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Christina Kölbl (23) ist Destillateurin bei der Firma Lantenhammer und weiß genau, was gute, hochprozentige Tropfen ausmacht.

SERIE: FRAUEN IN EHEMALIGEN MÄNNERBERUFEN

Die Nase für Hochprozentiges: Diese Frau ist Schnapsbrennerin

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Christina Kölbl weiß nicht nur, was einen guten Schnaps ausmacht. Die 23-Jährige weiß alles über Hochprozentiges. Sie ist Destillateurin und steht bei der Firma Lantenhammer in Hausham ihren Mann.

Hausham – Wenn bei Lantenhammer eine Führung ansteht, dann erleben die Teilnehmer erst einmal eine Überraschung: Vor ihnen steht kein gstandenes Mannsbild vom Typ bierbäuchiger Brauer, sondern eine zierliche, aber selbstbewusste junge Dame, die nicht nur das Herz am rechten Fleck hat, sondern auch über einen ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn verfügt. „Ich bin das Mädchen für alles hier in der Firma“, sagt Christina Kölbl über sich und schmunzelt. Die 23-jährige Gmunderin, genauer gesagt Gasslerin, gehört seit sechs Jahren zum Kreis der rund 30 Mitarbeiter der bereits 1928 in Schliersee gegründeten Destillerie Lantenhammer.

Eine Frau als Destillateurin. „Natürlich fragen mich viele, wie denn eine Frau dazu kommt, diesen Männerberuf zu erlernen.“ Wenn die 23-Jährige dann ganz lässig und authentisch durch die Erlebnis-Destillerie in Hausham führt, dann spüren sie Kölbl Begeisterung für ihren Beruf und die hochwertigen Produkte, die es hier zu kaufen gibt. Dabei wusste die Gmunderin früher nicht einmal, dass es diesen Beruf für Frauen überhaupt gibt. Nach der Mittleren Reife wollte sie etwas Handwerkliches lernen, weil sie ein Naturmensch sei. Dann las sie zufällig die Stellenanzeige in der Zeitung – bewarb sich und wurde genommen. Die Lehrzeit wurde von drei auf zwei Jahre verkürzt, weil sich Kölbl dazu entschloss, eine Lehre zur Industriekauffrau anzuhängen, ebenfalls bei Lantenhammer. „Damit hat man einfach mehr Möglichkeiten“, sagt sie im Rückblick. Dass ihr Beruf tatsächlich etwas Exotisches darstellt, merkte sie in der Berufsschule in Dortmund, wo auch Azubis aus Österreich die Schulbank drücken. „Wir waren 14 Schüler, davon zwei Mädchen“, erinnert sich Kölbl. Hier lernte sie nicht nur, einen „Willi“ von einer „Zwetschge“ zu unterscheiden, „was ich früher nicht konnte.“ Während ihrer Ausbildung schärfte sie ihren Geruchs- und Geschmackssinn, lernte alles über Alkohol, guten und schlechten.

Der Engelsanteil und die Suchtgefährdung

Vielleicht ist es ihre Oma, die Christina Kölbl das Faible für die alkoholische Verwertung von Obst vererbt hat. Die junge Destillateurin möchte nämlich daheim in der Gasse, im Austragshäusl der Oma, eine kleine „Abfindungsbrennerei“ eröffnen. Weil der Hof das Brennrecht seit jeher hat und auch genug Obstbäume im Garten stehen, darf Kölbl ihre Pläne verwirklichen. Die Gemeinde hat schon Ja gesagt, auf den Segen des Landratsamts wartet sie noch. Bis zu 50 Liter reinen Alkohol dürfte sie herstellen. Die kupferne Brennblase hat sie schon und natürlich auch die Genehmigung ihres Chefs. „Ich verkaufe eh’ nur in Kleinmengen und an Bekannte. Eine Konkurrenz werde ich nie“, sagt Kölbl und denkt bereits an ihren Freundeskreis von der Gmunder Landjugend. Im Herbst könnte sie loslegen, „vorausgesetzt, es gibt genug Obst heuer.“

Und dann räumt Christina Kölbl noch mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, Destillateure würden sich in einer Tour ein Schnapserl genehmigen. „Wir nippen nur“, sagt Christina, füllt ein wenig Williams, ihren Lieblingsschnaps, in ein Glas, schwenkt und riecht. „Ein Tropfen reicht schon, damit man alles schmeckt.“ Sie muss den sogenannten Mittellauf zwischen Vor- und Nachlauf herausschmecken, „das Herzstück, mit dem wir weiterarbeiten.“ Natürlich müsse man in ihrem Beruf Hochprozentiges auch mögen, „aber es ist nicht so, dass wir jeden Tag probieren.“ Und im Kollegenkreis, das sei erst neulich wieder Thema gewesen, kenne man keinen Einzigen, der wegen seines Berufs suchtgefährdet sei.

Bei der Führung erklärt sie alles – von der Anlieferung der vollreifen Früchte über den Brennvorgang bis zur Lagerung des Destillats, die bei Lantenhammer in riesigen Steingut-Behältern erfolgt. „Ein bis zwei Jahre lagert der Williams darin – Minimum.“ Dass der „Engelsanteil“, also der Verdunstungsanteil, fünf bis sechs Prozent ausmacht und damit höher ist als bei der Lagerung in Stahlgefäßen, mache die Qualität der Lantenhammer-Produkte aus. Und: Zwölf Kilo Obst stecken in einem halben Liter Williams, 800 Tonnen Obst werden bei Lantenhammer jährlich verarbeitet, davon sind 350 Tonnen Williamsbirnen. „Das ist der Klassiker, den jeder gerne trinkt.“

Zu unserer Serie: Wir stellen Frauen vor, die in Berufen arbeiten, die als Männerdomäne gelten. In den Porträts erzählen sie, warum sie sich gerade für den Job entschieden haben und ob die Geschlechterfrage dabei überhaupt eine Rolle spielt.

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