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Hoffnungslos veraltet: die Naturfreundestraße in Hausham.

Bürgerversammlung Hausham

Ingenieur erklärt: So könnte die neue Naturfreundestraße aussehen

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Zu eng, zu löchrig und viel zu alt: Der Sanierungsbedarf der Naturfreundestraße in Hausham ist bekannt. Bei der Bürgerversammlung haben die Anwohner nun den Planungsstand erfahren.

Hausham– Der virtuelle Spaziergang startete unten an der Schlierach. Von dort aus führte Michael Schütte, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Dippold & Gerold, sein Publikum bei der Haushamer Bürgerversammlung in seinem Vortrag die 500 Meter lange Naturfreundestraße hinauf bis zum Bahnübergang. Noch bevor er in die Details ging, machte Schütte eines klar: Bei einer maximalen Straßenbreite von 10,80 Meter wegen der dichten Bebauung auf beiden Seiten bleibe kein Platz für Erweiterungen. „Wir müssen im bestehenden Raum so viel wie möglich umsetzen“, erklärte Schütte.

Die Aufgabenliste, die der Gemeinderat den Ingenieuren mit auf den Weg gegeben hatte, war lang. Sie sollten einerseits den Sanierungsbedarf von Asphalt, Wasserleitung und Kanal prüfen, andererseits aber auch Verbesserungsvorschläge für den Verkehrsfluss bei gleichzeitigem Erhalt der bestehenden Parkplätze erarbeiten. Alles ergebnisoffen, wie Bürgermeister Jens Zangenfeind herausstellte. Von Anfang an sei es das Ziel gewesen, die Bürger als Experten der örtlichen Gegebenheiten mit einzubeziehen. „Sie fahren hier täglich entlang“, sagte Zangenfeind.

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Zuerst jedoch stellte Schütte den aktuellen Planungsstand vor. Dessen Korsett ist vor allem im unteren Bereich der Naturfreundestraße eng geschnürt. Um die Mindestbreite von 5,20 Meter für die Fahrbahn zu erreichen und gleichzeitig einen zwei Meter breiten Parkstreifen freizuhalten, müsste man die beiden Gehwege auf eine Breite zwischen 1,55 und 1,85 Meter zusammenstutzen. Nur sei ein Begegnungsverkehr zwischen Auto und Lkw ohne Ausweichstellen möglich, erklärte Schütte. Um den Parkraum optisch abzugrenzen, schlug er eine Einfassung mit Granit-Einzeilern vor.

Auf Höhe der Kirche wird die Naturfreundestraße zwar bis zu sechs Meter breit, dafür steht hier aber eine Reihe alter Bäume dicht an der Fahrbahn. Hier legte Schütte zwei Varianten vor. In einem Fall kämen die Bäume weg und der aktuell dahinter liegende Gehweg würde direkt an die Straße verlegt, im anderen würden sie in einer Art Mittel-Allee erhalten bleiben, während die Fahrspuren links und rechts davon vorbeiführen. Ob die Bäume die Baumaßnahme überhaupt überleben würden und welche Schutzmaßnahmen dafür notwendig seien, müsse ein Gutachter vorab klären, so Schütte. „Das ist immer mit einem Risiko verbunden.“ Ferner würden beide Varianten einen Teil des Kirchengrundstücks beanspruchen.

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Bereits abgeschlossen sind die Untersuchungen des Straßenuntergrunds. Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich. Sowohl der Regenwasserkanal, als auch die Wasserleitung sind stark veraltet und müssen erneuert werden. Zudem ist der Kies unter der Fahrbahn mit Altlasten kontaminiert und muss teuer entsorgt werden.

Entsprechend hoch fallen die Kosten der Baumaßnahme aus. Schütte geht derzeit von 2,35 Millionen Euro aus. Die Geldbeutel der Anwohner bleiben durch die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge davon aber unberührt, schickte Zangenfeind voraus. „Allerdings hat uns der Gesetzgeber bisher nicht erklärt, wo wir dann das Geld hernehmen sollen.“ Solange dies nicht geklärt sei, werde man die Sanierung nicht anpacken können.

