Wollen die Geschichte lebendig halten: Wolfgang Bloch (r.) und Bürgermeister Jens Zangenfeind präsentieren die neue Bergwerksbroschüre vor dem Hunt am Haushamer Rathaus.
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Wollen die Geschichte lebendig halten: Wolfgang Bloch (r.) und Bürgermeister Jens Zangenfeind präsentieren die neue Bergwerksbroschüre vor dem Hunt am Haushamer Rathaus.

14 Kilometer nie gebrauchter Tunnel

In Hausham: Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Hausham – Der Auer Erbstollen galt zu seiner Zeit als echte Meisterleistung. Genaueres ist in einer Broschüre erklärt, die nun im Haushamer Rathaus zu haben ist.

Wasser fließt immer von oben nach unten. Diesen physikalischen Grundsatz wollten sich die Bergleute zunutze machen, als sie im August 1871 mit dem Bau des Auer Erbstollens begannen. Dieser knapp 14 Kilometer lange Tunnel von der Grube Hausham in die knapp 250 Meter tiefer gelegene Grube Au sollte der Entwässerung der östlichen Haushamer Mulde dienen und so dort weitere Pechkohlevorräte erschließen.

Beeindruckend, aber auch ein Reinfall

Am 29. März 1889 um 2 Uhr morgens feierten die Bergleute den Durchbruch und somit eine auch aus heutiger Sicht noch beeindruckende Ingenieursleistung. Wirtschaftlich betrachtet, geriet der Auer Erbstollen aber zum Reinfall. So wurde er noch im Jahr seiner Fertigstellung wieder aufgegeben, weil er durch leistungsfähige Pumpen überflüssig gemacht wurde.

Broschüre des Bergbaumuseumsvereins erklärt die Details

Dass die Geschichte des Auer Erbstollens deshalb nicht weniger erzählenswert ist, zeigt Dr. Wolfgang Bloch, Zweiter Vorsitzender des Bergbaumuseumsvereins Hausham, in einer von ihm verfassten Broschüre, die ab sofort für fünf Euro im Haushamer Rathaus erhältlich ist. Entstanden ist die Idee im Rahmen der Ausstellung „Das Bergbaudorf Au bei Bad Aibling und sein Abbau auf Pechkohle“, die Bloch im Jahr 2016 in Bad Feilnbach organisiert hatte. Viele der 1300 Besucher hatten gefragt, ob es denn nicht eine Broschüre zur Schau gebe. „So ist das nun vorliegende Büchlein entstanden“, sagt Bloch stolz. Der Auer Erbstollen nimmt darin einen beträchtlichen Teil an Platz ein.

Den Anfang der „bergmännischen und markscheiderischen Meisterleistung“, wie Bloch schreibt, begann auf der Seite der Grube Au. 1871 begannen die Bergleute hier, den Stollen in Richtung Hausham voranzutreiben. Sechs Jahre später arbeiteten sich dann die Haushamer in einer Teufe von 256 Meter nach Osten vor. Der „Durchschlag“ am 29. März 1889 zeigte dann, wie gut die Berechnungen und deren praktische Umsetzung unter Tage waren: Die beiden Tunnel trafen sich fast punktgenau.

Pumpen machten den Entwässerungsschacht obsolet

Zur Entwässerung gebraucht wurde der Auer Erbstollen da aber nicht mehr. Bereits 1888 hatte der Schöllerschacht dank moderner Pumpen eine Endteufe von 525 Meter erreicht und reichte damit deutlich tiefer, als es mit dem Erbstollen möglich gewesen wäre. Auch zum Kohleabbau nutzte der 14 Kilometer lange Durchgang nicht mehr. Geologische Untersuchungen lieferten keine weiteren abbauwürdigen Vorkommen zwischen der Haushamer und der Auer Mulde. Auch spätere Untersuchungen wie die Bohrkampagne von 1952 bis 1957 brachten keine ausreichend neuen Erkenntnisse, sodass die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abbau von Pechkohle in Au endgültig verworfen wurde, berichtet Bloch.

So blieb der Auer Erbstollen letztlich nicht mehr als ein Zeugnis der bergbaulichen Kompetenz in der Region. Darauf konnten die Beteiligten aber ein Leben lang stolz sein. Damit ihr Werk auch von kommenden Generationen nicht vergessen wird, stiftete der damalige Rechnungsführer einen Pokal, auf dem alle beteiligten Ingenieure und Bergleute aufgelistet wurden. Mittlerweile ist die Trophäe im Haushamer Rathaus ausgestellt. Dort, wo es nun auch das Büchlein von Wolfgang Bloch zu kaufen gibt.

Werk zeigt, wie sehr Hausham mit dem Bergbau verbunden war

Für Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind ist die Abhandlung „ein weiterer Beitrag, um zu zeigen, wie die Gemeinden Hausham, das Leitzachtal und die Gemeinde Au durch den Bergbau verbunden waren“. Diese Verbindung halte man nach wie vor aufrecht, auch durch entsprechende Kontakte der politischen Vertreter. „Sobald wir die Pandemie überstanden haben, werden weitere Treffen gemeinsam mit unseren Freunden stattfinden“, kündigt Zangenfeind an und fügt hinzu: „Wir alle möchten diese eindrucksvolle Geschichte für immer lebendig halten.“

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