Bianca Steinbauer, Katharina Eham, Bethanien Sternenkinder, Hausham
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Hell und freundlich sind die neuen Räume der Beratungsstelle. Bianca Steinbauer (l.) und Katharina Eham sind froh, dass sich die Gruppen nach der Corona-bedingten Auszeit nun wieder treffen können. 

Erfolg für „Leser helfen Lesern“

Dank Spenden: Bethanien Sternenkinder eröffnet Beratungsstelle in Hausham

Die Bethanien Sternenkinder haben ein neues Domizil gefunden. Anfang Juli ist die Beratungsstelle ins Haus Berggeist in Hausham gezogen. Auch dank der Aktion „Leser helfen Lesern“.

Hausham – „Wir fühlen uns schon zuhause“, sagt Bianca Steinbauer, und ihr freudiges Lachen unterstreicht diese Worte. Zusammen mit Katharina Eham leitet Steinbauer die Einrichtung Bethanien Sternenkinder Miesbach-Otterfing, eine Beratungsstelle für Eltern und Familien, die ein Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben.

Der Grund für die Freude: Die Beratungsstelle hat ein neues Domizil gefunden. Anfang Juli sind Steinbauer und Eham mit der Beratungsstelle ins Haus Berggeist nach Hausham gezogen. Finanzielle Unterstützung für den Umzug bekamen die beiden durch die Aktion „Leser helfen Lesern“ des Miesbacher Merkur. Rund 20 000 Euro haben die Leser des Merkur gespendet. „Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung, das ist eine große Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Eham.

Die neuen Räume in der Miesbacher Straße sind groß, sie wirken offen, hell und freundlich. Hier und da sieht man, dass der Umbau noch nicht ganz abgeschlossen ist: Auf dem Fensterbrett liegt eine Bohrmaschine, und an einer Wand lehnt eine ausgehängte Tür. Doch das trägt zum Charme des Neuanfangs bei.

Sie wollen die Räume bewusst langsam einrichten, sagt Steinbauer. Die Beratungsstelle solle mit viel Liebe zum Detail entstehen. So planen Steinbauer und Eham etwa ein Kunstprojekt mit den Familien, die bei den Sternenkindern Begleitung suchen. Mit dem Ergebnissen wollen sie die Räume ausstatten.

Auch einige etwas ungewöhnliche Merkmale des neuen Domizils sollen in das Beratungskonzept integriert werden. „Das Haus ist über 100 Jahre alt. Es gibt hier sogar zwei eingebaute Tresore“, erzählt Steinbauer. „Die verwenden wir in unseren Gruppen als Sinnbild dafür, dass wir dort alles reinpacken können, was uns belastet.“

Das Angebot von Bethanien Sternenkinder umfasst begleitete Gruppen, in denen sich betroffene Frauen einmal im Monat treffen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. „Stärkende Gruppen“ nennt Steinbauer sie, denn dort steht der Austausch und das „Zeithaben für die verstorbenen Kinder“ im Vordergrund. In Einzelsitzungen kann zudem aufgearbeitet werden, was in der Gruppe war, erläutert Steinbauer. Im großen Begegnungsraum, in dem sich die Gruppen treffen, liegen beschriftete Papierblätter, auf einem Tisch stehen Kerzen. Für jede Familie gibt es ein Herz aus Papier mit den Namen der Familienmitglieder.

Steinbauer und Eham zeigen sich froh, dass die Gruppen sich wieder treffen können. „Während der Ausgangsbeschränkungen herrschte absoluter Stillstand“, erzählt Steinbauer. Die Behörden hätten nicht gewusst, wie die Sternenkinderberatung einzuordnen sei, daher gab es keine Erlaubnis für die Durchführung der Gruppen. Dennoch begleiteten Steinbauer und Eham die Familien über unterschiedlichste Kanäle. „Es gab viel Telefongespräche, und über die sozialen Medien haben wir den Frauen Fotos geschickt“, so Steinbauer. Jetzt, da die Corona-bedingten Beschränkungen langsam gelockert werden, nimmt auch die Beratungsstelle ihre Arbeit wieder auf (siehe Kasten). Und auch wenn die Geschichten der Familien, die ihr Kind verloren haben, von Trauer und Schmerz zeugen: In den neuen Räumlichkeiten in Hausham haben sie einen offenen und sicheren Ort gefunden. Ein Zuhause, wie auch Steinbauer findet.

Von Andreas Wolkenstein

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