Für Aufsehen sorgte diese Fällaktion im Herbst 2020 auf einem Grundstück an der Schlierseer Straße in Hausham. Jetzt war der Baumschutz Thema im Gemeinderat.
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Für Aufsehen sorgte diese Fällaktion im Herbst 2020 auf einem Grundstück an der Schlierseer Straße in Hausham. Jetzt war der Baumschutz Thema im Gemeinderat.

Emotionale Diskussion

Grüne fordern Baumschutzverordnung in Hausham - Gemeinderat lehnt ab

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Den Erlass einer Baumschutzverordnung haben die Grünen im Haushamer Gemeinderat beantragt. Eine Mehrheit gab‘s dafür nicht - eine emotionale Diskussion umso mehr.

Hausham – Ein Spaziergang unter Bäumen hat für viele Menschen eine beruhigende Wirkung. Im Haushamer Gemeinderat hingegen sorgten die grünen Riesen für einiges an Emotionen – vor allem bei dem, der den Stamm ins Rollen gebracht hatte: Willi Halletz. Der hatte zusammen mit seiner Grünen-Fraktion den Erlass einer Baumschutzverordnung beantragt.

Seit längerer Zeit würden sich Beschwerden über Fällungen von Laub- und Nadelbäumen in Hausham häufen, berichtete Halletz. „Fällungen sollen nur in Frage kommen, wenn die Verkehrssicherungspflicht nicht aufrechterhalten werden kann oder wenn Gebäude Schaden nehmen könnten“, hieß es in dem Antrag. Nur so könne man ein grünes Ortsbild und die damit einhergehenden positiven Umwelteinflüsse langfristig sichern.

Einen gleichlautenden Antrag von Willi Eisenlöffel (FWG) habe der Gemeinderat bereits 2014 behandelt – und mit 1:20-Stimmen angelehnt, berichtete Geschäftsleiter Rudi Randler. Seitdem habe sich an der Sachlage nichts geändert. In den vergangenen 30 Jahren sei keine einzige Beschwerde über eine Baumfällung im Rathaus eingegangen. Eine Verordnung habe zudem einige Nachteile. Neben dem Kontrollaufwand müsse man auch den möglichen Eingriff in die Eigentumsrechte bedenken, so Randler. Tatsächlich hätten nur vier Gemeinden im Landkreis Miesbach eine Baumschutzverordnung: Miesbach, Bayrischzell, Otterfing und Rottach-Egern.

Halletz wies diese Argumentation zurück. Mehr noch: Er warf der Gemeinde eine „tendenziöse Formulierung“ in der Beschlussvorlage vor mit dem Ziel, die Gemeinderäte „unterschwellig“ zu einer Ablehnung zu bringen. „Es ist schade, dass mein Antrag so in eine falsche Richtung gelenkt wird“, schimpfte Halletz. Es habe sich seit 2014 sehr wohl etwas verändert in Hausham meinte der Grünen-Gemeinderat und erinnerte an die 893 Unterschriften für die vom Landschaftsschutzverein initiierte Liste für die Bäume an der Naturfreundestraße. Die Aussage, eine Schutzverordnung bringe mehr Verwaltungsaufwand, sei „an den Haaren herbeigezogen“. Ebenso der Eingriff in die Eigentumsrechte: „Ich fordere kein Verbot, sondern eine Anzeigepflicht mit Begründung“, machte Halletz klar.

„Dann hast du deine eigene Verordnung nicht gelesen“, konterte Hans Bramböck (FWG). Da stehe drin, dass man vor einer Baumfällung um Erlaubnis fragen müsse. Halletz hielt dagegen: Er habe lediglich einen Entwurf „zur Anlehnung“ angehängt.

Hubert Lacrouts (CSU) hielt trotzdem nichts von einer Verordnung. Niemand schneide einen Baum „aus Jux und Tollerei“ um. Es sei unfair, Hausbesitzer an den Pranger zu stellen, nur weil sie ein bisschen weniger Schatten im Garten wollen. Bei Baugenehmigungen würden die Bauherren ohnehin zu Nachpflanzungen oder einer Begrünung ihrer Grundstücke angehalten.

Georg Eham setzte derweil auf die Gesprächsbereitschaft. Wer wissen wolle, warum ein Baum gefällt werde, könne ja beim Grundstückseigentümer nachfragen. „Bei uns im Ort redet man miteinander“, sagte Eham. Dass man die Bürger nicht zu Bittstellern machen dürfe, fand Thomas Danzer (SPD). Besser wäre es, sich im Gemeinderat über eine weitere Begrünung von öffentlichen Flächen Gedanken zu machen.

Da ging auch Halletz’ Fraktionskollegin Harda von Poser mit. Das Bewusstsein für Natur- und Artenschutz sei in den vergangenen Jahren angewachsen bei den Menschen. Dem sollte man in der Ortsentwicklung Rechnung tragen. Tatsächlich würden Bürger sogar aktiv nach einer Beratung fragen, berichtete Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG). „Das läuft alles vernünftig und friedlich bei uns ab.“ Eine Verordnung brauche es nicht. „Jeder von uns hier im Gremium hat auch so ein Verantwortungsbewusstsein für die Natur.“ Halletz’ Ankündigung eines Bürgerbegehrens stieß am Ratstisch eher sauer auf. Josef Schaftari (CSU) bezeichnete sie gar als „Drohung“.

Am Ende stimmten nur die drei Grünen-Gemeinderäte für den Erlass einer Baumschutzverordnung. Geschäftsleiter Randler wehrte sich gegen Halletz’ Vorwurf einer tendenziösen Formulierung. Eigentlich, so Randler, hätte der Antrag nach seiner Ablehnung 2014 gar nicht erneut behandelt werden dürfen. „Laut Gemeindeordnung braucht es dafür einen neuen Sachverhalt.“ Deshalb habe er auf die jüngsten Entwicklungen eingehen müssen.

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