Maria Grobbel mit der Speisekarte ihres Restaurants „Marys Esszimmer“.
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Was Maria Grobbel am meisten entsetzt: Jemand hat sie bei der Landesanstalt für Landwirtschaft angeschwärzt, ohne vorher mit ihr das Gespräch zu suchen.

Entsetzen über „Denunziantentum“

Weil sie in Speisekarte für „Bio-Fleisch“ wirbt: Wirtin bei Behörde angeschwärzt - das hat nun Folgen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Eine Gastronomin aus Hausham verwendet Fleisch der Initiative „Biokalb Oberland“. Dafür wirbt sie auch in ihrer Speisekarte. Nun wurde sie dafür bei der Behörde angeschwärzt - mit Folgen. 

  • Maria Grobbel vom Bistro „Mary‘s Esszimmer“ wirbt für das „Bio-Fleisch“ in ihren Gerichten.
  • Jetzt hat die Gastronomin einen Brief von der Landesanstalt für Landwirtschaft bekommen.
  • Grobbel ist entsetzt über das „Denunziantentum“, das ihr den Ärger eingebrockt hat.

Hausham – Der „Wirtshaus Franz“ ist ein echter Renner in Mary’s Esszimmer. Und Maria Grobbel ist auch ziemlich stolz auf ihre Burger-Kreation. Vor allem, weil das Fleisch zu 100 Prozent aus dem Landkreis stammt, und zwar von den Landwirten der Initiative Biokalb Oberland.

„Das ist ein ganz toller Partner“, schwärmt Grobbel, die vor einem Jahr ihren Partyservice um ein neues Bistro mit Kochschule an der Oberen Tiefenbachstraße in Hausham erweitert hat. „Genau die Philosophie, für die ich brenne.“ Jetzt aber hat sich Grobbel ausgerechnet damit die Finger verbrannt – ohne überhaupt etwas davon zu ahnen.

Hausham: Gastronomin wirbt mit regionalem Fleisch - und wird von Bürger bei Behörde angeschwärzt

„Wir haben Post bekommen“, schreibt Grobbel in einem offenen Brief, den sie auch in den sozialen Netzwerken veröffentlicht hat. Das Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) habe ihr mitgeteilt, dass sie in ihrer Speisekarte für Bio-Fleisch geworben habe, obwohl ihr Unternehmen nicht am Öko-Kontrollsystem der LfL teilnehme. Deshalb sei es auch nicht erlaubt, das Wort „biologisch“ oder irgendeine Abkürzung davon in Werbemitteln, Speisekarten oder dergleichen zu verwenden.

Behörde prüft, ob Produkte aus Verkehr gezogen werden müssen

Die LfL prüfe wegen des Verstoßes gegen die Verordnung, ob die betroffenen Produkte aus dem Verkehr zu nehmen seien. Ob Grobbel ferner eine Ordnungswidrigkeit begangen habe, „wurde an dieser Stelle nicht geprüft“, heißt es in dem Schreiben der Landesanstalt.

Die Gastronomin betont, dass sich ihr Unmut nicht gegen die Regel oder die LfL richte. Vielmehr trifft sie, wie die LfL überhaupt vom unwissentlichen Verstoß erfahren hat: durch eine „Bürgermeldung“. Es sei traurig, dass sich manche Menschen heutzutage lieber direkt an eine Behörde wenden, als erst das persönliche Gespräch zu suchen. „Wenn uns jemand darauf aufmerksam gemacht hätte, hätten wir das natürlich sofort geändert.“

Gastronomin entsetzt über „Denunziantentum“ - offener Brief auf Facebook

Gerade in diesen für die Gastronomie ohnehin schweren Zeit mit unzähligen Auflagen und Hygienevorgaben lasse sie ein solches „Denunziantentum“ daran zweifeln, ob sich die Energie und Freude, die man in so einen Betrieb stecke, wirklich noch lohne.

Sie selbst stamme aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und habe obendrein Metzgereifachverkäuferin gelernt. „Ich kenne mich also durchaus ein bisserl aus“, sagt Grobbel. Ja sogar auf der Alm sei sie gewesen. „Wenn da jemand geschützte Trollblumen gepflückt hat, habe ich ihn angesprochen und nicht gleich Anzeige erstattet“, macht sie klar.

Initiative Biokalb Oberland schockiert - und fürchtet Probleme bei Vermarktung

Bei der Initiative Biokalb Oberland ist man ebenso schockiert über den Vorfall in Mary’s Esszimmer. „Wir sind selbst überrascht, das war uns so nicht klar“, sagt Landwirt und Mitinitiator Albert Stürzer. Nachvollziehbar sei die Regelung jedoch nicht. „Die Gäste wollen wissen, wo das Fleisch herkommt.“ Grobbel habe ihre Kunden daher in keiner Weise getäuscht oder irregeführt.

Der Verweis auf dessen biologische Erzeugung sei ein wichtiger Kaufanreiz für die Gastronomen. Wenn dieser wegfalle, erschwere das den Landwirten von „Biokalb Oberland“ die Vermarktung. Andererseits habe es keinen Sinn, wenn sich ein Gastronom dem Kontrollverfahren unterziehe. „Dann muss jede Zutat bis hin zum Gewürz biozertifiziert sein“, erklärt Stürzer.

Gastronomin lädt „Anschwärzer“ zu persönlichem Gespräch ein

Grobbel hat bereits auf das Schreiben der LfL reagiert und ihre Speisekarte angepasst. Künftig werde sie ihre Gerichte mit „Happy Fleisch, Oberland-Fleisch oder BOI (Biokalb Oberland inkludiert)“ bezeichnen. Ihre Gäste bittet sie, sich künftig selbst darüber zu informieren. Den „Anschwärzer“, der sie an die LfL gemeldet hat, lädt Grobbel zu einem persönlichen Gespräch ein. Dass es dazu kommt, bezweifelt die Gastronomin aber. „In dieser Zeit trauen sich die wenigsten, ihre Meinung offen zu äußern.“

(Von Sebastian Grauvogel)

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