„Viele Ehrenamtliche haben die Schnauze voll.“

Asylhelfer entsetzt: Regierung stellt ihm einfach Flüchtlingsfamilie vor die Tür

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Plötzlich stand die Familie aus dem Kongo vor der Tür des Haushamer Asylhelfers - geschickt von der Regierung: Entsprechend sauer ist er auf die Behörden. 

Hausham – Auf einmal waren sie da. Zwei Eltern und vier Kinder aus dem Kongo allein in Hausham. Ohne Deutschkenntnisse und mit Ankunftsnachweisen, die nur noch zwei Tage gültig waren. „Das ist der absolute Wahnsinn“, sagt Gerhard Klante. „Um die hätte sich niemand gekümmert.“ Wäre da nicht der pensionierte Berufsschullehrer gewesen, der sich den Neuankömmlingen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in München angenommen hat. Zusammen mit Französisch sprechenden Bekannten nahm er die Familie in Empfang und half ihr, sich so gut wie möglich in der für sie völlig fremden Umgebung zurechtzufinden.

Als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer in Hausham ist es Klante gewohnt, dass im Bereich Asyl nicht immer alles glatt läuft. Er hat Verständnis für die Behörden und weiß, dass es für bestimmte Dinge viel Geduld braucht. Beschwert habe er sich nie, sagt Klante. Aber diesmal sei ihm der Kragen geplatzt. Was ihn ärgert, ist die „Hau-Ruck-Aktion“, mit der die Familie aus dem Kongo der Gemeinde zugewiesen wurde.

Gerhard Klante ist ehrenamtlicher Asylhelfer in der Gemeinde Hausham.

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Erst einen Tag vor ihrer Ankunft am 13. März sei er vom Landratsamt darüber informiert worden, erzählt Klante. „Da waren sie ja quasi schon unterwegs.“ Von der Regierung von Oberbayern, die den Zuweisungsbescheid erlassen hat, habe er bislang überhaupt nichts gehört. Als „himmelschreiend“ bezeichnet er das Vorgehen der Behörden, sich so auf das Ehrenamt zu verlassen. Er habe keinerlei Vorlauf gehabt, sich auf die neuen Flüchtlinge vorzubereiten. Immerhin habe das Landratsamt ihnen eine Wohnung an der Schlierachstraße zugewiesen. „Um alles andere musste ich mich kümmern“, sagt Klante.

Auch Flüchtlinge unterstützen sich gegenseitig bei der Integration. Zu zum Beispiel Umes. Er ist vor vielen Jahren vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. Inzwischen ist er angehender Herzchirurg. Jetzt hilft er auch Ismail sich zu integrieren. Denn der ist mit 17 Jahren aus Syrien hier her geflohen.

Seit besagtem 13. März ist Klante nun Tag für Tag damit beschäftigt, das „Puzzle“ Integration zusammenzusetzen. So organisierte er kurzerhand einen Kindergartenplatz für die beiden jüngeren Kinder, die älteren gehen in die Mittelschule. Große Probleme bereiten die fehlenden Dokumente der Kongolesen. Ihre Ankunftsnachweise seien am 15. März abgelaufen – nur zwei Tage nach ihrem Einzug in die Haushamer Wohnung. Dafür hätten sie ein Schreiben erhalten mit der Aufforderung, sich bei der Erstaufnahmeeinrichtung in München zu melden. „Ich blicke da nicht durch“, schimpft Klante.

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Für Aufklärung sorgt der Pressesprecher des Landratsamtes, Birger Nemitz. „Die Familie hat noch keinen Asylantrag gestellt“, sagt Nemitz. Deshalb könne die Ausländerbehörde am Landratsamt die Ankunftsnachweise weder verlängern noch neu ausstellen. Also habe man die Familie wieder an die Erstaufnahmeeinrichtung verwiesen. Warum die Kongolesen so unvermittelt nach Hausham umziehen mussten, ist Nemitz nicht bekannt. Fakt sei, dass das Landratsamt die Wohnung an der Schlierachstraße der Regierung als „frei“ gemeldet habe. Daraufhin sei am 7. März der Zuweisungsbescheid ergangen. Nach Deutschland eingereist seien die Kongolesen übrigens bereits am 8. Februar.

Bei der Regierung von Oberbayern kennt man auch die Vorgeschichte. So sei es üblich, dass Asylbewerber nur bis zum Abschluss der Gesundheitsuntersuchung – und damit wenige Tage – in der „Kurzaufnahme“ in München bleiben würden. Danach würden sie in eine der Dependancen verlegt. Im Fall der kongolesischen Familie sei dies der ehemalige Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck gewesen. Für die Anschlussunterbringung habe man sich dann in Abspreche mit dem Landratsamt Miesbach für eine dezentrale Lösung in Hausham entschieden.

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Warum die Ankunftsnachweise der Familie nur mit einer Gültigkeit von einem Monat ausgestellt wurden, kann sich die Behörde nicht erklären. Man habe aber dem Vater angeboten, in dieser Woche bei der Regierung vorzusprechen, um eine Verlängerung auf sechs Monate zu erwirken. Grundsätzlich verfolge man stets das Ziel, die Zuweisungen den Landratsämtern möglichst zeitnah mitzuteilen. Wenn ein stärkerer Zugang an Asylbewerbern zu verzeichnen sei – so geschehen im Februar 2018 – „ist es leider nicht immer zu vermeiden, dass die Vorlaufzeit relativ kurz ausfällt“, räumt Pressesprecherin Gabriela große Holthaus ein.

Was das in der Praxis bedeutet, musste Klante nun am eigenen Leib erfahren. Die Familie selbst gehe jedoch sehr gelassen mit ihrer schwierigen Situation um, berichtet der Helfer. „Sie beschweren sich überhaupt nicht und sind für alles total dankbar.“ Bei den Ehrenamtlichen würde die Motivation durch solche Aktionen hingegen immer weiter sinken, meint Klante: „Viele haben die Schnauze voll.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / Boris Roessle / Boris Roessler

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