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Fest zum Jubiläum: Auch nach zehn Jahren zaubert die Arbeit mit Behinderten und Nicht-Behinderten Stephan Kaiser (h.) ein Lächeln auf die Lippen.

Inklusiver Sport bei der SG Hausham

Handicap Integrativ : Eine Sportgruppe (fast) wie jede andere

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Die Sparte Handicap Integrativ bei der SG Hausham ermöglicht seit zehn Jahren inklusives Sporttreiben. Initiator Stephan Kaiser schweben noch viele Projekte vor – oft fehlen ihm dazu aber die Mittel.

Schliersee/Hausham – Stephan Kaiser (53) lächelt, wenn er über die Abteilung Handicap Integrativ spricht. Kaiser hat das Projekt vor zehn Jahren gestartet. Es ist sein Lebenswerk. Der Schlierseer, zurückhaltend, kein Mann großer Worte, lässt an seiner Mimik erkennen, wie stolz er auf sein Werk ist: gemeinsames Sporttreiben von behinderten und nicht behinderten Kindern.

Zwölf Kinder waren es zu Beginn im März 2007 – heute treiben über 90 Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Gruppen Sport. Dafür gab es im vergangenen Jahr den Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern. Mit dem Geld finanzierte Kaiser unter anderem Übungsleiter-Ausbildungen und Aktionen für das diesjährige Spielefest. Mit mehr als einem Dutzend Stationen zum Ausprobieren wurde bei dem Fest am Spitzingsee das zehnjährige Bestehen gefeiert. „Es war das schönste Fest in all den Jahren“, sagt Kaiser. Zehn Jahre sportliche Integration und Inklusion – eine Abteilung mit Alleinstellungsmerkmal im Landkreis.

Ausprobieren lautete die Devise beim Spielefest am Spitzingsee.

Mit dem Kajak über den Spitzingsee, an einem Stahlseil über eine Felsspalte: Wer sich daran zum ersten Mal versucht, steht vor einer Herausforderung. Egal ob behindert oder nicht. „Etwa ein Drittel der Teilnehmer hatte eine Behinderung“, sagt Kaiser. Mit seinen Übungsleitern und Helfern sorgt er dafür, dass jeder seine Herausforderung meistert – nicht nur beim Spielefest, auch mehrmals wöchentlich in den Übungsstunden. Um Leistungsdruck geht es dabei nicht. Jeder soll so weit gehen, wie es ihm auch Spaß macht.

Was mit einer kleinen Truppe begann, ist heute ein „richtiges Team, das hinter mir steht“, sagt Kaiser. Ohne würde die Abteilung auch nicht funktionieren. Sechs ausgebildete Übungsleiter und sechs Helfer leiten und koordinieren die Sportgruppen: Tanzen, Schwimmen, Tennis, Tischtennis und Fußball. Zu Beginn waren die Gruppen vor allem auf geistig Behinderte ausgelegt, heute kann jeder teilnehmen.

Das Angebot schließt eine Lücke im Landkreis. Kaiser ist Förderlehrer an der Anton-Weilmaier-Schule in Hausham. Der Vater eines behinderten Schülers kam vor zehn Jahren auf ihn zu, da er für seinen Sohn keine Sportmöglichkeit im Landkreis fand. Kaiser schuf sie, der Junge von damals ist noch immer dabei. „Bei uns kommen Grundschüler zum ersten Mal mit Behinderten in Berührung“, erklärt Kaiser ein Ziel seiner Arbeit. Mit oder ohne Behinderung: „Man schafft eine Basis, auf der die Kinder reifen können.“

Die Basis ist aber lange noch nicht breit genug. Kaiser schweben eine Menge neue Zusatzprojekte vor. Einige Ideen, wie eine Gruppe für Rollstuhlfahrer, sind noch Zukunftsmusik. Andere Ideen wiederum stehen kurz davor, umgesetzt zu werden. Eine Gruppe für therapeutisches Reiten am Straußenhof in Waakirchen etwa, die im Oktober startet. Außerdem soll es in Kooperation mit dem Landkreis eine Gruppe für Senioren mit Behinderung geben, zudem arbeitet Handicap Integrativ zum neuen Schuljahr mit dem Haus Bambi zusammen.

Der Bedarf im Landkreis ist jedoch wesentlich größer. „Viele aus dem Raum Tegernsee oder Holzkirchen kommen nicht zu uns, weil es ihnen zu weit ist.“ Zudem fehlt es Kaiser an Hallenplätzen und Übungsleitern. Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS) unterstützt die Abteilung zwar finanziell, ebenso wie die Landkreis-Gemeinden und die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Gerade Angebote wie therapeutisches Reiten sind aber teuer. „Das können wir nur sechs Mal im Jahr anbieten.“ Denn die Mitglieder zahlen nur den Beitrag für den Sportverein. Die Kinder und Jugendlichen mögen anders sein – in T-Shirt, kurzer Hose und Turnschuhen sind sie aber einfach Sportler. Nicht mehr, nicht weniger.

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