In einer Klinik in Agatharied hat eine junge Frau anderen Patientinnen die EC-Karten gestohlen und damit im Internet eingekauft.
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In einer Klinik in Agatharied hat eine junge Frau anderen Patientinnen die EC-Karten gestohlen und damit im Internet eingekauft.

Amtsgericht verurteilt junge Frau

Kaufrausch mit gestohlenen EC-Karten: 24-Jährige hatte Damen in Klinik beklaut

Bei einem Klinikaufenthalt in Agatharied hat sich eine 24-Jährige auf Online-Shoppingtour gemacht. Dafür klaute sie zwei Damen die EC-Karten. Jetzt wurde sie verurteilt.

Agatharied – E-Books, Konzert-Tickets, Abos fürs Bezahlfernsehen, Lebensmittel einer Supermarktkette: Das und vieles mehr hat eine Frau aus dem Kreis Pfaffenhofen von April bis Juli 2018 im Internet bestellt – auf anderer Leute Kosten, 4937,89 Euro, um genau zu sein. Die 24-Jährige finanzierte ihre Online-Shoppingtour mit EC-Karten, die sie zwei Damen bei einem Klinik-Aufenthalt in Agatharied im Mai 2018 gestohlen hatte. Am Amtsgericht Miesbach wurde ihr nun der Prozess gemacht wegen Diebstahls in zwei Fällen und Computerbetrugs in 38 Fällen.

Dabei habe sie die Artikel oft gar nicht benötigt, gab die 24-Jährige vor Gericht zu. „Das ist oft so ein Impuls bei mir, eine Art Kaufsucht.“ An die Karten-Diebstähle selbst könne sie sich nicht mehr erinnern, leugnen wollte sie sie dennoch nicht. „Das hat schon alles so seine Richtigkeit“, sagte sie aufrichtigerweise. Auch dass sie unter falschem Namen – meist von Freunden oder Angehörigen – bestellt hatte, räumte sie ein.

Angeklagte ließ sich Schuhe, Schmuck und mehr in Klinik schicken

Lebensmittel, Schuhe, Halsketten oder DVDs ließ sie sich dann jeweils in die Klinik schicken. Die Verwunderung bei den anderen Patienten und Schwestern ihrer Station sei freilich groß gewesen, schließlich kam alle paar Tage ein neues Paket an. „Sie haben mich auch darauf angesprochen, wie ich so viel bestellen kann“, erinnerte sich die 24-Jährige. Den Fragen sei sie aber ausgewichen. „Ich habe das alles ignoriert und ausgeblendet.“

Bis eine der Bestohlenen die Abbuchungen bemerkte: „Im Mai 2018 hat eine der beiden bei uns Anzeige gegen Unbekannt erstattet“, erklärte der Sachbearbeiter des Falls, ein Beamter (56) der Polizei Miesbach. Über Firmen, bei denen die 24-Jährige wieder und wieder einkaufte, kam die Polizei schnell auf den Namen der 24-Jährigen –anhand der Lieferadressen.

Bei ihrer Vernehmung habe sie sich „sehr kooperativ und ehrlich“ präsentiert. „Sie hat uns auch gleich die beiden Geldkarten sowie etwas Ware gegeben“, fügte der Polizist hinzu. Schon damals erzählte sie von einem gewissen Suchtverhalten.

Die junge Frau hat eine Persönlichkeitsstörung

Dieses Suchtverhalten ist laut der Sachverständigen Verena Klein auf eine schwere Borderline-Störung zurückzuführen. Eine Persönlichkeitsstörung, die sich mitunter durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmungen charakterisiert. „Das beeinträchtigt ihre psychosoziale Leistungsfähigkeit, wenngleich ihre Intelligenz tendenziell überdurchschnittlich ist“, erklärte die Ärztin.

Die Staatsanwältin kam zu dem Schluss, dass die Angeklagte nicht schuldunfähig, aber zumindest vermindert schuldfähig sei. Allerdings stand die 24-Jährige unter offener Bewährung: Sie hat bereits fünf Vorstrafen. „Ein letztes Mal plädiere ich bei Ihnen noch auf Bewährung“, sagte die gutmütige Juristin. Sie forderte zehn Monate Haftstrafe auf Bewährung, dazu 200 Sozialstunden als Auflage. Der Anwalt der Angeklagten, Markus Fischer, bat um eine höchstens sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Ich habe den Eindruck, dass meine Mandantin bei ihren Taten sogar erwischt werden wollte.“

Diebstahl und Computerbetrug: Gericht verhängt Haftstrafe

Amtsrichter Walter Leitner verurteilte die 24-Jährige zu zehn Monaten Haft auf Bewährung, ohne Sozialstunden. Zusätzlich sollen 3994 Euro als Wertersatz eingezogen werden. „Wer in der Psychiatrie ist, der kann keinen Auftritt von den Chippendales besuchen“, stellte Leitner fest und resümierte: „Aber das waren halt die Impulse und die Kaufsucht.“ Auch der Richter warnte nochmals eindringlich, „dass es da eigentlich keine Bewährung mehr gibt“. Vor dem Gefängnis habe sie letztlich ihr Zutun zur Aufklärung gerettet.

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Philip Hamm

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