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Blick auf einen der Höfe im Freilichtmuseum in Fischhausen. Das Archivfoto zeigt eine Führung im Museumsdorf.

Nach Firmenfeier im Wasmeier-Museum Ex-Freundin verprügelt

29-jähriger Haushamer muss ins Gefängnis

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Mehrere Tage lang musste sich ein Mitarbeiter (29) von Skistar Markus Wasmeier wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Das Ergebnis: dreieinhalb Jahre Haft.

+++ Update vom 21. Mai +++

Am Ende entkam der 29-Jährige noch einmal einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Denn er hatte nach rund zehn Sekunden von selbst aufgehört, die junge Frau zu würgen. Gerade noch rechtzeitig. Juristisch spricht man von einem „Rücktritt vom Versuch“. Glück für den Haushamer: Das Landgericht verurteilte ihn schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu dreieinhalb Jahren Haft. Außerdem hat es ihn in die Entzugsklinik eingewiesen, wo er seine Alkoholsucht therapieren muss.

Das Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Bott wertete die massive Gewalt zu Lasten des Angeklagten. Zu seinen Gunsten sprach ein Täter-Opfer-Ausgleich, den er mit seiner Ex-Freundin geschlossen hat. Demnach zahlt er ihr 3000 Euro Schmerzensgeld. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

+++ Der ursprüngliche Artikel +++

Hausham/München – Firmenfeste sind oft ein gefährliches Pflaster für Mitarbeiter. Schnell bekommt der ein oder andere ein Glas Freibier zu viel. So geschah es auch im Juli 2019 im Museumsdorf von Markus Wasmeier in Fischhausen. Aus Fürsorge fuhr seine Frau Brigitte in der Nacht auch drei Mitarbeiter heim, darunter einen Beikoch (29) aus Hausham. Er soll anschließend seine Ex-Freundin brutal misshandelt haben. Seit Freitag steht er wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

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Hausham: Nach Firmenfeier im Wasmeier-Museum Ex-Freundin verprügelt

Wasmeiers Frau Brigitte musste am zweiten Prozesstag als Zeugin aussagen. Der Vorsitzende Richter Thomas Bott wollte alles Mögliche über die Umstände während des Festes und auf der Heimfahrt wissen. Doch die 53-Jährige hatte eigentlich und hätte auch am liebsten gar nichts bemerkt. Der Angeklagte arbeitete seit Mai 2018 im Museumsdorf. Er wurde als „Läufer“ eingesetzt, half in der Küche und beim Kellnern. Als das Fest gegen Mitternacht zu Ende ging, hatte sich die Chefin entschieden, drei Angestellte heimzufahren. „Gab es einen besonderen Grund?“, erkundigte sich der Richter. „Ich hätte keinen von denen alleine heimfahren lassen“, erwiderte die 53-Jährige. Offenbar hatten alle etwas zu viel erwischt. Also habe sie „die Burschen gepackt und ab ins Auto.“

Dem 29-Jährigen sei das sehr peinlich gewesen. Auf der sechs Kilometer langen Fahrt sei über die Arbeit geredet und die Kollegialität angesprochen worden. Der Beikoch hatte vom Team geschwärmt. „Er schien angekommen zu sein“, erinnerte sich Brigitte Wasmeier. Sie hatte sich nur über eine Äußerung gewundert. Als sie ankamen, bemerkte er so etwas ähnliches wie: „Bin ich froh, dass das Licht nicht brennt.“ Ihm sei eine richtige Erleichterung anzumerken gewesen, erinnerte sie sich. Und dass sie sich noch gefragt habe, warum das so sei. Dass sich das Paar getrennt hatte, kam nicht zur Sprache.

Dass ihr Angestellter stets knapp bei Kasse war, hatte sie schon gewusst, von Problemen in der Beziehung erfuhr sie erst später durch Mitarbeiterinnen. Demnach hatte sich die junge Frau von ihm getrennt. Weil sie ihm noch Geld schuldete, wollte er bis zur Bezahlung nicht ausziehen. Dass er sich auf der Firmenfeier unangemessen verhalten hatte, dass er praktisch jeden blöd angeredet und sexuelle Anspielungen gegenüber einer blonden Bedienung hatte fallen lassen, hatte Brigitte Wasmeier nicht mitbekommen.

Als der Mann heimkam, soll er seine Ex-Freundin aufs Übelste zugerichtet haben. Laut Anklage würgte er sie, schlug sie, fügte ihr eine Verbrennung zu, drohte ihr, sie umzubringen. Blutüberströmt flüchtete sie sich mitsamt ihrer Tochter (5) zu einer Nachbarin. Der Verteidiger des 29-Jährigen zweifelte am Freitag die Aussage des Opfers vor Gericht an. Sie stehe im Widerspruch zu den Aussagen bei der Polizei. Es gebe Ungereimtheiten, das geschilderte Kerngeschehen sei unglaubhaft. Die vernommene Nachbarin, die das Drama hinter verschlossenen Türen zumindest mitgehört hatte, bestätigte, dass ihrer Freundin Schreckliches widerfahren war. Der Prozess dauert an.

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