+
Hier läuft der Betrieb noch: Das Pflege- und Therapiezentrum von Domus Mea in Hausham kann derzeit bis zu 24 Betreuungsplätze anbieten. Die zuständige GmbH steckt derweil im Insolvenzverfahren.

Nach Schließung des Pflegezentrums in Fischbachau

Domus Mea-Insolvenz: Zukunft der Einrichtung in Hausham offen

  • schließen

Die Insolvenzverwalter haben bei Domus Mea das Sagen. Sie bemühen sich, nach der Räumung des Pflege- und Therapiezentrums in Fischbachau zumindest den Betrieb in Hausham zu sichern. 

Fischbachau/Hausham– Hinter vorgehaltener Hand habe man bereits im Sommer über finanzielle Probleme bei Domus Mea gemunkelt, berichtet der Vater eines Bewohners unserer Zeitung. Offizielle Infos von der Geschäftsleitung habe er jedoch erst am 22. Dezember 2017 erhalten – nur eine Woche, bevor das Pflege- und Therapiezentrum in Fischbachau geräumt werden musste. Wie berichtet, hat der Bezirk Oberbayern wegen Personalmangels in der Einrichtung die Leistungsvereinbarung zum Jahresende gekündigt.

Sein Sohn, der von Kindheit an an einer körperlichen und geistigen Behinderung leide und seit zehn Jahren in der Einrichtung gelebt habe, sei seitdem „notfallmäßig“ in einer psychiatrischen Klinik im Landkreis Wasserburg untergebracht, sagt der Vater. Und das, obwohl sich die Familie bereits seit September um einen Platz in einem nahen Wohnstift bemüht habe. Die Enttäuschung ist groß. Nicht nur über Domus Mea, sondern auch über die Regierung von Oberbayern als überörtlicher Sozialhilfeträger und die Heimaufsicht am Landratsamt. „Die haben sich gegenseitig den schwarzen Peter zugeschoben.“

Tatsächlich kursieren unterschiedliche Informationen über die Situation bei Domus Mea, das zur Merkel-Unternehmensgruppe gehört. Erst kürzlich informierte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner im Gemeinderat, dass die Pflege- und Therapiezentrum GmbH mit ihren Häusern in Fischbachau und Hausham Insolvenz beantragt habe. Parallel dazu verbreiteten sich Gerüchte, dass auch das Pflege- und Therapiezentrum in Bayerisch Gmain mit der zugehörigen Klinik in Bischofswiesen sowie die Mutter Domus Mea Management GmbH diesen Schritt gewählt hätten.

Insolvenzverwalter Thomas Klöckner, der zusammen mit seinem Kollegen Oliver Mathes seit Ende Dezember die Geschäftsführung bei Domus Mea übernommen hat, bestätigt die Vermutungen. Die Schieflage des Pflege- und Therapiezentrums in Fischbachau habe eine Krise ausgelöst, die auf die gesamte Gruppe ausgestrahlt habe. Daraufhin habe sich das Ehepaar Merkel aus der Geschäftsführung zurückgezogen und das Antragsverfahren für die Insolvenz in Eigenverwaltung gestartet. Andere Gesellschaften der Merkel-Gruppe seien davon nicht betroffen, betont Klöckner. Weil es sich um zwei getrennte Verfahren handle, sei auch der Weiterbetrieb in Bayerisch Gmain/Bischofswiesen gesichert.

Wie es mit Domus Mea in Fischbachau und Hausham weitergeht, ist offen. „Wir bemühen uns in enger Abstimmung mit dem Bezirk und der Heimaufsicht um eine langfristige Lösung“, sagt Klöckner. In wöchentlichen Treffen aller Beteiligten finde ein reger Austausch statt. Im Vordergrund stehe dabei das Wohl der Bewohner. Wie berichtet, wurden einige aus der mittlerweile aufgelösten Einrichtung in Fischbachau nach Hausham verlegt. 24 Plätze seien hier verfügbar, 20 weitere Personen stünden auf der Warteliste, schildert Mathes.

Gemeinsames Ziel von Domus Mea, dem Bezirk Oberbayern und der Heimaufsicht sei es, die Betreuung in Hausham aufrechtzuerhalten und eventuell sogar auszubauen. Mehrere Unternehmen hätten Interesse signalisiert, die Trägerschaft zu übernehmen. Eine Entscheidung sei bislang jedoch nicht gefallen, sagt Klöckner.

Offen ist ferner, wie es mit den Immobilien in Fischbachau und Hausham weitergeht. Beide würden zum nicht-insolventen Teil der Unternehmensgruppe gehören, erklärt der Insolvenzverwalter. Letztlich gehe es hier darum, die Ansprüche der Gläubiger zu erfüllen. Eine Zwangsversteigerung sei derzeit aber kein Thema. Höchste Priorität habe ohnehin, zuerst eine gute Lösung für die Bewohner zu finden, sagt Klöckner. „Es geht hier ja um Menschen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weil der Gasthof geschlossen ist: Wallfahrer machen ins Gebüsch
Der geschlossene Gasthof Moar fehlt den Besuchern der Wallfahrtskirche Wilparting. Denn nicht nur die Stube ist zu, sondern auch die Toiletten. Die Folgen sind nicht zu …
Weil der Gasthof geschlossen ist: Wallfahrer machen ins Gebüsch
Auf der anderen Seite der Radarfalle: Wir gehen mit der Polizei auf Raserfang
„Bitte lächeln“: Beim sechsten Blitzmarathon auf Bayerns Straßen machte die Polizei gestern 24 Stunden lang Jagd auf Raser. Wir haben die Beamten begleitet.
Auf der anderen Seite der Radarfalle: Wir gehen mit der Polizei auf Raserfang
Vorglüh-Verbot beim Frühlingsfest: Komplett unsinnig oder absolut sinnvoll?
Holzkirchen spricht für die Zeit des Frühlingsfestes ein komplettes Alkoholverbot aus. Wer offen was rumträgt, bekommt es mit der Polizei zu tun. Sinnvoll, oder …
Vorglüh-Verbot beim Frühlingsfest: Komplett unsinnig oder absolut sinnvoll?
Frühlingsfest Holzkirchen: Gemeinde verbietet Mitführen von Alkohol im ganzen Ort 
Während des Frühlingsfestes will die Marktgemeinde erstmals ein Alkoholverbot auf Straßen und Plätzen anordnen. Die Idee stammt von der Polizei. Was wir wissen:
Frühlingsfest Holzkirchen: Gemeinde verbietet Mitführen von Alkohol im ganzen Ort 

Kommentare