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Stein des Anstoßes: Eine Visualisierung zeigt, wie das Neubaugebiet in Hausham-Abwinkl aussehen könnte. Mittig ist die Wohnbebauung zu sehen, rechts die Gebäude des neuen Haus Bambi der Lebenshilfe.

Gegner warnen vor „unbezahlbaren Flächen“

Nach Spekulationen: Bürgermeister nennt Preise für Neubaugrundstücke

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Können sich nur betuchte Haushamer ein Haus im Neubaugebiet Abwinkl bauen? Diese Sorge äußert der Landschaftsschutzverein. Der Bürgermeister widerspricht.

Hausham– Ohne belastbare Zahlen in der Hand wollte sich Bürgermeister Jens Zangenfeind bislang nicht zu den Spekulationen über Grundstückspreise im geplanten Neubaugebiet in Hausham-Abwinkl äußern. Die Beträge, die derzeit vom Landschaftsschutzverein im Zuge der Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren verbreitet werden, wollte der Rathauschef aber doch nicht unkommentiert lassen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung nutzte er, gemeinsam mit Architekt Herbert Wagenpfeil und Lebenshilfe-Geschäftsführerin Inga Kockerols. die Gelegenheit, um die Diskussion nochmals mit Fakten aus den derzeitigen Planungen zu untermauern.

Wie berichtet, warnt der Landschaftsschutzverein auf seinem Flyer vor „unbezahlbarem Wohnraum“ und nennt dabei Preise von „rund 800 000 Euro für Haus und Grund“. In einem Leserbrief in unserer Zeitung wurde ein Vereinsvertreter noch konkreter: Zwischen 400 000 und 450 000 Euro werde eine Parzelle kosten. Zangenfeind widersprach: „Nach derzeitigem Planungsstand gehen wir davon aus, dass sich die Gesamtgrundstückskosten in einer Größenordnung von 130 000  bis 180 000 Euro belaufen werden.“ Pro Quadratmeter wären dies 350 bis 450 Euro – inklusive Erschließungsaufwand.

Nach Spekulationen: Bürgermeister nennt Preise für Neubaugrundstücke

Letzterer sei vor allem von der Ableitung des Oberflächenwassers abhängig. Noch sei nicht geklärt, ob es ein Pumpwerk brauche oder nicht. Fest steht dafür, dass die vom Landschaftsschutzverein genannte „teilweise Verrohrung“ nicht erfolgen werde, betonte Zangenfeind. Lediglich im Rahmen des erforderlichen Brückenbauwerks sei ein Durchlass erforderlich. Aus dem Umweltbericht des beauftragten Fachbüros zitierte der Rathauschef, „dass die für Arten und Lebensräume wertvolleren Bereiche weitgehend erhalten und gestärkt werden“. Das Landesamt für Umwelt habe festgestellt, dass der Hangrutschgefahr „durch einen Abstand der geplanten Bebauung von fünf Metern zum Fuß der bekannten Rutschmasse Rechnung getragen wurde“. Die Entwässerungssituation werde sich gegenüber dem jetzigen Zustand durch die Bebauung samt Einleitung in einen Regenwasserkanal sogar verbessern, berichtete der Bürgermeister aus dem Schreiben eines Ingenieurbüros.

Lesen Sie auch: Neubaugebiet am Huberspitz: Planungen ziehen sich hin

Auch den vom Landschaftsschutzverein befürchteten „Stauwahnsinn“ konnte Zangenfeind so nicht in den Zahlen erkennen. So hätten zwei Fachbüros eine Mehrbelastung von 410 Verkehrsbewegungen in 24 Stunden prognostiziert. Selbst wenn sich diese auf zwölf Stunden konzentrieren würden, ergebe sich ein Zuwachs von 30 Kfz pro Stunde. Die Engstelle in der Naturfreundestraße könne man beispielsweise durch die Ausweisung eines Halteverbots beseitigen. Die Entfernung der Bäume bei der Kirche sei aber weiterhin nicht geplant.

Zangenfeind betonte einmal mehr, dass die Grundstücksgrößen noch nicht festgelegt seien. Aktuell gehe man von 44 Wohneinheiten aus. Einerseits sollten sich die Nachbarn nicht „gegenseitig in die Suppe schauen können“, andererseits sollten aber auch die Preise für die Flächen nicht zu hoch werden. Eines stellte Zangenfeind nochmals klar: „Die Gemeinde wird sich nicht bereichern und mit dem Projekt keinen Gewinn erzielen.“ Dies bestätigte Planer Wagenpfeil: „Mehr als die Gemeinde Hausham kann man für Einheimische nicht tun. Ein Bauträger würde ganz anders kalkulieren.“

Dies hätte dem Areal auch gedroht, wenn die Gemeinde es nicht gekauft hätte, ist Zangenfeind überzeugt. Jetzt aber habe man die Chance, Einheimischen die Möglichkeit zu geben, wie ihre Vorfahren in Hausham eine Existenz zu gründen. Und obendrein die Lebenshilfe, die seit zehn Jahren nach einem geeigneten Grundstück sucht, beim Bau einer neuen Heimat für Kinder mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Kockerols beteuerte, sie habe mit viele Gespräche mit Eigentümern geführt, auch mit den vom Landschaftsschutzverein genannten. Details dürfe sie dazu nicht berichten. Tatsache sei aber, „dass die Verwirklichung des Projekts an anderer Stelle nicht möglich ist“.

Es sei immer leichter, Ausreden zu finden, warum etwas nicht geht, schloss Zangenfeind. „Diesen Weg wollen wir aber nicht gehen.“

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