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Teil eines Mess-Netzwerks: Im Keller des Wasserwerks Hausham registriert ein Seismograph Bodenerschütterungen und sendet die Daten nach Kiel.

Großprojekt Alp-Array

Die Geologie der Alpen sichtbar machen

Hausham – Wenn irgendwo auf der Welt die Erde bebt, dann ist das bei uns zwar selten zu spüren. Doch in Hausham steht ein Gerät, das darauf reagiert.

In einem Kellerraum des Wasserwerks registriert seit Kurzem ein Seismograph die Bodenerschütterungen, die bei Erdbeben In Sekundenschnelle über Kontinente hinweg übertragen werden. Er ist Teil eines Forschungsprojekts, an dem insgesamt 18 Nationen beteiligt sind. Ziel: die Erforschung der Geologie der Alpen.

Professor Thomas Meier, Lehrbeauftragter an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, hat sich Ende des vergangenen Jahres an den Interessenkreis Bergbaumuseum Hausham gewandt mit der Bitte, ihm bei der Suche nach einem geeigneten Standort für den Seismographen zu unterstützen. „Durch die Messung seismischer Wellen, die durch Erdbeben weltweit angeregt werden, können wir mit modernen Methoden Informationen über den Untergrund der Alpen erhalten“, erklärt er.

Mit seinem Team von Geophysikern betreut er zehn Messpunkte in Südbayern. Auch die Ludwig-Maximilian-Universität München ist an dem europäischen Großprojekt Alp-Array beteiligt. Mehr als 700 Messstationen liegen wie ein engmaschiges Netz über dem gesamtem Alpenraum, den Vorländern und Teilen des Mittelmeeres verteilt, vom französischen Massif Central bis nach Ungarn, von Bayern bis Mittelitalien. Etwa 40 Kilometer sind die Standorte der Seismographen jeweils voneinander entfernt.

Der Haushamer Interessenkreis Bergbaumuseum war gerne bei der Suche nach einem Standort behilflich. Abseits von Störungen durch Verkehr oder Industrie sollte dieser liegen und einen Stromanschluss haben. Im Keller des Wasserwerks wurde man fündig, erklärt Wolfgang Grützner, Vorsitzender des Interessenkreises. „Das Seismometer ist dort seit Januar aufgestellt und sendet seine Daten nach Kiel und zur internationalen Koordinierungsstelle in Zürich.“

Die Aufzeichnungen aller Messstationen werden zunächst nur gesammelt und gespeichert – über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren. Gemeinsam mit den Ergebnissen aus anderen Messmethoden soll sich am Ende ein möglichst genaues Bild ergeben, wie die Alpen bis in große Tiefen geologisch strukturiert sind.

Von Christine Merk

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