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Komplett belegt: Die insgesamt 336 Nischen in den Urnenpavillons auf dem Haushamer Friedhof sind allesamt vergeben. Auch die Stelen- und Gemeinschaftsgrabanlagen sind voll. 

Gemeinderat beschließt neue Anlage

Gefragt wie nie: Friedhof gehen Urnengräber aus

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Nichts gilt für die Ewigkeit – auch nicht auf dem Haushamer Friedhof. Urne statt Erdbestattung heißt der neue Trend. Nun sind alle Gemeinschaftsanlagen belegt. Die Gemeinde reagiert. 

Hausham – „Der Trend geht zu den Urnenbegräbnissen“, berichtete Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) im Gemeinderat. Der Anteil der Feuerbestattungen betrage mittlerweile gut 70 Prozent. Weil immer mehr Angehörige auch kein eigenes Grab mehr wollen, liegen die Stelen- und Gemeinschaftsgrabanlagen auf dem Friedhof hoch im Kurs. So hoch, dass nun beide Einrichtungen voll belegt sind. Und das, obwohl die Stelengräber erst vor drei Jahren errichtet wurden. In den 1990er-Jahren wurden Urnenpavillons aufgestellt. Auch hier sind alle 336 Nischen belegt.

Um diesen Engpass schnell zu beseitigen, hatte die Gemeindeverwaltung Vorschläge für weitere Standorte erarbeitet. Für eine neue Gemeinschaftsgrabanlage kommt laut Zangenfeind eine freie Fläche am Ostrand des Friedhofs in Frage. „Da sind einige Erdgräber aufgegeben worden“, erklärte der Bürgermeister. Die Verwaltung habe sich bemüht, diese freizuhalten, um einen „Flickerlteppich“ zu vermeiden. Nun könne man hier eine Anlage für 56 Urnenplätze errichten.

Für die Stelengräber habe die Verwaltung hingegen den Grünstreifen entlang des Nagelbachs ins Auge gefasst. Hier könnten sechs bis sieben Anlagen mit jeweils vier bis sechs Einzelstelen aufgebaut werden. Für die Fläche vor den Grabsäulen böten sich pflegeleichte Pflastersteine an. Zwischen den Anlagen werde der Bauhof neue Sitzbänke aufstellen, kündigte Zangenfeind an. „Damit wäre die Nachfrage nach Urnengräbern mittelfristig abgedeckt“, sagte er. Die Gemeinderäte unterstützten diese Vorschläge einstimmig.

Für wenig Begeisterung sorgte hingegen das Konzept einer Fachfirma für bis zu vier freistehende Stelen mit jeweils 16 Urnennischen am Westrand des Friedhofs. Die gut 2,30 Meter hohen „Türmchen“ wären laut Zangenfeind auf einer durch eine Heckenentfernung frei gewordenen, 60 Quadratmeter großen Fläche angedacht. „Das finde ich gar nicht schön“, sagte Elisabeth Leidgschwendner (CSU). Sie schlug vor, sich zuerst bei einem Ortstermin ein Bild von der Lage auf dem Friedhof zu machen. Auch Michael Ertl (SPD) konnte dem Konzept nicht viel abgewinnen. „Die bestehende Anlage ist netter, eine kleine Einheit in sich“, sagte er. Einstimmig entschied das Gremium, die Entscheidung vorerst zurückzustellen.

Gar nicht mehr zur Abstimmung stellte der Bürgermeister deshalb die Konzepterstellung für eine komplett neue Form der Beisetzung: die sogenannte Baumbestattung. Dabei wird die Asche des Verstorbenen im Wurzelbereich eines Baumes bestattet. Entweder in einer biologisch abbaubaren Urne und einer Namenstafel am Baumstamm oder an einer Grabstele, oder in einem Rohr mit Abdeckplatte und gravierter Inschrift. Zangenfeind könnte sich ein solches Baumfeld gut an der südöstlichen Grundstücksgrenze des Haushamer Friedhofs vorstellen.

Der Bürgermeister kann die Nachfrage nach den neuen Bestattungsformen gut nachvollziehen. „Die sind pflegeleicht und trotzdem sehr pietätsvoll.“

Diskussion über Friedhofspflege

Lobende Worte fand Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) im Gemeinderat bei der Beratung über neue Urnengrabanlagen auf dem Haushamer Friedhof. „Wir haben einen der schönsten Friedhöfe im ganzen Landkreis“, schwärmte er. Elisabeth Leidgschwendner (CSU) wähnte sich im falschen Film. „Unser Friedhof ist nicht gepflegt“, sagte die Gemeinderätin. Sie habe sich die Anlagen extra vor der Sitzung angeschaut. Was sie dabei gesehen hatte, gefiel ihr ganz und gar nicht. „Richtung Nagelbach herrscht reiner Wildwuchs, und auch die Wege sind zum größten Teil zugewuchert“, sagte Leidgschwendner. Ihr Fraktionskollege Adi Eckmair war der gleichen Auffassung. „Die Pflastersteine sind seit Monaten zugewachsen“, sagte er. 

Zangenfeind war sichtlich überrascht von der harschen Kritik. „Es hat bislang keine Beschwerden gegeben“, meinte er. Trotzdem versprach er, der Sache nachzugehen. Dies ist mittlerweile geschehen, teilt Zangenfeind unserer Zeitung mit. Nur einen Tag nach der Sitzung habe er sich mit dem Bauhof auf dem Friedhof getroffen. Sein Fazit: Von einem ungepflegten Zustand könne keine Rede sein. In Kürze werde auch der Rasen wieder gemäht. Wegen vieler Beerdigungen sei der bei der Gemeinde angestellte Friedhofswärter in den vergangenen Tagen nicht dazu gekommen. „Die Leute sind aber sehr zufrieden mit ihm“, stellt der Bürgermeister klar. 

Auch sonst habe man zuletzt viel für den Friedhof getan. Die Aussegnungshalle und der Besprechungsraum für die Angehörigen seien auf Vordermann gebracht worden, einige Sitzbänke wurden erneuert. Als nächstes ist geplant, den eigentlichen Haupteingang wieder zu aktivieren. Der vor einigen Jahren geschlossene Fußweg soll neu gepflastert werden. Auch die Toiletten werden hergerichtet, verspricht Zangenfeind. „Unsere Wertschätzung für den Friedhof ist groß.“

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