Professor Günter Pilz

Infarkt-Todesrate fast verdoppelt

Herzinfarkt: Kardiologie-Chefarzt Pilz: „Es ist extrem wichtig, sofort zu reagieren.“

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Günter Pilz hatte Bereitschaftsdienst, als Alexander Radwan mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er sagt: Radwan hat gemacht reagiert. 

Agatharied - Professor Günter Pilz (62) hatte Bereitschaftsdienst, als Alexander Radwan mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Behandlung war erfolgreich, der Abgeordnete hatte schnell und richtig auf die Schmerzen reagiert. Doch es gibt auch andere Fälle, wie der Chefarzt der Kardiologie am Krankenhaus Agatharied berichtet.

Herzinfarkt: Kardiologie-Chefarzt Pilz: „Es ist extrem wichtig, sofort zu reagieren.“

Herr Professor Pilz, zuletzt häuften sich Meldungen, wonach die Zahl der Notfall-Patienten in Krankenhäusern stark zurückgegangen ist. Die Menschen haben Angst, sich dort mit dem Coronavirus zu infizieren. Können Sie diesen Trend bestätigen?

Es ist leider ein reales Phänomen. Normalerweise behandeln wir pro Monat 15 bis 20 schwere Herzinfarkte. Im März und April waren es zusammen nur acht bis zehn.

Mit welchen Folgen?

International hat sich die Infarkt-Todesrate aktuell verdreifacht, bei uns fast verdoppelt. Nicht, weil wir medizinisch nicht bestens ausgerüstet wären, sondern weil die Patienten zu lange gezögert haben. Die Schädigungen waren so groß, dass wir sie nicht mehr retten konnten. Ein Patient hatte trotz Beschwerden fast 14 Tage gewartet, ehe es schließlich nicht mehr ging und er ins Krankenhaus kam. Trotz sofortiger Behandlung konnten wir leider nichts mehr für ihn tun.

Wie alt waren die Verstorbenen?

Der Jüngste war erst 58. Das ist sehr bitter. Umso erleichterter bin ich, dass bei den Leuten nun wieder ein Umdenken einsetzt. Am langen Wochenende um Fronleichnam hatten wir fünf Patienten mit schweren Herzinfarkten, die wir allesamt retten konnten. Darunter auch Herrn Radwan. Er hat Gott sei Dank alles richtig gemacht und die Rettungskräfte schnell alarmiert. Alles hat perfekt funktioniert. Genau so soll es sein.

Ist die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus begründet?

Nein. Die Patienten müssen sich keine Sorgen machen und sollten wegen einer abstrakten Restgefahr nicht die konkrete Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls ignorieren. Leider haben das in den vergangenen Monaten viele getan. Wir haben jetzt Sorge vor einer zweiten Welle – allerdings bei den Organerkrankungen.

Was raten Sie den Leuten?

Bitte gehen Sie bei Beschwerden zum Arzt! Es ist extrem wichtig, sofort zu reagieren. Im Zweifel lieber ein Mal zu oft als gar nicht.

Reicht der Besuch beim Hausarzt?

Ein regelmäßiger Checkup ist sinnvoll, insbesondere wenn Risikofaktoren bestehen: Rauchen, Übergewicht, Diabetes, auch Prediabetes übrigens, hohe Cholesterinwerte oder Bluthochdruck. Auch koronare Erkrankungen in der Familie können für ein erhöhtes Risiko stehen. Im Zweifel wird der Hausarzt weiterführende Untersuchungen beim Spezialisten veranlassen. Bei akuten Schmerzen aber gilt: sofort den Notruf wählen!

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