Ein Fundus an Allgemeinwissen: Der Haushamer Georg Stöckl, Zweiter Vorsitzender des Vereins der Briefmarkenfreunde Bad Tölz, Hausham, Holzkirchen, präsentiert seine Briefmarkens-Sammlung, hier Holzkirchner Heimatmotive.
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Ein Fundus an Allgemeinwissen: Der Haushamer Georg Stöckl, Zweiter Vorsitzender des Vereins der Briefmarkenfreunde Bad Tölz, Hausham, Holzkirchen, präsentiert seine Briefmarkens-Sammlung, hier Holzkirchner Heimatmotive.

Verein Bad Tölz, Hausham, Holzkirchen

Kleine Fenster zur großen Welt: Haushamer erklärt, was ihn an Briefmarken fasziniert

Codes zum Scannen oder gleich eine Mail: Vielleicht haben die guten, alten Briefmarken in nicht allzu ferner Zukunft ausgedient. Georg Stöckl aus Hausham erklärt, was Sammler wie ihn jahrzehntelang fasziniert.

Hausham – Die Briefmarke wird digital: Versehen mit einer scanbaren Matrix, lässt sich zukünftig der Sendeweg von Briefen über die Post-App nachvollziehen. Bei Sammlern im Landkreis stößt die Neuerung auf mäßiges Interesse, ihrer Liebe zur Philatelie tut das allerdings keinen Abbruch.

Oben rechts auf jedem Brief klebt sie: Für den einen ist es lediglich eine Frankierung, für andere sind die Abbildungen von Landschaften, Gebäuden und großen Persönlichkeiten weitaus mehr: Für Philatelisten also Briefmarkensammler, wie Georg Stöckl aus Hausham sind die kleinen Bildchen seit Generationen zwei Quadratzentimeter Sehnsucht, ein kleines Fenster zur großen Welt.

Das ist heute noch so – auch wenn die Briefmarken-Macher dabei neue Wege gehen. Anfang Februar hat die Post eine neue Briefmarke auf den Markt gebracht, die nicht nur „Digitaler Wandel“ heißt, sondern diesen auch verkörpert: Auf der Marke befindet sich eine Matrix, die mit dem Handy abgescannt werden kann. Über die Post-App lässt sich dann verfolgen, wann der versandte Brief die Poststelle verlässt und wann er in der Zielregion eingetroffen ist. Außerdem lassen sich in der App Informationen zu den Abbildungen auf den Briefmarken einsehen.

Smartphone und Stift reichen: Deutsche Post führt neue Frankierung für Brief und Postkarte ein

Georg Stöckl aus Hausham sammelt seit seiner Jugend Briefmarken

Bei Sammlern löst dieses Novum aber keine Begeisterung aus: „Gut, dann erscheint jetzt die neue Marke“, sagt Georg Stöckl, der seit fast 25 Jahren mal Erster, mal Zweiter Vorsitzender des Vereins der Briefmarkenfreunde Bad Tölz, Hausham, Holzkirchen ist. „Und wenn sie denken, dass sie da oben dieses Pixel einfügen müssen, dann sollen sie das eben machen. Aber dass uns Philatelisten das jetzt mehr interessiert, das glaub’ ich nicht.“

Was vielleicht geeignet ist, neues Interesse zu wecken, brauchen die alten Sammler nicht. Die Briefmarkenfreunde gibt es seit 1949. „Anfangs war das noch eine lose Geschichte“, sagt der Haushamer. Als dann aber Sammler aus Bad Tölz und Holzkirchen immer regelmäßiger auch zu den Treffen in Hausham kamen und umgekehrt, entschloss man sich, die Kreise zusammenzuführen und einen gemeinsamen Verein zu gründen. Das war 1975. Zu Hoch-Zeiten hatte der Verein 90 Mitglieder. Heute sind es noch 70 Sammler, die den Weg der Briefmarke verfolgen, so wie es seit neuestem auch die Post-App tut.

In normalen Zeiten treffen sich die Mitglieder des Vereins einmal monatlich, um bei einem Bier neu aufgetriebene Briefmarken zu tauschen und die neuesten Entwicklungen der Philatelie zu diskutieren. Doch wegen der Pandemie können derzeit keine Vereinsversammlungen stattfinden, die Treffen finden sonst in wechselnden Wirtshäusern im Landkreis statt: im Tölzer Binderbräu, im Haushamer Glück Auf und im Landgasthof Altwirt in Großhartpennning.

Jeder Briefmarkensammler hat seine Nische

„Jeder von uns hat seine Sammelnische“, erzählt Stöckl. „Der eine sammelt Flugzeugmotive, der andere Züge und wieder ein anderer Pflanzen.“ Gemeinsam unterstützen sich die Briefmarkenfreunde im Ziel, die jeweiligen Sammlungen zu vervollständigen. Stöckl selbst sammelt Holzkircher Heimatmotive.

Für ihn ist das Schönste an der Philatelie, der Briefmarkenkunde, das versteckte Allgemeinwissen, das die Marken vermitteln können: „Wenn man sich dann mal informiert, wen oder was die Briefmarken abbilden, trifft man auf wirklich interessante Fakten und Persönlichkeiten. Das macht es zu einem sehr netten Hobby.“

„Wer nicht Fußballspielen konnte, hat eben Briefmarken gesammelt“

Digitaler Wandel – das ist für manch einen auch der Grund , aus dem das Interesse der Jugend an der Philatelie nachgelassen hat. Als Stöckl anfing zu sammeln, Anfang der 50er-Jahre, war das Angebot an Freizeitbeschäftigung noch dünner gesät als die wenigen Marken, die seiner Sammlung heute noch fehlen. „Einen Fernseher hat’s keinen gegeben. Und wenn man nicht Fußballspielen konnte, dann hat man eben Briefmarken gesammelt“, erinnert sich Stöckl. „Wir waren damals sieben bis acht Buben, die zusammen angefangen haben zu sammeln.“

Heute interessiere sich die Jugend eben für andere Dinge. Schade sei das trotzdem. „Jeder Briefmarkensammler wünscht sich, dass eine Generation nach ihm weiter sammelt.“ Für Stöckl hört die Faszination für die Briefmarke jedenfalls nicht auf, für ihn bleiben die Motive auch weiterhin seine kleinen Fenster in die große Welt des Wissens.

Moritz Hackl

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