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Der Herr der Krippe: Walter Holzfurtner sen. baut Häuser und Bäume der Ganzjahreskrippe in St. Anton selbst. Für die Figuren macht er Entwürfe am Computer.

Es soll die Krippe der Haushamer sein

Ganzjahreskrippe Hausham: Sonntag kommt die Auferstehung

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Die Haushamer Ganzjahreskrippe wurde zum zweiten Mal unter die schönsten Krippen der Gegend gewählt. Das verdankt sie dem Einsatz von Walter Holzfurtner sen. Der hat viel vor.

Hausham – Walter Holzfurtner sen. (71) steht vor einem vier Meter breiten Glas-Schrank und blickt auf sein Lebenswerk. Er sieht Jesus, wie er von Pontius Pilatus zum Tode verurteilt wird und wie er am Kreuz hängt. Und Maria und Maria Magdalena, wie sie um ihn trauern. Viele kleine Geschichten, dargestellt mit 30 Zentimeter hohen Figuren vor Modell-Gebäuden, an denen Schmutz und Fugen erkennbar sind. Der Haushamer hat sie alle entworfen und geplant, aufgebaut und wieder umgestellt. Er sagt: „Da steckt viel Liebe drin.“

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Ganzjahreskrippe Hausham: Sonntag kommt die Auferstehung

Die Elemente gehören zur Ganzjahreskrippe in der Kirche St. Anton in Hausham. Sie zeigt das ganze Jahr wechselnde Szenen aus dem Leben Jesus. „Einzigartig bei uns in der Gegend“, sagt Holzfurtner. Derzeit steht dort die Passionsgeschichte. Schon Sonntag wird es die Auferstehung sein. Zehn Episoden gibt es insgesamt. Von der Verkündigung Maria und der Geburtshöhle bis zu Christi Himmelfahrt und der Frau am Jakobsbrunnen.

Holzfurtner ist der Mann, der sich um die Krippe kümmert, wie er selbst sagt. Das heißt: Er baut die Szenen um und denkt sich neue aus. Für die Häuser und Bäume zeichnet er Skizzen, erstellt am Computer 3D-Modelle und bastelt über Monate in seiner Werkstatt, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist – manchmal mehrfach. Einen Stall hat er schon zwei Mal eingestampft und drei Mal wieder aufgebaut, weil er ihm nicht gut genug war.

Die Konsequenz: Den Zeitaufwand misst Holzfurtner in Monaten. „Ich mache es für die Gegend“, sagt er. „Es soll die Krippe der Haushamer sein.“ Es freut ihn, wenn Großeltern sagen, dass ihre Enkel die Krippe sehen wollen, und wenn ihn Menschen auf der Straße auf den neuesten Aufbau ansprechen.

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Ganzjahreskrippe Hausham: Die Figuren sind etwas ganz Besonderes

Dann loben sie meist auch die Figuren. Für sie fertigt Holzfurtner Photoshop-Entwürfe an. Die schickt er der Familie Demetz aus Lajen im Grödnertal. Sie baut „den Mercedes unter den Krippenfiguren“, sagt Holzfurtner. „Alles Unikate.“ Die Kleider werden in Gips, Leim und Salz getaucht und in Handarbeit realistisch in Falten gelegt, bis zu vier Schichten übereinander.

„Ich will Episoden, die in Bewegung sind“, sagt Holzfurtner. „Figuren, die reden und etwas tun.“ Eine Szene, die im Juni erscheint, zeigt den jungen Jesus im Haus in Nazareth. Er reicht Josef ein Brett, die Lippen geöffnet, die Arme im Schwung. „Man kann sich vorstellen, wie Jesus fragt: ,Ist das das richtige Brett?‘“, sagt der Krippen-Meister. „Und Josef könnte antworten: ,Nein, wir brauchen ein größeres.‘“

Dass Holzfurtner seine kreativität so ausleben kann, verdankt er seiner Frau. Sie und zwei weitere Schalkfrauen der Schlierachtaler Trachtler erzählten Frater Stefan auf Kloster Andechs, dass es in St. Anton keine Krippe gibt. Der gebürtige Haushamer bot an, seine Lieblingskrippe zu spenden – wenn sich jemand darum kümmert. Holzfurtner sagte zu. Das war 2014. Damals gab es eine Szene: die Geburt Jesus.

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Ganzjahreskrippe Hausham: Holzfurtner macht es aus Leidenschaft

Seitdem tut Holzfurtner mehr, als sich nur zu kümmern. Weil ihm der Glaube am Herzen liegt. Und weil er damit einen Kindheitstraum auslebt. „Ich wäre gerne Schreiner geworden“, sagt er. Es war der Beruf des Vaters und der beiden Brüder. Weil damit alle aber Plätze in der heimischen Schreinerei besetzt waren, wurde Holzfurtner Schriftsetzer. Und malte und bastelte in der Freizeit. Für die Krippe kombiniert er seine Erfahrungen. Die Arbeit lernte ihm den Umgang mit den Computerprogrammen, mit denen er Figuren und Gebäude entwirft.

Unterstützung braucht Holzfurtner bei der die Finanzierung. Neben der Krippe hängt ein Spendenkasten. Beim Adventssingen sammelt er für die Krippe und die Orgel der Kirche. Außerdem helfen Unternehmen, die Gemeinde und die Haushamer. Trotzdem hat Holzfurtner immer mehr Pläne als Geld.

So auch derzeit. Schon kommende Woche will er für neue Figuren nach Lajen fahren. „Ich stelle mir eine Episode vor, wie Christus unter dem Kreuz zusammenbricht, daneben die trauernden Maria und Maria Magdalena.“ Es wird nicht seine letzte Szene sein. „Ich werde das machen, so lange der da oben mich auf der Erde lässt.“

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