Zuvor gibt es ohnehin noch Gesprächsbedarf, wie bei der Bürgerversammlung deutlich wurde. Größter Diskussionspunkt waren die Parkplätze. Mehrere Anwohner berichteten von störenden Dauerparkern und schlugen vor, diese Richtung Volksfestplatz auszulagern. Es stehe der Gemeinde frei, dies über eine entsprechende Beschilderung zu regeln, erklärte Schütte. Die Forderung, einige Parkplätze komplett wegfallen zu lassen, hielt er jedoch für schwierig. „Das würde den Geschäften schaden.“

Der Bürgermeister teilte diese Skepsis, auch in Bezug auf die Anregung, die Naturfreundestraße mit einer Einbahnregelung zu versehen. Zu breit solle die Fahrbahn dann auch nicht werden. „Sonst bekommen wir hier eine Rennstrecke.“

Der Planungsstand der weiteren Großprojekte

In engem räumlichen Bezug zur Naturfreundestraße steht das geplante Baugebiet mit 20 Wohnhäusern und dem neuen Haus Bambi der Lebenshilfe im Bereich Huberbergstraße und Moosrainer Weg. Inhaltlich haben die beiden Projekte aber nichts miteinander zu tun, betonte Haushams Rathaus-Chef Jens Zangenfeind bei der Bürgerversammlung. Für detaillierte Infos zum Planungsstand verwies er auf eine eigene Veranstaltung, die zwischen Pfingst- und Sommerferien stattfinden soll. Aufgrund einer Anfrage aus der Bürgerschaft begründete er dennoch nochmals kurz, warum man sich letztlich nicht für das vom Landschaftsschutzverein vorgeschlagene Alternativ-Grundstück an der Tegernseer Straße und damit nahe des Förderzentrums entschieden habe. „Die Preisvorstellungen waren zu verschieden“, erklärte Zangenfeind. Zudem wäre auch hier die Problematik des Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebiets zu lösen gewesen. Die Lebenshilfe könne am besten selbst beurteilen, welcher Standort zu ihren Anforderungen passe. 

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Schon ein paar Schritte weiter ist die Gemeinde in Sachen Kreisel an der Oberen Tiefenbachstraße in Agatharied gekommen. Voraussichtlich im März 2019 werde der Bau beginnen, kündigte Zangenfeind an. Bereits im Juni und Juli dieses Jahres und damit nach Abschluss der Tiefbauarbeiten für das neue Firmengebäude der Zimmerei Fendl sollen der Gehweg und die Querungshilfe in der Straße fertiggestellt werden. Im Herbst starten dann zwei weitere Großprojekte: der Umbau des Sparkassengebäudes in das neue Rathaus und die Vorarbeiten für die Verlegung des Bahnübergangs. Über den genauen Zeitplan des Verkehrsprojekts werde das Staatliche Bauamt in einer eigenen Veranstaltung informieren. Mit einem Termin rechnet Zangenfeind in zwei bis drei Monaten. Bis dahin sollen auch die Planungen für das neue Ärztehaus der Raiffeisenbank am Bahnhof abgeschlossen sein. 

Noch im Anfangsstadium befinden sich hingegen die Überlegungen für bezahlbare Mietwohnungen anstelle des jetzigen Rathauses und für einen neuen Kinderhort mit Mittagsbetreuung auf dem Grundstück der evangelischen Kirche gegenüber der Mittelschule. Bislang ohne Ergebnis verlaufen seien die Gespräche über einen Nachfolger für den von der Nagelbachstraße in die neue Ortsmitte umziehenden Netto-Markt, berichtete Zangenfeind. Die Eigentümerin habe mit vielen Discountern gesprochen – leider ohne Erfolg. „Die wollen heute keine Einzellagen mehr“, erklärte Zangenfeind. Um gerade ältere Mitbürger in der Nagelbach- und Auerbergsiedlung zu unterstützen, werde die Gemeinde den Bedarf eines Einkaufsbusses abfragen.

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