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Sie hoffen auf einen neuen Investor: Die Mitarbeiter der Firma Rotaform in Hausham.

Rotaform

Motivierte Firma sucht fairen Investor

Hausham - „Kompetente, motivierte Belegschaft sucht ehrlichen Investor, um nach Sanierungsphase Gewinne einzufahren.“ So oder ähnlich könnte die Kontaktanzeige der Haushamer Firma Rotaform lauten. Die 48 Mitarbeiter hoffen auf einen soliden Geldgeber, der die Firma auf Kurs bringt.

Konrad Paukner hat in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Dazu gehören dreieinhalb Insolvenzen in ein und derselben Firma. 1984 fing er bei Rotaform an. „Das war im Jahr nach der ersten Insolvenz“, erklärt der 50-Jährige, der heute als IT-Teamleiter beim Haushamer Direkt-Mailing-Dienstleister arbeitet. Drei weitere Insolvenzen folgten in den Jahren 2005, 2009 und 2013. „Die erste war schlimm“, sagt Paukner rückblickend. Eines verbinde aber alle vier Insolvenzen. „Die Ursachen lagen regelmäßig im Management“, betont er.

Die unternehmerischen Fehler musste die Belegschaft ausbaden. Damit die Datacolor aus Lüneburg im Januar 2010 Rotaform übernahm und vor dem endgültigen Aus bewahrte, mussten die Mitarbeiter nicht nur auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten, sondern auch auf 4,8 Prozent von ihrem Lohn. „Wir haben das gemacht, damit es wenigstens weitergeht“, sagt Betriebsratsvorsitzender Israr Shah (47), der seit über 20 Jahren bei Rotaform beschäftigt ist und heute in der Schlussproduktion arbeitet. Im Gegenzug hatten die Verhandlungsführer aus dem hohen Norden versprochen, dass in neue Maschinen investiert werde. „Faktisch haben wir seit dem Jahr 2000 keine tarifliche Lohnerhöhung“, stellt Paukner fest. Die Erneuerung des Maschinenparks blieb dennoch aus.

Vor allem von Datacolor, die zur gewinnorientierten Nord-Holding Beteiligungsgesellschaft in Hannover gehört, ist die Belegschaft enttäuscht. Statt als eigenständiger Betrieb gestärkt zu werden, wurde Rotaform zunehmend zum unselbstständigen Handlanger degradiert. Vor eineinhalb Jahren zog die Muttergesellschaft den Außendienst, der Aufträge akquiriert, ab zur Zentrale nach Niedersachsen. Damit konnte der Betrieb in Hausham selbst keine Aufträge mehr an Land ziehen und musste nehmen, was die Muttergesellschaft abgab.

Mit der Insolvenz schöpfen die Rotaform-Mitarbeiter endlich wieder Hoffnung. Die Spezial-Druckstraße wandert nicht nach Lüneburg, sondern bleibt in Hausham – der Betrieb soll eigenständig weitermachen, sagt Insolvenzverwalter Jörn Weitzmann. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch, wie die Mitarbeiter zugeben. In den vergangenen schweren Wochen habe sich niemand von der Gemeinde – weder Bürgermeister Hugo Schreiber noch Gemeinderatsmitglieder – um sie gekümmert. „Keiner hat vorbeigeschaut und gefragt, ob man uns helfen kann“, sagt einer.

Nun gilt es, den richtigen Investor zu finden. „Dreimal sind nur Pflaster draufgeklebt worden“, sagt Christian Großhauser (55), seit 1980 im Betrieb und in der Druckvorstufe beschäftigt. „Wir brauchen jetzt jemanden, der es ehrlich meint und richtig investiert.“ Das Team sei hochmotiviert. Und die Kunden halten ihnen die Treue – trotz Insolvenz.

Dieter Dorby

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