Fred Walakira, Café Winklstüberl
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Überglücklich mit seinem neuen Leben: Fred Walakira bei seiner Arbeit im Café Winklstüberl in Fischbachau.

Jetzt arbeitet er im Café Winklstüberl

Fred Walakira (46) hätte Minister in Uganda werden können - doch er floh nach Hausham

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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In Uganda hätte er Minister werden können. Doch Fred Walakira (46) floh nach Europa. Jetzt lebt der Landwirtschaftsexperte in Hausham und arbeitet im Café Winklstüberl. 

Hausham/Fischbachau – Hätte Fred Walakira seine Werte außer Acht gelassen, wäre er heute ein mächtiger Mann in Uganda. „Die Regierung hat mir sogar einen Ministerposten angeboten“, erzählt der 46-Jährige. Doch der moralische Preis für die scheinbar glänzende Laufbahn wäre hoch gewesen. Walakira hätte seinen Ruf als renommierter landwirtschaftlicher Berater dazu nutzen sollen, Biobauern zum Einsatz des Insektizids DDT zu bewegen und obendrein durch Bestechungsgelder das Wahlergebnis in Uganda zu beeinflussen. Walakira sagte Nein – und besiegelte damit sein Schicksal.

Weil ihn die Regierung so sehr unter Druck setzte, floh er nach Europa. Nach seiner Einreise am Frankfurter Flughafen im Februar 2018 kam Walakira zuerst ins Flüchtlingslager Fürstenfeldbruck. Im Mai 2019 wurde er dann in die Asylunterkunft in Fischbachau verlegt. Am 27. Juni 2019 konnte der Familienvater endlich aufatmen: Sein Asylantrag wurde anerkannt. Seit Mai dieses Jahres lebt Walakira nun in seiner eigenen Wohnung in Hausham, arbeitet als Geschirrspüler und Hausmeister im Café Winklstüberl in Fischbachau im Service – und ist überglücklich.

„Das Leben hier ist wunderbar“, schwärmt Walakira. Weil er den Menschen im Landkreis, die ihn bei seinem Neuanfang unterstützt haben, danken und seinen Landsleuten in Uganda Mut machen möchte, hat sich der Neu-Haushamer entschieden, seine Geschichte öffentlich zu machen.

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Die klingt im ersten Teil wie eine Bilderbuchkarriere. Walakira nutzte das Privileg seines Hochschulstudiums und schloss dieses mit dem „Bachelor of science in organic agriculture“ ab. Mit dieser Ausbildung im Rücken arbeitete er unter anderem für die Zertifizierungsstelle Ceres. In ganz Uganda beriet er Biobauern beim ökologischen Anbau von Kakao, Kaffee, Vanille, Moringa (Meerrettichbaum) sowie Trockenfrüchten (Ananas, Passionsfrucht, Papaya,...). Auch bei der Vermarktung ihrer Erzeugnisse griff Walakira den Landwirten unter die Arme. Er knüpfte Kontakte zu Großhändlern, an die die Bauern ihre Produkte direkt und ohne Umweg über Mittelsmänner verkaufen konnten. „Damit haben sie mehr Einkommen erhalten“, erklärt Walakira.

Doch dann kam die Regierung auf die Idee, den aufstrebenden Berater für ihre eigenen, parteipolitischen Zwecke zu instrumentalisieren. Als sich Walakira dem Machtapparat entziehen wollte, gab es keine Zukunft mehr für ihn in Uganda. Wie viele andere Afrikaner auch war er gezwungen, sein Heimatland wegen politischer Gründe zu verlassen.

Bereut habe er diese Entscheidung nie, betont der Haushamer. „Ich bin froh, dass ich mich undemokratischen Praktiken und korruptem Handeln verweigert habe.“ Der deutschen Regierung, der Caritas und dem Landratsamt Miesbach danke er „aufrichtig“ für das gewährte Asyl. Nach zahlreichen Interviews und langem Warten habe er endlich eine neue Perspektive bekommen. Sobald es die Corona-Situation zulässt, werde er mit Unterstützung des Roten Kreuzes auch seine vier Kinder aus Uganda nach Hausham holen.

Dass sein Glück nicht allen Flüchtlingen zuteil wird, ist Walakira bewusst. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen „Black lives matter“-Bewegung bitte er die Bürger des Landkreises, auch anderen Menschen aus aller Welt gegenüber „barmherzige Samariter“ zu sein. „Egal ob schwarz oder weiß“, sagt Walakira, „wir sind alle Menschen.“

Christen in Hausham planen Uganda-Hilfe

Dankbar ist Fred Walakira auch den Christen in Hausham. Über die Gruppe von Andreas Kowalzik habe er schnell Freunde in seiner neuen Heimat gefunden. Doch auch umgekehrt sind Kontakte entstanden, berichtet Kowalzik. „Durch Fred haben wir Pastor Geofrey Kyohumendo in Uganda kennengelernt.“ Dieser leiste mit seiner Stiftung „CANA“ wertvolle Hilfe für die Menschen im Distrikt Bundibugyu. Dort habe erst kürzlich ein Starkregenereignis eine Schlammlawine ausgelöst, die vielen Einwohnern das Leben gekostet habe, erklärt Kowalzik. Auch in seiner Kirche habe der Pastor fünf Tote beklagen müssen. Erschwerend hinzu komme das permanente Aids-Problem, das Kinder zu Waisen mache, und aktuell auch noch die massiven Einschränkungen durch das Coronavirus, das zu Arbeitslosigkeit, Prostitution von Mädchen, Unterrichtsausfällen, Kinderarbeit, großer Armut und Hunger geführt habe. 

Die Christen in Hausham möchten deshalb einen Spendenaufruf für Pastor Kyohumendo und seine Stiftung starten. Mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln solle die schlimmste Not von etwa 200 Familien gelindert werden, so Kowalzik. Die Hilfsgüter würde Kyohumendo mit anderen Pastoren an Arme, Waise, Witwen und Kranke verteilen. 

Die Daten des Spendenkontos lauten wie folgt: EFG Bruckmühl – Christen in Hausham, IBAN: DE67701695980000819387, Verwendungszweck: Hilfe für Uganda. Weil das Stiftungszertifikat erst noch übersetzt und nach deutschem Steuerrecht anerkannt werden muss, können vorerst keine Spendennachweise ausgestellt werden. Wie berichtet, soll das Geld rund 200 Haushalten, die von einer Flutkatastrophe und durch den Corona-Lockdown massiv betroffen sind, zugute kommen.

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