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Finger, so dick wie Weißwürste: Beim Fingerhakeln kommt es auf die Hornhaut an der Innenseite des Fingers an.

Wir erklären, wo der Trick ist

Hornhaut bezwingt Kraft: Das Geheimnis des Fingerhakelns

Au/Hausham – Am Sonntag sind die Schlierachgauer Fingerhakler Gastgeber der Bayerischen Meisterschaft im Fingerhakeln. Wir haben sie vorab besucht- und Erstaunliches erfahren.

Helmut Weiß, Vorsitzender der Schlierachgauer Fingerhakler, ist im Stress. Ein Pressetermin jagt den nächsten, Zeit für ein kurzes Gespräch findet der 43-Jährige aber trotzdem. Er reicht die Hand zur Begrüßung. Hand? Die Untertreibung schlechthin. Weiß nennt eine Pranke sein Eigen, die eines Fingerhaklers würdig ist. Diese wird an diesem Sonntag ab 10 Uhr bei der Bayerischen Meisterschaft am Haushamer Volksfest zum Einsatz kommen.

Weiß tritt im Mittelgewicht ab 90 Kilogramm an. Auf den Titel rechnet er sich nur geringe Chancen aus. „Da sind fünf richtig starke Hakler aus dem Isargau dabei, die ich hinter mir lassen müsste“, weiß der Fliesenleger. Trotz Trainingsfleiß kein einfaches Unterfangen. Weiß übt jeden Tag, mehrmals pro Woche schafft er im Fitnessstudio die Kraft-Grundlage. „Das wird immer extremer, die Sportart wird immer professioneller.“ Sogar der Nachwuchs trainiere inzwischen in Studios.

Hiermit wird sich über den Tisch gezogen: Im Wettkampf packt Helmut Weiß den Ring - und zieht mit einem Finger.

Die wichtigste Komponente ist aber nicht die Kraft, sondern die Haut. „Man braucht eine kräftige Hornhaut an den Fingern“, erklärt der Vorsitzende. Eigens dafür hat sich Weiß eine Trainingsvorrichtung gebaut: An einem Expander hat der Auer einen Fingerhakel-Ring befestigt. Durch Zugbewegungen wird die Hornhaut trainiert. „Das mache ich meistens abends vor dem Fernseher.“

Einmal pro Woche trainiert Weiß zudem mit seinem eigenen Körpergewicht. An einem Gerüst im Garten hängen zwei Ringe, an denen sich der 43-Jährige hochzieht. Haut- und Krafttraining in einem. Und: Im Keller, in der Abstellkammer, steht eine weitere Apparatur. An der Wand ist eine Umlenkrolle befestigt, am einen Ende des Seils hängen Gewichte, am anderen ein Hakler-Ring. „So kann man einen Wettkampf simulieren“, erklärt Weiß.

Bereits im Alter von fünf Jahren wagte Weiß seine ersten Schritte im Fingerhakeln. Ausschlaggebend war Vater Anton. „Mein Vater war 30 Jahre lang Vorsitzender der Schlierachgauer Fingerhakler“, sagt der 43-Jährige. Im Jahr 2006 hat der ehemalige bayerische und deutsche Meister das Amt dann von seinem Vater übernommen.

Vor allem ist ihm daran gelegen, das Image des Fingerhakelns aufzupolieren. Blutige Finger, wie sie bisweilen in den Medien zu sehen sind, seien die Ausnahme. „Und wenn, dann geht da nur die oberste Hautschicht ab“, erklärt Weiß. Langzeitschäden ziehe der Sport nicht nach sich. Und auch die Vorstellung, dass beim Fingerhakeln der Bierkonsum im Vordergrund steht, sei ein Klischee.

Gerade die angebliche Verletzungsgefahr ziehe ein Nachwuchsproblem nach sich. „Wir hatten das schon mehrfach, dass ein Kind mit dem Hakeln anfangen wollte. Oft haben dem dann aber die Eltern, im speziellen die Mütter, einen Riegel vorgeschoben.“ Derzeit zählen die Schlierachgauer fünf Nachwuchs-Hakler. Darunter der alpenländische Meister Leonhard Thurnhuber.

Die „Boarische dahoam“ im Haushamer Festzelt

Der Höhepunkt des Haklerjahres steht für die Fingerhakler am Sonntag, 10. Juli, bevor. Ab 10 Uhr steht im Festzelt des Volksfestes am alles entscheidenden Kampftisch die Bayerische Meisterschaft auf dem Programm. Erwartet werden dazu knapp 200 Teilnehmer aus insgesamt neun Gauen, die in ebenso vielen Klassen ihre Meister suchen.

Für den gastgebenden Schlierachgau eine ganz besondere Herausforderung. In Hausham stand die Wiege des Fingerhakelns in der Region; die Männer der ersten Stunde hießen Sepp Seitz und Fritz Lichtenauer.

Die Schlierachgauer wollen bei der „Boarischen dahoam“ sportlich unterstreichen, dass sie noch immer zum Spitzenfeld gehören. Freilich, die großen Matadore kommen seit Jahren aus dem Ammergau und dem Gau Auerberg. Doch der dritte Platz ist hart umkämpft. Zuletzt holte ihn der Schlierachgau bei der 39. Alpenländischen Meisterschaft vor dem Gau Werdenfels und dem Isargau.

Und immer wieder geht auch ein Titel an den Schlierachgau. Zuletzt war Markus Weber im Leichtgewicht erfolgreich. Er hat auch in Hausham gute Karten, ebenso wie Günther Zehetmair, Hans Hort und Toni Weiß in den Altersklassen. Beständig stark ist Helmut Weiß im Mittelgewicht. Im Nachwuchsbereich ist einiges von den Gebrüdern Sigl aus Glonn zu erwarten.

Bastian Huber

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