+

„Drifter“ vor Gericht

„Er hat gesagt, dass ich Gas geben soll“

Hausham/Bad Tölz – Das Fahrzeug schiebt sich rasant durch die Kurve, das Heck bricht aus, die Kieselsteine fliegen: Solche Fahrmanöver üben auf manchen Hobby-Rennfahrer eine enorme Faszination aus. Zwei Fälle landeten jetzt vor Gericht.

Am Tölzer Moraltpark sorgt das „Driften“, wie diese Fahrtechnik im Motorsport-Jargon heißt, in jüngster Zeit vermehrt für Ärger. Zwei übermütige Fahrer, einer davon aus Hausham, mussten sich nun wegen Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen verantworten. Auch Zeugen wurden befragt.

Den Anfang machte ein 18-jähriger Lenggrieser. Weil sein Freund ein paar Mädels imponieren wollte („Er hat gesagt, dass ich Gas geben soll“) jagte der Angeklagte seinen Golf mit Vollgas über den Platz und zog beim Driften tiefe Spuren in den Kies. Der Eigentümer des Platzes erstattete Anzeige, den entstandenen Schaden bezifferte er auf 10 000 Euro.

„Das kommt mir schon sehr hoch vor“, sagte der Verteidiger des Lenggriesers. Sein Mandant zeigte dem Jugendrichter Fotos vom Truckertreffen und anderen Veranstaltungen auf dem Gelände an der Isar. „Wenn man sieht, welche Spuren ein Lastwagen dort hinterlässt, kann man das nicht ganz nachvollziehen“, so der Rechtsanwalt zur Schadenssumme.

Wegen ähnlicher Schleuderübungen musste sich ein 28 Jahre alter Haushamer vor dem Strafrichter verantworten. Am 4. Mai gegen 20 Uhr hatte er auf der Suche nach einem Parkplatz den Volksfestplatz angesteuert, als es ihn plötzlich überkam. „Ich wollte mal sehen, wie das Auto sich in Ausnahmesituationen verhält“, begründete der Angeklagte, warum er das Schild „Driften wird geahndet“ ignoriert und seinen 5er-BMW kräftig hatte schleudern lassen. Eine Sachbeschädigung, die in diesem Fall vom Platzbesitzer mit 4000 Euro angesetzt worden war, mochte der forsche Fahrer jedoch nicht erkennen. „Ich habe gedacht, dass durch andere Veranstaltungen der Kies wieder hergerichtet wird, oder Regen und Schnee das regulieren.“

Dem sei nicht so, wie der mit den Erdarbeiten beauftragte Unternehmer aus Reichersbeuern erklärte. Mit Auflockern und Abfräsen beliefen sich die Kosten für die umgepflügten Flächen auf drei bis vier Euro pro Quadratmeter. „Je nachdem wie hart das Gestein ist.“ Die gravierende Differenz bei den vorliegenden Beispielen ergebe sich also aus der Größe der beschädigten Fläche.

Die beiden Angeklagten sind keine Einzelfälle. „Fünf, sechs Fahrer habe ich seit März beim Driften erwischt“, erklärte ein Türsteher des Lokals „Jailhouse“. „Manche kommen selbst am nächsten Tag mit einem Bulldog, um die Spurrillen zu beseitigen.“

Der einsichtige Lenggrieser kam beim Urteilsspruch glimpflich davon. „Er weiß, dass das ein Schmarrn war, und dass Autos kein Spielzeug sind“, sagte sein Verteidiger. Richter Urs Wäckerlin verordnete dem jungen Burschen 24 Stunden Sozialdienst, im Gegenzug wird das Verfahren eingestellt.

Teurer wurde es für den Haushamer, der mit 28 Jahren nicht mehr in den Genuss des Jugendrechts kommt. Er muss 800 Euro an die Oberland-Werkstätten zahlen – dann wird auch sein Verfahren eingestellt.

dst/rst

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Pikolas Weltkriegs-Drama kehrt auf die Bühne zurück
Ein Riesen-Erfolg für die Irschenberger Theatergruppe war Rudolf Pikolas Stück „...der werfe den ersten Stein!“. Jetzt geht es zwei Jahre später in die nächste Runde. …
Pikolas Weltkriegs-Drama kehrt auf die Bühne zurück
Sportlerwahl 2016: Noch können Sie abstimmen
Landkreis – Sie sind gefragt: Wir suchen die Landkreissportler des Jahres 2016. Ab sofort können Sie hier in vier Kategorien abstimmen. Wir haben ein paar Kandidaten …
Sportlerwahl 2016: Noch können Sie abstimmen
Alternativen zum Studium: Ausbildung braucht mehr Lobby
Dem Akademisierungs-Wahn die Stirn bieten. Dafür sprach sich der IHK-Ausschuss Miesbach aus. Alternativen zum Studium gibt es schließlich reichlich. 
Alternativen zum Studium: Ausbildung braucht mehr Lobby
Geringeres Minus: Vitalwelt-Schwimmbad trotzt Branchentrend
Es war ein gutes Jahr für das Schwimmbad in der Schlierseer Vitalwelt. Genau 87.356 Badegäste hüpften ins Becken. Ein finanzielles Minus gab es trotzdem. Das sei aber …
Geringeres Minus: Vitalwelt-Schwimmbad trotzt Branchentrend

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare