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Wer haftet für die Kuh? Diese Frage muss jetzt das Gericht klären. 

Aus heiterem Himmel angegriffen

Kuh-Angriff auf Gindelalm: Wanderin will Schadensersatz

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Beim Wandern auf der Gindelalm wurde eine Schlierseerin (74) im Juli 2018 von einer Kuh umgestoßen. Unter den schmerzhaften Folgen leidet sie bis heute. Sie fordert Schadensersatz.

Hausham – Den Weg von der Gindelalm zur Neureuth kennt Maria K. gut. Regelmäßig wandert die 74-jährige Schlierseerin mit ihrem Lebensgefährten auf der grünen Aussichtsterrasse über Hausham. „Da kann man so schön abschalten“, sagt sie. Seit dem 2. Juli 2018 trägt K. aber ein mulmiges Gefühl im Rucksack mit sich herum. Denn an besagtem Tag wurde sie aus dem heiteren Himmel von einer Jungkuh umgestoßen und verletzt. Mit den schmerzhaften Folgen hat die 74-Jährige bis heute zu kämpfen. Deshalb fordert sie mit ihrem Rechtsanwalt Stefan Brandmaier aus Miesbach Schadensersatz von der Versicherung der Almbäuerin.

Frau wandert mit Gruppe: Plötzlich greift Kuh 74-Jährige an

Am frühen Nachmittag war K. mit ihrem Lebensgefährten in einer lockeren Gruppe von Wanderern auf dem ausgeschilderten Weg unterwegs. Ohne Hund, ohne Stöcke, ohne auffällige Kleidung, wie Brandmaier schildert. K. bemerkte, dass die Kühe auf der Weide nah am Pfad standen und ließ deshalb besondere Vorsicht beim Vorbeigehen walten. Doch das half ihr nichts. Plötzlich und laut Brandmaier „ohne erkennbaren Anlass“ stieß eine hornlose Jungkuh mit der Stirn heftig gegen die linke Körperseite der 74-Jährigen. Die wurde durch den Aufprall förmlich ausgehebelt und schlug mit dem rechten Oberarm und Oberschenkel auf den harten Boden auf.

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Als sie den ersten Schock überwunden hatte, kehrte K. mit ihrem Lebensgefährten zur Gindelalm zurück, um den Vorfall zu melden. Die Almbäuerin habe ihr beim Abputzen ihrer durch den Sturz verdreckten Kleidung geholfen und sich erkundigt, welche Kuh sie denn gestoßen habe. Auf K.s Beschreibung hin habe sie gesagt, das Tier habe bereits mehr Ärger gemacht und müsse jetzt weg. Für Rechtsanwalt Brandmaier ein entscheidender Satz, aus dem er die Schadensersatzansprüche in Höhe von mehr als 4000 Euro begründet.

Nach Kuh-Angriff auf Gindelalm: War das Tier schon einmal auffällig?

Der juristische Knackpunkt steht im Paragraf 833 Absatz 2 des BGB. Er besage, dass ein erwerbsmäßiger Tierhalter wie ein Landwirt nur für einen durch sein Haustier verursachten Schaden haftet, wenn er seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Das sei im vorliegenden Fall passiert, da die Kuh laut Aussage der Bäuerin schon einmal auffällig geworden sei.

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Auf Nachfrage unserer Zeitung betont die Almerin, dass sie damit ein anderes, behorntes Tier gemeint hat. Die habe sie auch bereits von der Wiese entfernt. Zum Vorfall selbst könne sie sich nicht äußern, da sie ihn nicht selbst beobachtet hat. Die Verletzung der Frau tue ihr leid, betont die Almbauerin. Ob die Schadensersatzansprüche gerechtfertigt seien, müsse letztlich die Versicherung beantworten. Die hat dies bereits getan. Mit einer klaren Antwort: nein. Die Almerin habe „alle notwendigen und möglichen Schutzvorkehrungen getroffen, um derartige Unfälle zu vermeiden“. Obendrein sei die beschriebene Kuh vorher noch nie auffällig geworden.

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Frau leidet nach Kuh-Angriff noch immer unter Schmerzen

Brandmaier und seine Mandantin wollen dies so nicht hinnehmen. Sie leide immer noch unter den Schmerzen an der linken Seite und im Oberarm, klagt die Schlierseerin. Die medizinischen Gründe hat ihr Arzt in einem Attest bestätigt. Eigentlich habe sie es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen wollen und deshalb auch nach dem Unfall keine Anzeige bei der Polizei erstattet. Durch den Schritt an die Öffentlichkeit hofft die 74-Jährige nun, dass sich Zeugen melden. Bedingt durch den Schock habe sie es nach dem Unfall leider versäumt, die anderen Wanderer nach ihren Kontaktdaten zu fragen.

Der Almbäuerin schaden wollen K. und ihr Rechtsanwalt nicht, betonen beide unisono. „Ich habe selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund in der Familie“, sagt Brandmaier. Seine Mandantin wünscht sich einfach nur eins: Dass sie wieder unbeschwert auf dem schönen Wanderweg an der Gindelalm spazieren kann.

2011 wurde die entlaufene Kuh Yvonne als „Kuh, die ein Reh sein will“ berühmt. Acht Jahre später ist sie auf Gut Aiderbichl in Deggendorf gestorben.

Zeugenhinweise

nimmt Rechtsanwalt Stefan Brandmaier unter 08025/992322 oder mail@RA-Brandmaier.de entgegen.

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