Sieht das Klinikum gut vorbereitet: Dr. Steffen Herdtle, Chefarzt Zentrale Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied.
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Sieht das Klinikum gut vorbereitet: Dr. Steffen Herdtle, Chefarzt Zentrale Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied.

Trotz mehr Neuinfektionen

Kein Covid-19-Patient auf Intensivstation: Corona-Lage im Krankenhaus Agatharied entspannt

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Corona-Neuinfektoinen im Landkreis Miesbach steigen stark an. Im Krankenhaus Agatharied ist die zweite Welle hingegen noch nicht angekommen.

  • Die Corona-Infektionen im Landkreis Miesbach steigen an.
  • Im Krankenhaus Agatharied merkt man von der zweiten Welle hingegen noch nichts.
  • Derzeit liegt kein einziger Covid-19-Patient auf der Intensivstation.

Landkreis Immer mehr Menschen im Landkreis stecken sich mit dem Coronavirus an. Schwer krank werden aber –Stand jetzt – nur die wenigsten. 26 Betten mit Beatmungsgeräten stehen auf der Intensivstation des Krankenhauses Agatharied zur Verfügung. Kein einziges ist aktuell von einem Covid-19-Patienten belegt. „Wir behandeln derzeit lediglich drei Fälle auf der Normalstation“, sagt der Chefarzt Zentrale Notaufnahme, Dr. Steffen Herdtle, auf Nachfrage unserer Zeitung. Selbstverständlich streng isoliert von allen anderen Patienten.

Corona-Fälle

Von der zweiten Welle ist im Kreisklinikum bis dato also wenig zu spüren. Im Unterschied zum Frühjahr, als bis zu zehn Covid-19-Fälle gleichzeitig auf der Intensivstation betreut wurden, blieben schwere Verläufe im Landkreis trotz der seit wenigen Wochen steigenden Infektionszahlen aus, berichtet Herdtle. Kollegen aus anderen Krankenhäusern würden ähnliches berichten. Auch die drei stationären Covid-Patienten seien in erster Linie vorsorglich aufgenommen worden, um bei einer rapiden Verschlechterung schnell reagieren zu können.

Auch wenn sich die Situation derzeit eher entspannt darstellt: Herdtle und seinen Kollegen ist bewusst, dass sich alles sehr schnell ändern kann. Doch der Chefarzt sieht das Krankenhaus gut vorbereitet. Der im Frühjahr eingerichtete Koordinierungsstab habe den Sommer über weiterhin regelmäßig getagt, die damals eingeführten Konzepte seien gut etabliert und könnten jederzeit reaktiviert werden. „Wir haben alles sehr genau dokumentiert und das Personal ist gut geschult.“

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Personal

Doch wie in jedem Klinikum sind auch in Agatharied die Mitarbeiter der entscheidende Faktor für die Aufrechterhaltung der Versorgung. Und wie in jedem anderen Beruf könne man Ausfälle nicht ausschließen. Beispielsweise, wenn Schulen und Kitas wieder schließen müssten. „Dann können auch wir ruck zuck in einen Engpass hineinlaufen“, sagt Herdtle.

Um zumindest einen Corona-Ausbruch in den eigenen Reihen zu vermeiden, hat die Klinik die Hygieneregeln für das Personal nochmals verschärft. So sei das Tragen von FFP2-Masken in allen sensiblen Bereich wie etwa der Notaufnahme Pflicht. Herdtle weiß, dass den Kollegen dabei viel abverlangt wird. „Es ist sehr anstrengend, acht Stunden lang so zu arbeiten.“ Die betroffenen Mitarbeiter würden dies aber mit großem Engagement meistern, lobt der Chefarzt. Eine Testpflicht gibt es derzeit noch nicht. „Wir ermutigen aber jeden, dieses freiwillige Angebot zu nutzen.“ Zumal das Ergebnis binnen 24 Stunden vorliege.

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Patienten

Für Patienten, die stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, ist ein Abstrich hingegen obligatorisch, erklärt Herdtle. Eine „enorme Kraftanstrengung“, die aber letztlich dazu beitrage, Infektionen im Krankenhaus auszuschließen. „Bei uns kann sich jeder Patient absolut sicher fühlen“, verspricht der Chefarzt. Gerade bei Personen mit Herz-/Kreislaufproblemen oder Schlaganfallsymptomen sei es entscheidend, sich weiterhin im Klinikum behandeln zu lassen und nicht aus Angst vor einer Corona-Infektion eine im schlimmsten Fall lebensrettende Einweisung ins Krankenhaus auszuschlagen.

Auch in dieser Hinsicht ist laut Herdtle im Sommer eine Entspannung eingetreten. Mehr noch: Da man nicht weit verreisen konnte, hätten viele ihre aufgeschobenen Routine-Eingriffe nachgeholt. „Im Sommer waren wir teilweise voll“, sagt der Chefarzt. Dass der Trend aktuell wieder in die andere Richtung weise, führt Herdtle nicht zwangsläufig auf wieder aufkommende Corona-Ängste zurück. Vielmehr sei jetzt die Jahreszeit gekommen, wo nur wenig Outdoor-Sport möglich sei und damit auch weniger Unfälle mit Verletzungen passieren, erklärt der Chefarzt: „Wir sind ein Akut-Krankenhaus. Vor dem Winter ist es immer ruhiger bei uns.“

sg

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