+
Modernes Tafelbild: Sechs Klassenzimmer der Haushamer Mittelschule sind bereits mit Whiteboards und Beamern ausgestattet. Jetzt sollen auch die restlichen 16 Räume aufgerüstet werden.

Beamer, Whiteboards, Dokumentenkameras

Lernen 2.0: Haushamer Schule rüstet auf

  • schließen

Zeichnungen ohne Stift, Kameras, die Unterrichtsmaterialen per Beamer an die Tafel zaubern, und natürlich Internet in allen Räumen: Die Haushamer Grund- und Mittelschule will in die Zukunft starten. 

Hausham – Das Anschauungsobjekt sieht aus wie eine ganz normale Schreibtischlampe. Doch als sie Markus Rewitzer anknipst, staunen die Haushamer Gemeinderäte nicht schlecht. Statt einer kleinen Glühbirne erstrahlt der Haushamer Ortsplan auf der großen Leinwand im Sitzungssaal. „Das ist eine Dokumentenkamera“, erklärt der Rektor der Grund- und Mittelschule Hausham. Das Objektiv im Kopf des Geräts nimmt alles auf, was Rewitzer auf die Tischplatte legt – und überträgt es in Echtzeit auf den Beamer an der Decke. „Folienkopien für den Overhead-Projektor im Klassenzimmer kann man sich künftig sparen“, sagt Rewitzer.

Nicht die einzige technische Neuerung, die bald in der Haushamer Schule Einzug halten soll. So wollen Rewitzer und Konrektor Stefan Troppmann in 16 Räumen einen verkabelten Internetanschluss verlegen lassen. Das günstigere, weil drahtlose WLAN komme aufgrund von Sicherheits- und Verbindungsproblemen nicht infrage, erklärten sie. Das schnelle Netz nutzen sollen in erster Linie die Lehrer, die sich so ihre Unterrichtsmaterialien – inklusive spezielle Videos von Universitäten – direkt auf ihre Laptops herunterladen und per „Ultra-Kurzdistanz-Beamer“ an die Tafel projizieren können. Diese wird mit einer weißen Folie beschichtet und verwandeln sich damit in ein sogenanntes Whiteboard.

Hier brauchten die Gemeinderäte ein wenig Fantasie, um sich die Funktionsweise vorstellen zu können. Troppmann malte dazu mit seinem Finger auf dem Ortsplan auf der Leinwand herum. Auf einem echten Whiteboard könne der ebenfalls an der Tafel angebrachte Beamer die virtuellen „Striche“ der Schüler lesen und sie wiederum in verschiedensten Farben und Formen digital anzeigen – und das ganz ohne Kreide. „Der Tafeldienst fällt damit weg“, sagte Rewitzer schmunzelnd. Mit nur einem Fingertipp seien die Malereien wieder verschwunden.

Erste Erfahrungen mit der Zukunft des Lernens hat die Haushamer Schule schon gesammelt. Vor drei Jahren wurden in der Mittelschule die ersten sechs Klassenzimmer mit Beamern und Whiteboards ausgestattet. „Die werden auch von den älteren Lehrern gut angenommen und sind nicht sehr wartungsintensiv“, sagte Rewitzer. Gerhard Klante (FWG) wollte wissen, ob das auch für die Folie auf der Tafel gilt. Rewitzer nickte. „Da wird ja nicht mit echten Stiften drauf geschrieben“, erklärte er.

Einen genauen Preis für die Aufrüstung der Klassenzimmer gibt es laut Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) noch nicht. Er rechne aber mit Kosten von insgesamt gut 70 000 Euro. „Der Umgang mit der Technik ist für die Schüler eine wichtige Grundlage für ihre weitere Ausbildung“, sagte Zangenfeind. Das Geld sei damit gut angelegt. Auch Hubert Lacrouts (CSU) machte sich für die Anschaffung stark. „Die Ausbildung unserer Kinder ist unser Pfund“, sagte er. „Wir dürfen da auf keinen Fall ins Hintertreffen geraten.“ Den Grundsatzbeschluss fällte das Gremium einstimmig.

Rewitzer und Troppmann freuten sich über die Unterstützung. „Das ist ein Quantensprung für uns“, sagte Rewitzer. An neuen Schulen sei die Ausstattung Standard. „Da bringen schon Grundschüler ihre Hausaufgaben auf dem USB-Stick mit.“ Dass die Technik auch für das Rathaus geeignet sei, gab Rewitzer dem Bürgermeister augenzwinkernd mit auf den Weg. Der meinte launig: „Dürfen wir die Dokumentenkamera behalten?“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wahlwerbung: So unterschiedlich sind die Bestimmungen in den Gemeinden
Kandidaten-Dschungel in Otterfing, Plakatwände in Holzkirchen: Gut vier Wochen vor der Wahl haben die Spitzenkandidaten ihre Plätze eingenommen - Martin Schulz und …
Wahlwerbung: So unterschiedlich sind die Bestimmungen in den Gemeinden
Zöllner erwischen Familienvater mit Schildkröten - Strafverfahren
Eine Familie aus Frankreich reiste mit dem Auto von der Türkei durch Deutschland heim. Dort gab‘s einen teuren Halt, weil sie gefährliche und geschützte Tierchen dabei …
Zöllner erwischen Familienvater mit Schildkröten - Strafverfahren
Landwirt gibt Grund für Lärmschutz ab, der ihm nichts bringt
2000 Quadratmeter Weide hat Landwirt Josef Messerer für den Lärmschutz an der A 8 am Irschenberg abgetreten. Auf die Ausgleichsfläche wartet er bis heute – auf die …
Landwirt gibt Grund für Lärmschutz ab, der ihm nichts bringt
Interview: Warum die Hundhamer ihren Kindergarten selber machen
28 Mitarbeiter, 900.000 Euro Jahresumsatz: Der Kindergartenverein Hundham erinnert fast an ein mittelständisches Unternehmen. Im Interview erklären die Chefs, wie das …
Interview: Warum die Hundhamer ihren Kindergarten selber machen

Kommentare