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Viele positive Erfahrungen haben Sarah Müller und ihre Mutter Johatini, hier bei der gemeinsamen Hausarbeit, mit dem Förderzentrum in Hausham gemacht. 

„Leser helfen Lesern“

Im Förderzentrum eine Heimat gefunden: So profitiert eine Schülerin von der Anton-Weilmaier-Schule

Mit unserer Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ unterstützen wir heuer das Sonderpädagogische Förderzentrum Anton-Weilmaier-Schule. Eine Schülerin berichtet von ihren Erfahrungen.

Landkreis Sarah Müller geht gerne in die Schule. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man 16 Jahre alt ist. Aber Sarah ist ein besonderes Mädchen und besucht eine besondere Schule: das Sonderpädagogische Förderzentrum in Hausham.

Als Sarah erfahren hat, dass ihre Schule einen neuen Bus bekommen soll, wenn genug Spenden bei der Aktion „Leser helfen Lesern“ zusammenkommen, entschloss sie sich, ein bisschen Werbung zu machen. „Ich gehe wirklich jeden Tag gerne in die Schule, mich nervt da überhaupt nichts“, sagt die 16-Jährige. Sie kennt die Anton-Weilmaier-Schule seit zehn Jahren, hat heuer mit der Berufsschulstufe begonnen.

Sarah kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Schon als Kleinkind ist sie ein Sonnenschein. Ihre Eltern Johatini und Carsten Müller machen sich trotzdem manchmal Sorgen. „Wir wollten die beste Förderung für Sarah“, sagt die Mutter. Ein normaler Wunsch von Eltern. Doch für Kinder mit Handicap ist die Suche nach der richtigen Schule schwieriger. Familie Müller zieht ein Jahr, bevor Sarah 2002 zur Welt kommen wird, mit dem großen Bruder Leon, heute 18, von München nach Hausham.

Da es im Landkreis Miesbach damals keine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Kindern mit Down-Syndrom gibt, trifft Johatini Müller andere Eltern im Down-Kind-Verein in München. Sarah besucht einen integrativen Kindergarten in Agatharied. Während in der Großstadt der Kampf um Außenklassen an Regelschulen für die Kinder mit Down-Syndrom beginnt, findet Familie Müller heraus, dass es vor ihrer Haustür in Hausham ein Sonderpädagogisches Förderzentrum gibt. „Sarah dort hinzuschicken, war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten“, sagt die 49-Jährige.

Sarah startet die erste Klasse im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. „Wir hatten damals überhaupt keine Erwartungshaltung, was Sarah alles lernen kann“, sagt Vater Carsten. Wichtig ist den Eltern nur, dass sich ihre Tochter dort wohlfühlt.

Sarah erinnert sich gerne an ihre Grundschulzeit. Schon in den ersten zwei Jahren fährt sie mit ihrer Klasse ins Schullandheim. „Wir finden es einmalig, wie engagiert die Lehrer sind“, sagt Mutter Johatini. Sarah zeigt ihre selbst gebastelten Fotoalben von damals. Sie erinnert sich gut, wie sie im Schullandheim zum ersten Mal auf einem Pony saß. „Zuerst habe ich mich überhaupt nicht getraut“, sagt sie.

Sarah ist ein vorsichtiges Kind. Sie lernt langsamer als Gleichaltrige, bei der Fein- und Grobmotorik ist sie hinterher. Doch mit der Schule kommt das Selbstbewusstsein. Die Eltern staunen, als Sarah lesen und schreiben lernt. Nach zwei Jahren darf ihre Tochter auch am Unterricht des Förderschwerpunkts Sprache, Lernen und sozialemotionale Entwicklung teilnehmen. Dort werden Kinder ihrem Tempo und Niveau angepasst gefördert und gefordert. „Lesen, Schreiben, Allgemeinbildung: Wir wollen jedem Einzelnen Wege zur Selbstbestimmung auch außerhalb des geschützten Schulrahmens ebnen“, sagt Schulleiterin Bärbel Lang.

Sarah hat viele Hobbys. Sie geht gerne Reiten und Schwimmen, spielt Tennis bei der SG Hausham, Sparte Handicap Integrativ. Sie tanzt und spielt zwei Instrumente. Vieles hat sie über die Schule kennengelernt. So gibt es zwischen dem Förderzentrum und der Musikschule Schlierach-Leitzachtal eine Kooperation. Die Musikschule bietet an der Anton-Weilmaier-Schule Veeh-Harfenunterricht an. Sarah holt das Zupfinstrument aus ihrem Zimmer. Sie mag den Klang. Gerne spielt sie auch Gitarre.

Stolz ist Sarah, dass sie einmal im Jahr auf der Bühne steht. Die Tanzpädagogin Stephanie Groß aus Holzkirchen bietet seit 2011 an der Anton-Weilmaier-Schule einmal wöchentlich das Projekt „Tanztheater“ an. Am Ende jeden Schuljahres zeigen die Kinder vor Publikum, was sie gelernt haben. „Ich möchte gerne mal Sängerin werden oder Försterin“, sagt Sarah. Auch ein Job in einem Café würde ihr gefallen. Sie liebt es, mit ihrer Hauswirtschaftslehrerin am Mittwoch zum integrativen „Tom‘s Café“ in Holzkirchen zu fahren, zu bedienen und abzukassieren. „Da fahren wir auch mit dem Bus hin, den brauchen wir echt oft“, sagt sie.

Drei Jahre Schule liegen noch vor Sarah. Verschiedene Praktika stehen noch an, in den Oberlandwerkstätten in Miesbach und vielleicht in der Gastronomie. Dass Sarah ihren Weg machen wird, davon sind ihre Eltern überzeugt. „Die Anton-Weilmaier-Schule hat sie fit gemacht für ein selbstständiges Leben“, sagt die Mutter.

Aglaja Adam

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