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Fatales Marihuana-Tütchen: Prozess gegen Haushamer geht in zweite Runde

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Betrieb auf Sparflamme: Am Amtsgericht Miesbach wird derzeit nur das Dringendste verhandelt.
Am Amtsgericht Miesbach sitzt derzeit ein 21-Jähriger auf der Anklagebank. Er wird des Drogenhandels verdächtigt. © Archiv/al

Mit 4,7 Gramm Marihuana wurde ein Haushamer (21) im Juli dieses Jahres in seinem Heimatort von zwei Polizisten in Zivilkleidung erwischt.

Hausham – Vor dem Miesbacher Amtsgericht musste sich der Haushamer auf der Anklagebank verantworten. Allerdings nicht wegen des Besitzes von Marihuana, sondern gar wegen des vorsätzlich unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln.

Denn die Staatsanwaltschaft klagt an, dass der 21-Jährige das Gras habe veräußern wollen, da er mit drei weiteren Personen an der Tegernseer Straße angetroffen wurde. Diese hatten alle keine Drogen dabei. Der Haushamer hatte die 4,7 Gramm Marihuana verpackt in mehreren kleinen Tütchen, die wiederum in einem größeren Beutel waren, mit sich. Äußern wollte er sich zum Tatvorwurf nicht.

Polizist beobachtet fallendes Tütchen - Angeklagter schweigt sich aus

„Mein Mandant macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch“, erklärte Verteidiger Max-Josef Hösl. So lag es an den Zeugen, für mehr Klarheit in diesem Prozess zu sorgen. „Ein Kollege und ich waren in Zivilkleidung unterwegs und haben bei der aus vier bis fünf Männern bestehenden Gruppe eine Personenkontrolle durchgeführt“, sagt ein 24-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Miesbach. Dabei sei ihm aufgefallen, wie der Angeklagte ein Päckchen „aus seiner Hosen- oder Jackentasche direkt hinter sich“ hat fallen lassen. „Ich habe das genau gesehen, aber er hat behauptet, dass das nicht sein Päckchen sei“, berichtet der Beamte. In dem Tütchen hätten sich die 4,7 Gramm Marihuana befunden. „Da in dem großen Tütchen mehrere kleine mit jeweils etwa einem Gramm waren, haben wir sofort an Handel gedacht“, ergänzte der 24-Jährige. Zudem sei der Angeklagte „als Betäubungsmittelhändler bestens bekannt“.

Ein weiteres Indiz sei in den Augen des Polizisten, „dass er viele Zehn-Euro-Scheine in seinem Geldbeutel hatte“. Vielerorts werde ein Gramm Marihuana für zehn Euro veräußert, erklärte er.

„Der Handel ist nur ein Verdacht“, warf Anwalt Hösl ein und wollte den Polizeibeamten nach seiner Zeugenaussage noch nicht unvereidigt entlassen. Zuvor wolle er wissen, was die weiteren Zeugen sagen. Bei denen handelte es sich um die drei jungen Männer, die sich gemeinsam mit dem Angeklagten der Personenkontrolle stellen mussten. „Ich weiß nicht, was da genau passiert ist“, so ein Zeuge (19) aus Hausham. Er habe bei der Kontrolle penibel „auf mein Notebook geachtet, das die Polizisten auf den Bürgersteig gelegt haben“, sagte der Haushamer aus. Dass der Beschuldigte ein Tütchen mit Gras fallen ließ, will er nicht gesehen haben. „Wir haben uns da zufällig getroffen und nicht zu einem Marihuana-Handel verabredet“, so der Zeuge, der laut eigener Aussage „nie Bargeld“ mit sich führe.

„Es sieht nicht besonders rosig aus“

Auch der zweite Zeuge aus der vierköpfigen Gruppe gab an, an besagtem Tag keine Drogen beim 21-Jährigen gesehen zu haben. „Anscheinend haben sie aber was bei ihm gefunden, weil sie ihn mitgenommen haben“, sagte der Haushamer (23) über den Angeklagten. „Ich weiß nicht, ob die Polizisten was gefunden haben – bei mir jedenfalls nicht“, erklärte auch der dritte Zeuge (20), der ebenfalls aus Hausham stammt.

Vor allem aufgrund der Aussage des Polizisten hielt Richter Walter Leitner fest: „Es sieht nicht besonders rosig aus.“ Gestehen wollte der Angeklagte nach Rücksprache mit seinem Anwalt nicht. „Ich habe mich beim Polizisten für mein Fehlverhalten entschuldigt“, schob der 21-Jährige nach. Damit meinte er sein aufbrausendes Verhalten den Beamten gegenüber. „Entschuldigt hat er sich“, entgegenete der Polizist. „Angenommen haben wir die Entschuldigung aber nicht, da ich sowas noch nie erlebt habe.“

Zu einer Verurteilung kam es noch nicht. Hösl forderte ein Sachverständigengutachten für die Fingerabdrücke am Marihuana-Tütchen sowie die Aussage des zweiten Polizisten, der diesmal verhindert war. Doch nur der zweite Wunsch wird erfüllt – Ende November kommt es zur Fortsetzungsverhandlung. Dann wird sich zeigen, ob der achtfach vorbestrafte Haushamer wirklich mit seiner Drogenkarriere abgeschlossen hat. Behauptet hat er es. (Philipp Hamm)

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