Trauriger Moment: Mehrere Anwohner der Schlierseer Straße 10 in Hausham berichten, die Bäume im Garten des Hauses seien gesund und landschaftsprägend gewesen. Ihre Fällung schade dem Ort. Foto: Thomas Plettenberg
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Trauriger Moment: Mehrere Anwohner der Schlierseer Straße 10 in Hausham berichten, die Bäume im Garten des Hauses seien gesund und landschaftsprägend gewesen. Ihre Fällung schade dem Ort.

Baumschutzverordnung gefordert

Fällungen in Hausham: Anwohner trauern um „grüne Juwelen“

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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In der Schlierseer Straße 10 in Hausham haben Arbeiter mehrere große, scheinbar gesunde Bäume gefällt. Einige Anwohner trauern und fordern eine Baumschutzverordnung.

Hausham – Als Ursula Häusler (71) die Sägen hört, muss sie weinen. Sie weiß, dass jetzt wieder Arbeiter auf einer Hebebühne in die Wipfel fahren, die über die Häuser in der Schlierseer Straße in Hausham hinausragen. Sie weiß, dass sie dort, im Garten von Hausnummer zehn, zwischen Volkshochschule und Pizzeria, die Äste aus den Kronen schneiden, dann die Stämme fällen. „So schöne gesunde Bäume“, klagt Häusler. Der Garten sei ein grünes Juwel gewesen, mit Bienenhäuschen und liebevoller Gestaltung. Nun sehe sie statt frischen Blättern die Türme des Heizkraftwerks. „Und das in einer Zeit, in der der Umweltschutz so wichtig ist.“

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Fällungen in Hausham: Anwohner trauern um „grüne Juwelen“

Was Häusler, die im Haus nebenan wohnt, aber auch für Bewohner von Hausnummer zehn spricht, kritisiert: Hausham hat keine Baumschutzverordnung, die das Fällen von Bäumen verbietet. „Also wird so ein Park eben einfach niedergeknüppelt.“ Vor rund einem Jahr seien die ersten der über 100 Jahre alten Bäume gefällt worden, jetzt der Rest. Ein Unding, findet Häusler, gerade auf einem so zentralen Grundstück im Ort, nur knappe 100 Meter vom neuen Rathaus entfernt. Sie und andere Anwohner finden, die Fällungen hätten verhindert werden müssen.

Besonders, weil einige Bewohner des Hauses glauben, die Gründe für die Maßnahme zu kennen: Eine Bewohnerin habe sich vor herabfallenden Ästen gesorgt. Das Zuschneiden der Bäume sei dem Eigentümer aber zu teuer gewesen. Also habe er sie gefällt. Verständlich, da der Eigentümer weit weg wohne und an der Gegend kaum Interesse habe, meint Häusler. Die Gemeinde müsse künftig aktiv werden, die Bäume schützen.

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Bürgermeister Jens Zangenfeind betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Haushamer Bäume auch ohne Verordnung geschützt seien. Der Gemeinderat habe 2014 entschieden, keine Baumschutzverordnung zu erlassen und auf die Eigenverantwortung der Grundstückseigentümer zu zählen. Völlig frei seien die in Ihrer Entscheidung aber nicht. Wegen des Naturschutzgesetzes bedürfe das Fällen von schützenswerten Bäumen der Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB). Außerdem dürften Bäume nur zu bestimmten Jahreszeiten gefällt werden.

Zangenfeind betont aber auch, dass es gute Gründe für das Fällen von Bäumen geben könne. Sind diese zum Beispiel krank, könnte die Gesundheit Dritter geschützt werden müssen.

Bei Konflikten zwischen diesen Zielen, würden UNB und Gemeinde Grundstückseigentümer beraten. Ein Angebot, dass die Haushamer laut Zangenfeind nutzen. Gehe es um Nachbarskonflikte oder die Frage, ob größere Bäume auf Privatgrundstücken noch sicher und gesund sind, habe die Gemeinde im Einvernehmen mit den Bürgern bisher immer gute und einvernehmliche Lösungen finden können. „Oft hilft es, wenn man miteinander spricht. Man muss nicht alles verordnen.“

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