefährdeten Grubenräume durchgeführt.“ Konkret bedeutete dies die Einmauerung von drei Vierteln der Stollen mitsamt der verbliebenen drei Leichen.

Josef Dötterl hielt zeitlebens die Erinnerung an das Unglück wach.

Im Band 1 der Chronik von Hausham wird dieses Vorgehen erklärt: „Es musste das ganze Brandfeld abgedämmt werden.“ Schmid erinnert sich: „Die Belegschaft musste damals rund eine Woche zu Hause bleiben.“ Etwa 8000 Tonnen Förderkohle entfiel in dieser Zeit. „Erst 54 Tage nach dem Unglück wurden die Ziegel geöffnet, um die drei Leichen zu bergen.“ Der Stollen sei danach wieder luftdicht verschlossen worden. „Bis heute wurde diese Mauer nie mehr geöffnet – ich stand selbst einige Male davor“, sagt der Haushamer.

Martin Schmid erinnert sich an die Schilderungen seines Ausbilders.

Auch die Münchner Zeitung vermeldete die traurigen Nachrichten: „Nach langen, vergeblichen Bemühungen ist es heute gelungen, die Leichen aufzufinden und zu bergen. Die bereits in Verwesung übergegangenen Leichen wurden in Tücher gehüllt und sofort an Ort und Stelle in Särge gelegt, zu Tage gefördert und in das Leichenschauhaus Westenhofen verbracht.“

Josef Dötterl wurde wenige Jahre nach dem Unglück Mitglied der Grubenwehr. Ab 1937 war er dort als Oberführer tätig – „vergleichbar mit dem Amt des Kommandanten bei der Feuerwehr“, erklärt Schmid. Dötterl wurde im Jahr 1953 für die Rettung von sechs Menschen bei einer Schlagwetterexplosion im Kohlebergwerk Marienstein ausgezeichnet. Zwölf Jahre später wurde das Bergwerk aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.

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