Viel vorangebracht: Gerald Niedermeier (r.), Geschäftsführer der kbo-Kliniken, hier 2019 bei einem Gespräch zu Missständen in der Psychiatrie mit Michael Landgrebe, Chefarzt der kbo-Klinik Agatharied.
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Viel vorangebracht: Gerald Niedermeier (r.), Geschäftsführer der kbo-Kliniken, hier 2019 bei einem Gespräch zu Missständen in der Psychiatrie mit Michael Landgrebe, Chefarzt der kbo-Klinik Agatharied.

Psychatrische Behandlung in Agatharied

Kbo-Klinik unter neuer Leitung - so verbringt der bisherige Geschäftsführer seinen Ruhestand

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Nach 20 Jahren als Leiter der kbo-Lech-Mangfall-Klinik verabschiedet sich Gerald Niedermeier in den Ruhestand. Vor seinem Umzug nach Portugal spricht er über sein Lebenswerk.

Agatharied – Diesen Dienstag hat sich Gerald Niedermeier ins Auto gesetzt und ist losgefahren. Es war ein langer Trip, er ist erst Mittwoch angekommen – und wird sobald nicht zurückkehren. 24 Stunden Fahrt sind es bis Portugal, genauer gesagt an die Atlantik-Küste, ungefähr eine Stunde nördlich von Lissabon. Dort steht das Haus, in dem er mit Frau Cristina – eine Portugiesin – und den Hunden seinen Ruhestand verbringen will. Es ist kein Urlaub, es ist das Ende einer Karriere. Einer außergewöhnlichen. Niedermeier ist bis Ende des Jahres noch als Geschäftsführer für die kbo-Lech-Mangfall-Kliniken zuständig. Ein Job, den er seit jeher ernst genommen hat. Auch in den letzten Tagen, bis er zum Jahresende offiziell in den Ruhestand geht, wird er immer den Laptop dabei haben, immer erreichbar sein. Die Zeit nicht mehr im winterlichen Werdenfelser Land zu verbringen, „das habe ich mir nach 20 Jahren rausgenommen“. Er lacht schelmisch.

Psychatrische Einrichtungen waren anfangs unbeliebt

Niedermeier – dieser Name ist mit der psychiatrischen Arbeit in der Region eng verbunden. Im Jahr 2000 eröffnete Niedermeier die Klinik in Garmisch-Partenkirchen unter der Trägerschaft des Bezirks Oberbayern. Der gebürtige Münchner erinnert sich gut an die Anfänge. „An meinem ersten Tag habe ich an einer Tankstelle gefragt, wo es hier zur Psychiatrie geht.“ Die Antwort steht für ihn sinnbildlich für den Umgang mit der Thematik in der damaligen Zeit: „Der Mann sagte: So was ham mir ned, und so was brauchen wir auch ned.“ Ein Bild, das sich in den vergangenen 20 Jahren geändert hat, auch im Landkreis Miesbach: Niedermeier überführte die Klinik in Agatharied vom Krankenhaus zu Kbo. „Es war ein langer und steiniger Weg“, erinnert er sich. Aber ein erfolgreicher: Die Klinik wuchs 2009 um eine Tagesklinik, 2013 um eine Station für Psychosomatik und 2017 um eine Erweiterung mit 1400 Quadratmetern Grundfläche. Seit 2016 ist sie „Akademisches Lehrkrankenhaus“ der TU München. „Die fachliche Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus ist weiter hervorragend“, sagt Niedermeier. Davon profitierten beide Einrichtungen.

Geschäftsführer zieht jetzt zu seiner Frau nach Portugal

40 Jahre hat Niedermeier, der 2004 von Gauting in sein geliebtes Oberland („es ist so schön hier, ich bin so gerne in der Natur“) gezogen war, im Krankenhausbereich gearbeitet. 20 Jahre am Aufbau der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken. „Es ist ein Lebenswerk, in dem viel Herzblut steckt“, sagt er deutlich. Eines, auf das er auch stolz ist. „Ich denke, das darf man schon sein.“ Dass nun der Abschied naht, stellt für ihn kein Drama dar. „Irgendwann ist es einfach mal gut, ich freue mich auf einen neuen Abschnitt.“ Was ihm wichtig ist: Er wird mit einem ruhigen Gewissen nach Portugal aufbrechen. Seine Nachfolgerin Katharina Kopiecny – sie kommt im Frühjahr 2021 von der Frankenalb-Klinik in Engelthal östlich von Nürnberg – wird definitiv keine Baustelle übernehmen. „Eigentlich a g’mahde Wiesn“, sagt Niedermeier und lacht. „Ich habe so viele gute Angestellte hier, es wird alles ohne Probleme weiterlaufen.“

Versorgung der Patienten zu Hause könnte nächstes Projekt sein

Ein paar Aufgaben hat er seiner Nachfolgerin bereits vorgegeben. Denn Niedermeier ruht nie, will immer Neues entwickeln. 2014 war das in Agatharied eine alterspsychiatrische Schwerpunktstation zur Therapie von Senioren gewesen. Nun hat er zwei weitere Projekte, die erst nach seinem Ausscheiden starten werden. Das eine ist eine stationsäquivalente Behandlung, bei der die dauerhafte Versorgung beim Patienten zuhause in dessen eigener Wohnung stattfindet. „Es gibt eben Kranke, die nicht täglich in die Klinik kommen oder vollstationär bei uns behandelt werden können“, verdeutlicht Niedermeier. „In ganz Bayern existieren dafür bisher weniger als 20 Betten.“ Das Programm würde er zu gerne im Frühjahr des kommenden Jahres realisiert sehen. „Noch fehlt es an geschultem Personal.“ Das zweite Projekt ist der Ausbau des Angebots von niedergelassenen Ärzten im Sektor Psychiatrie.

Niedermeier vertraut seinen Mitarbeitern - und am 1. Januar

Niedermeier wird die Entwicklung verfolgen. Nicht mehr aktiv, sondern aus der Ferne von Portugal. Ab 1. Januar legte er die Arbeit in die Hände seiner Mitarbeiter und der neuen Chefin. „Ich vertraue meinen Leuten, das habe ich immer getan. Das ist das A und O für Erfolg.“

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