“Schlagen wir uns wie echte Männer“

Wegen angeblich geklautem Fahrrad: Mann zieht Messer - und dreht dann völlig durch

Ein angeblich geklautes Fahrrad löste einen heftigen Streit zwischen zwei Nigerianern aus, die in der Haushamer Flüchtlingsunterkunft leben. Einer von ihnen wurde dabei verletzt.

Hausham – Blutende Schnittwunde, zerstörtes Handy und ausgerissene Holzlatte: Das ist das Resultat einer Streitigkeit zwischen zwei Asylanten aus Hausham. Nun verhandelte Richter Walter Leitner diesen Fall am Miesbacher Amtsgericht und sprach von „Glück, dass nicht mehr passiert ist“. Auf der Anklagebank saß ein 29-jähriger Nigerianer. Sein Opfer (22) stammt ebenfalls aus dem westafrikanischen Bundesstaat.

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Der Vorfall ereignete sich im September des vergangenen Jahres. Damals trafen die beiden Streithähne, die zusammen die Asylunterkunft in Hausham bewohnen, in auf unangenehme Weise in Hausham aufeinander. Der Angeklagte schilderte das Ganze so: „Er kam in mein Zimmer und sagte, dass ich sein Fahrrad geklaut hätte, was ich aber nicht habe.“ Schon im Zimmer des 29-Jährigen kam es zwischen den zweien zu einer kleinen Rangelei. „Dann habe ich zu ihm gesagt, dass wir auf der Straße wie echte Männer kämpfen sollten“, erinnerte sich der Beschuldigte.

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Auch das Handy des Opfers soll dabei zu Bruch gegangen sein. „Es ist ihm wohl beim Kampf aus der Tasche gefallen“, sagte der Angeklagte. Der 22-Jährige verlor bei dem Streit jedoch nicht nur sein Handy, sondern trug auch eine blutende Schnittwunde am Daumen davon. Wie das passiert sei, wisse der Angeklagte nicht. Es könne jedoch sein, „dass er sich vielleicht an einem Stück Holz verletzt hat“, versuchte sich der 29-Jährige zu erklären.

Leitner aber war sich sicher, dass die Schnittwunde von einem Messer kam. „Ist das Ihr Messer?“, fragte der Richter den Angeklagten und hielt ein Taschenmesser hoch, das die Polizei dem 29-Jährigen am Tatort abnahm. Letzterer bejahte die Frage, erklärte aber, „dass das Taschenmesser mein Schlüsselanhänger ist und ich es beim Kampf nicht verwendet habe“.

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Als das Opfer auf dem Zeugenstuhl Platz nahm, schilderte es die Geschichte etwas anders. „Es ist richtig, dass ich in sein Zimmer bin, weil ich hörte, dass er mein Fahrrad gestohlen hat“, sagte der 22-Jährige vor Gericht aus. Dann seien die beiden auf die Straße gegangen, um das Ganze auszudiskutieren. „Ich legte mein Handy vorsichtshalber auf den Boden, damit es nicht kaputt geht“, erklärte er.

Der Angeklagte soll daraufhin das Mobiltelefon aufgehoben und es mit voller Wucht wieder auf den Boden geschleudert haben. Die Folge war ein irreparabler Totalschaden am Handy. Anschließend will der 22-Jährige vom Angeklagten noch mit dem Taschenmesser am Daumen verletzt worden sein. Ein zweiter Stich soll seine Brust nur knapp verfehlt haben. „Dann hat er eine Holzlatte vom Zaun gerissen und mir gedroht, mich zu schlagen“, erinnerte sich der Jüngere der beiden.

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Die Szenarien mit dem Taschenmesser und der Holzlatte spielten sich im Grundstück eines 55-jährigen Haushamers ab, der als Zeuge aussagte. Den Vorfall mit dem Messer habe er nicht gesehen, doch als er Schreie hörte, ging er aus seinem Haus auf den Balkon. „Die beiden müssen wohl in meinen Zaun gefallen sein“, sagte der Haushamer. Immerhin fehlte ein Stück in seinem Gartenzaun. „Dann hat der eine eine Holzlatte aufgehoben und dem anderen gedroht, sie ihm über den Kopf zu ziehen.“ Als es dem Mann zu bunt wurde, rief er die Polizei, die die Streithähne nach kurzer Verfolgungsjagd festhalten konnte.

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Nun lag es an Staatsanwalt und Richter, welcher Aussage sie Glauben schenkten. „Wir haben hier zwei verschiedene Versionen gehört“, erklärte der Staatsanwalt. „Klar ist aber, dass der Angeklagte das Gerangel hervorgerufen hat.“ Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung plädierte er auf eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je fünf Euro.

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Leitner stellte zunächst das Verfahren wegen Fahrrad-Diebstahls ein, da hierfür eindeutige Beweise fehlten. Ungeschoren kam der Angeklagte dennoch nicht davon. Der Richter sprach den 29-Jährigen der gefährlichen Körperverletzung mit Sachbeschädigung schuldig und verurteilte ihn zu 110 Tagessätzen à fünf Euro. „Es ist für mich eindeutig“, erklärte Leitner, „dass die Verletzung am Daumen von einem Taschenmesser stammt“. Der Richter war sich zudem sicher, dass der Angeklagte auch das Handy des 22-Jährigen auf den Boden geschmissen hat. Auf den Beweisfotos sehe es nicht so aus, als ob das Handy aus der Tasche gefallen wäre. Zum Ende der Verhandlung sagte Leitner zum Beschuldigten: „Er hat Sie des Diebstahls bezichtigt, weshalb Sie immer aggressiver wurden und daraufhin die Taten begangen haben.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © Glavo/pixabay

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