Bereit zum Einsatz: Anders als die verunglückten Bergleute war die Grubenwehr des Haushamer Bergwerks schon um 1920 mit Atemschutz ausgestattet.
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Bereit zum Einsatz: Anders als die verunglückten Bergleute war die Grubenwehr des Haushamer Bergwerks schon um 1920 mit Atemschutz ausgestattet.

Erinnerung soll lebendig bleiben

Grubenunglück 1921 in Hausham: Bergmannsvereine müssen Gedenkfeier verschieben

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Sieben Bergleute verloren 1921 beim großen Grubenunglück im Bergwerk Hausham ihr Leben. Die Bergmannsverein müssen ihre Gedenkfeier aber verschieben - wegen Corona.

Hausham – Es ist ein stilles und auch ein bisschen einsames Gedenken. Wegen der Corona-Beschränkungen ist es den Mitgliedern des Barbaravereins und des Interessenkreises Bergwerksmuseum Hausham aktuell nicht möglich, gemeinsam an die sieben verstorbenen Bergleute beim großen Grubenunglück vor 100 Jahren (wir berichteten) zu erinnern. Umso wichtiger ist es den Vorständen der beiden Vereine, dass die Schicksale Männer nicht in Vergessenheit geraten.

Seit Ende Mai 2014 hängen Gedenktafeln des Hundhamer Bildhauers Ludwig Schossig an der Pfarrkirche St. Anton. Wer sie aufmerksam betrachtet, kann sich zumindest ansatzweise vorstellen, wie gefährlich die Arbeit im Pechkohleabbau war. 246 Bergmänner verloren in der Haushamer Grube ihr Leben. Pro Jahr waren also zwei Tote zu beklagen. Das tragischste Ereignis war besagtes Unglück in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar, als ein Brand auf der 6. Sohle in der Bremskammer 6 Ost ausbrach. Bei den schwierigen Lösch- und Eindämmungsarbeiten starben sieben Männer durch die giftigen Gase.

Die drei Hauer Ludwig Zieglmeir, Josef Freundorfer und Johann Ponath sowie den Obersteiger Kurt Geßner fand man bereits am Morgen des 9. Januar. Die weiteren drei verstorbenen Bergleute, Hauer Michael Weidinger, Betriebsingenieur unter Tage Georg Demharter und Betriebsassistent Josef Wipler konnte man erst nach 54 Tagen bergen. Im Bergbaumuseum in Hausham ist ein Bild zu sehen, das die für die Beerdigung aufgebahrten Leichname zeigt. Die Ursache des Brands wurde nie abschließend geklärt. Man geht heute aber davon aus, dass die Bergleute für den Löscheinsatz keine ausreichende Schutzausrüstung dabei hatten.

Eine Tragik, die die dem Bergbau verpflichteten Vereinen noch heute nahe geht. Umso mehr schmerzt es sie, dass sie den 100. Jahrestag des Unglücks pandemiebedingt nicht angemessen begehen konnten. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Voraussichtlich im Herbst werden laut Fritz Wirth, Vorsitzender des Bergmanns-Traditionsvereins St. Barbara Hausham, und Wolfgang Grützner, Vorsitzender des Bergbaumuseumsvereins, die Mitglieder gemeinsam mit befreundeten Vereinen einen Gedenkgottesdienst und bergmännischen Aufzug veranstalten.

Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind begrüßt ausdrücklich dieses Engagement: „Ich bin sehr froh darüber, dass unsere Vereine die Geschichte des Bergwerks lebendig halten“, sagt Zangenfeind. Der harten Arbeit der früheren Generation und vor allem auch der Bergleute sei es zu verdanken, „dass es uns heute gut geht“. Die Bergleute hätten dabei hohe Risiken eingehen müssen. Viele hätten dadurch ihr Leben verloren. Zangenfeind verspricht: „Wir werden ihnen stets ein ehrendes Gedenken bewahren.“

sg

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