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Unterstützung aus dem Landkreis Miesbach: An der Aktion in der Tölzer Marktstraße nahmen auch die Hebammen (v.l.) Kathleen Hodbod, Barbara Staudinger und Monika Döring teil.

Geburtshilfe am Krankenhaus Agatharied bis auf Anschlag ausgelastet 

Hebammen schicken Hilferufe aus dem Kreißsaal

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Die Hebammen im Oberland haben ihren internationalen Tag am Freitag genutzt, um in Bad Tölz auf die schwierige Situation im Oberland aufmerksam zu machen. Weil die Asklepios-Klinik der Kurstadt ihre Geburtshilfe geschlossen hat, sind die Kapazitäten am Krankenhaus Agatharied ausgereizt.

Mit Statistiken bei Geburten ist das so eine Sache: Deren Aussagekraft ist relativ. Das weiß auch Dr. Stefan Rimbach, Chefarzt der geburtshilflichen Abteilung am Krankenhaus Agatharied, hinsichtlich der 107 Babys aus dem Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die im April auf seiner Station das Licht der Welt erblickten. Doch unabhängig davon, ob diese Zahl ein Durchschnittswert oder ein Ausreißer nach oben ist – eines stellt Rimbach fest: „Wir haben seit der Schließung der Geburtshilfe in Bad Tölz einen deutlichen Anstieg.“

Das kann Swantje Vogt nur bestätigen. Die Beleghebamme am Krankenhaus Agatharied und Kreisvorsitzende des Hebammenverbands Miesbach findet klare Worte: „Wir merken das total.“ Schon vor der Schließung in Bad Tölz sei die Abteilung „auf Anschlag“ gewesen. Jetzt umso mehr.

Die Probleme liegen auf der Hand: Freie Betten seien Mangelware, das Personal sei voll ausgelastet. Die Rufbereitschaft der Hebammen, die bei Auslastungsspitzen unterstützen soll, sei zunehmend im Dauereinsatz. „Von vielen Frauen höre ich, dass die Atmosphäre in der Klinik gestresst ist“, sagt Vogt. Als Vorwurf ans Krankenhaus will sie diese Feststellungen aber nicht verstanden wissen. „Alle Beteiligten bemühen sich, aber irgendwann ist die Belastungsgrenze erreicht.“ Ihre Forderung lautet deshalb: „Bad Tölz braucht wieder eine eigene Geburtshilfe.“

Chefarzt Dr. Rimbach beschreibt die Situation weniger dramatisch: „Die Auslastung ist gut, wir sind jedoch nicht überlastet. Es ist ja auch gut, wenn man etwas zu tun hat.“ Auf die Mütter aus Bad Tölz sei man vorbereitet. „Wir haben Prozesse optimiert, zwei zusätzliche Ärzte eingestellt, die auch anderen Abteilungen zur Verfügung stehen, und zwei weitere Hebammen hinzugenommen.“ Letztere nicht nur wegen Tölz. Auch das Pflegepersonal sei aufgestockt worden. Zudem wurden vier weitere Betten geschaffen, und auch baulich werde gearbeitet. So soll bis zum Sommer ein vierter Kreißsaal einsatzbereit sein, und auch ein neuer Ambulanztrakt komme hinzu. Sein Fazit: „Mit Blick auf unsere Patientenbefragung ist die Zufriedenheit gut.“ Ziel sei es, „die entspannte Atmosphäre, die Agatharied auszeichnet, zu erhalten“.

Diese könnte aber nachhaltig leiden, wenn die Schiedsstelle am 19. Mai den Gebührenkatalog zwischen Hebammenverbänden und Krankenkassen zum Nachteil der Geburtshelferinnen schlichtet. Das Problem: Seit Jahren fordern die Hebammen im Sinn einer guten Qualität, dass eine Hebamme nur zwei werdende Mütter gleichzeitig betreut. Entsprechend seien die Honorare anzuheben und zusätzlicher Nachwuchs auszubilden. Die Krankenkassen versuchen nun laut Vogt, den Hebammen einen Strick daraus zu drehen: Diese sollen nur noch zwei Mütter gleichzeitig betreuen dürfen und bekämen nur zwei bezahlt – mehr Nachwuchs und mehr Geld sei dagegen nicht vorgesehen. „Dabei wird jede Geburt gleich honoriert – egal, ob sie zehn Minuten oder mehrere Stunden dauert.“

Gerade für Bayerns Kliniken wäre dies eine Katastrophe, sagt Vogt: „Das System der Beleghebammen ist hier weit verbreitet. Die wenigsten sind fest angestellt – wir arbeiten freiberuflich.“ Was Rimbach bestätigt: „Man muss einen Weg finden, das gute System der Beleghebammen zu erhalten.“ Zumal der Markt für eine solche Regelung gar nicht ausreichend Hebammen hergeben würde. Qualitativ sieht Rimbach keinen Änderungsbedarf: „Bei der Geburt ist eine 1:1-Betreuung generell üblich.“ Die Mehrfach-Betreuung betreffe die Zeit vor der Geburt.

In Bad Tölz machten am Freitag Hebammen aus dem Oberland mit einem Infostand auf die Situation aufmerksam. Dabei wurden Unterschriften für eine Petition gegen das Schließen von immer mehr Geburtsstationen in Deutschland gesammelt.

ddy

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