Peter Greil (l.) und Herbert Scholl werkeln vor dem Auszug des Bergbaumuseums am Diorama des Haushamer Bergwerks.
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Beschäftigt mit Auffrischungsarbeiten: Peter Greil (l.) und Herbert Scholl werkeln vor dem Auszug des Bergbaumuseums am Diorama des Haushamer Bergwerks.

Nach Verkauf des alten Rathauses

Haushamer Bergbaumuseum wird erstmal eingelagert

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Tage des Haushamer Bergbaumuseums sind gezählt. Bis März 2021 muss die Ausstellung aus dem alten Rathaus ausgezogen sein. Der Großteil der Sammlung wird in Kisten verschwinden. Doch einige der historischen Objekte bekommen einen Ehrenplatz.

Hausham – Erst wollten Herbert Scholl und Peter Greil das Diorama des Haushamer Bergwerks nur ein bisschen auffrischen. Die kleinen Häuschen neu anstreichen, die eine oder andere Beschädigung ausbessern. Doch als die beiden Vertreter des Interessenkreises des Museums das Modell mit historischen Bildern der Grube abglichen, fiel ihnen auf, dass auch noch in anderer Hinsicht Nacharbeit notwendig war. „Der Peter hat gemerkt, dass ein Kamin fehlt“, berichtet Scholl. Also startete Greil als begeisterter Modelleisenbahner zu seinem 3D-Drucker, um das Diorama dem Original noch ähnlicher zu machen. Sogar den Bergwerksbahnhof mit zugehöriger Lok schuf Greil. „Er ist einfach ein Bastler vor dem Herrn“, berichtet Scholl begeistert.

Altes Rathaus verkauft: Stattdessen entstehen Wohnungen

Dass die beiden Museumsvertreter das Modell überhaupt so genau unter die Lupe nahmen, liegt am bevorstehenden Auszug der Ausstellung aus dem Untergeschoss des alten Rathauses. Wie berichtet, hat die Gemeinde das 5800 Quadratmeter große Grundstück an der B 307 nach dem Umzug der Verwaltung in das ehemalige Sparkassengebäude an die Schlierach GmbH verkauft. Diese will das leer stehende Rathaus abreißen und hier sechs Häuser mit insgesamt 80 Wohnungen errichten. Im März soll das Areal laut Bürgermeister Jens Zangenfeind an die neuen Eigentümer übergeben werden. „Bis dahin müssen wir das Museum geräumt haben“, sagt Scholl.

Umzug des Bergbaumuseums in Förderturm bisher geplatzt

Der Traum eines direkten Umzugs der Ausstellung in den Förderturm hat sich bekanntlich zeitlich in keiner Weise realisieren lassen. Laut Zangenfeind will die Gemeinde 2021 zunächst mit den jetzigen Eigentümern des Turms samt Umgriff klären, welche Nutzungsmodelle denkbar sind. „Erst dann können wir in die Detailplanung einsteigen.“

Im neuen Rathaus sollen Teile der Ausstellung zu sehen sein

Die Museumsfreunde müssen sich derweil mit einer Übergangslösung arrangieren. Der Großteil ihrer Sammlung wird in Kisten verpackt und in einem für die Konservierung geeigneten, trockenen Raum eingelagert. Laut Zangenfeind ist dies beispielsweise in der Schule denkbar. Damit die Bergbaugeschichte Haushams nicht in Vergessenheit gerät, will der Bürgermeister im neuen Rathaus mehrere Vitrinen aufstellen, die der Interessenkreis mit besonders sehenswerten Objekten bestücken kann. „Auch Führungen sind möglich“, betont Zangenfeind.

Historisches Werkzeug: die Exponate des Bergbaumuseums müssen aus dem alten Rathaus ausziehen.

Bis es so weit ist, haben die ehrenamtlichen Helfer eine Menge Arbeit vor sich. Sie müssen jedes Ausstellungsstück sichten, nummerieren, katalogisieren und dann in die richtige Kiste packen, um es bei Bedarf schnell wieder finden zu können. In den Asservatenkammern könne man wohl auch einiges aussortieren, was keinen direkten Bergwerksbezug habe, vermutet Scholl. So richtig anpacken könne man aber erst nach dem Ende des Lockdowns. „Alleine reißt man da nicht viel“, sagt Scholl.

Kommende Generationen müssen sich vorerst mit einem virtuellen Rundgang begügen

Zuvor stehen aber noch Filmaufnahmen an. Der Haushamer Mathias Huber werde eine Führung durch die Ausstellung aufzeichnen und dabei auch 3D-Fotos für die neue Internetseite des Museums anfertigen, sodass auch kommende Generationen einen Rundgang unternehmen können – wenn auch einen virtuellen.

Lesen Sie hierzu auch: Förderturm: Nicht nur das Bergbaumuseum könnte hier unterkommen und: Wie sich Hausham entwickeln will: Vom Kumpel zum Hipster

Das aufgefrischte und ergänzte Diorama wird laut Scholl übrigens einen Ehrenplatz erhalten: im Zuschauerraum des Sitzungssaals im neuen Rathaus. Die Erinnerung lebendig zu halten, sei eine historische Verpflichtung für jeden Haushamer. „Wir dürfen nicht vergessen, wie viele unserer Vorfahren unter Tage malocht haben.“

Historisches Artefakt: der Durchschlags-Poikal Au-Hausham aus dem Jahr 1889. 

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