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Ehrgeiziges Musikprojekt: Bernadette Schlichting unterrichtet ab September an der Orgel. Getragen wird das Angebot von den beiden Musikschulen mit ihren Leitern (v.r.) Heiner Oberhorner und Erich Kogler.

Zielgruppe: fähige, erwachsene Klavierschüler

Hausham: Orgelschüler gesucht - Einmaliges Angebot in Oberbayern 

Das ist zumindest in Oberbayern einmalig: An den beiden staatlich anerkannten Musikschulen im Landkreis werden ab September Musiker an der Orgel ausgebildet.

Hausham/LandkreisBernadetta Schlichting, die als Konzertorganistin vor allem unter ihrem Mädchennamen Šuňavská auftritt, vielfach ausgezeichnet ist und international mit Orchestern spielt, unterrichtet seit vielen Jahren – bislang aber vor allem am Klavier; Organisten begleitete Schlichting bislang ausschließlich als Studenten an Hochschulen. Denn Orgelunterricht auf breiter Ebene, den gibt es nicht. Keine einzige Musikschule in Oberbayern hat das Fach im Repertoire. Bislang.

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Hausham: Orgelschüler gesucht - Einmaliges Angebot in Oberbayern 

Das hat durchaus Auswirkungen. „Es gibt eine große Nachfrage, aber zu wenige Organisten“, sagt Heiner Oberhorner, Leiter der Musikschule Schlierach-Leitzachtal. Die aus der Slowakei stammende Musikerin, die in Miesbach lebt, macht das fassungslos, dass das Fach hierzulande so stiefmütterlich behandelt wird – schließlich wird die deutsche Orgelkultur in aller Welt geschätzt: „Die Orgeltradition ist hier einzigartig“, betont Schlichting. Das ist auch der Grund, weshalb Schlichting selbst hier landete. Sie hatte zunächst in Bratislava studiert, dann in Freiburg und Stuttgart: „Wer die Orgel wirklich verstehen will, muss sich damit in Deutschland befassen.“ Und diese Kultur gelte es zu bewahren, damit sie nicht verloren geht. Doch dafür braucht es Nachwuchs, der den Schritt vom Klavier an die Orgel nicht nur wagt, sondern auch professionell begleitet gehen kann. Schlichting will ihre Orgelschüler fit machen für die Aufnahmeprüfung zum Studium. Das braucht es auch für Kirchenmusik im Allgemeinen: „Wer Kirchenmusik studieren will, muss Orgel spielen können“, erklärt die Konzertorganistin.

Die Kirchenmusik freilich ist „nur“ ein Aspekt der Orgelmusik, wenn auch ein sehr entscheidender und präsenter, gerade auch in der Region. „Hier steht in fast jeder Kirche ein sehr gutes Instrument“, erklärt Schlichting. Zum Beispiel die Mathis-Orgel in St. Sixtus in Schliersee, an der Schlichting am Mittwoch, 14. August, ein Konzert geben wird. Oder eben auch die Koulen-Orgel in St. Anton in Hausham.

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Orgelschule in Hausham: Ab September können sich interessierte anmelden

An dieser können die künftigen Orgelschüler der beiden Musikschulen ab kommendem Schuljahr üben – dank Pfarrer Michael Mannhardt, der zugesichert hat, dass hier Unterricht stattfinden kann. Auf lange Sicht, meint Oberhorner, wäre eine eigene Orgel für den Unterricht gut, wenn der sich etabliert hat. „Für die Unterrichtssituation wäre eine eigene Orgel halt praktisch“, erklärt Erich Kogler, Leiter der Musikschule Tegernseer Tal: „Wenn da jemand am Freitagnachmittag in der Kirche in Stille beten will, und dann übt da einer an der Orgel die Tonleiter, die er noch nicht kann – das ist nicht ganz ideal.“ Den Platz in der benachbarten Musikschule in der Haushamer Naturfreundestraße gäbe es. Doch die Königin der Instrumente ist nicht billig. Und das Fach Orgel an den einzigen beiden staatlich anerkannten Musikschulen im Landkreis steht ja auch erst ganz am Anfang.

Zum kommenden Musikschuljahr ab September können sich Interessierte bereits bei den Musikschulen in Rottach-Egern und Hausham anmelden. Oberhorner hat bereits zwei Anmeldungen, Kogler einige ernste Interessenten. Die „Zielgruppe“ des neuen Fachs sind natürlich sehr fähige, vorwiegend erwachsene Klavierschüler, die die nötigen Grundfertigkeiten beherrschen, um an der Königin der Instrumente nicht nur ein Manual und Pedale, sondern mehrere und die Register in den Griff bekommen zu können.

Schlichting freut sich jedenfalls auf die Aufgabe und darauf, zur Zukunft der Orgelkultur in Deutschland beizutragen: „Bei dieser Orgellandschaft hier will ich versuchen, Leben reinzubringen.“

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von Katrin Hager

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