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Eine Insel der Glückseligkeit: Laut Geschäftsführer Michael Kelbel verkennen gerade langjährige Mitarbeiter, dass die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus Agatharied deutlich besser sind als in anderen Kliniken.

„Erklärungen? Darauf warten Sie ab jetzt vergeblich“

Klinik-Chef erlässt Infosperre für Personal

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Am Donnerstag steht im Aufsichtsrat die Belastung des Klinikpersonals auf der Tagesordnung – ein Thema, auf das Geschäftsführer Michael Kelbel intern mit „dem Ende der Offenheit“ reagierte.

Agatharied – Für die Mitarbeiter des Krankenhauses Agatharied ist heute ein interessanter Tag. Der Grund: Der Aufsichtsrat der Klinik trifft sich zu seiner turnusgemäßen Sitzung. Auf der Agenda stehen unter anderem die beiden anonymen Briefe, die an unsere Zeitung gerichtet wurden und eine zu hohe Arbeitsbelastung des Pflegepersonals sowie ein zunehmend angespanntes Arbeitsklima beklagen.

Wie Landrat Wolfgang Rzehak gegenüber unserer Zeitung betont, sei dieses Thema „ein Punkt unter vielen“, mit denen sich das Gremium beschäftigen werde. Bei der nichtöffentlichen Sondersitzung des Kreistags am vergangenen Freitag kam das Thema zwar untergeordnet zur Sprache – auf der Tagesordnung standen aber die Zukunft des Krankenhauses und die Pläne, wie Geschäftsführer Michael Kelbel die Klinik zukunftsfähig machen will. „Es ging um die strategische Ausrichtung unseres Krankenhauses“, sagt Rzehak und verweist zu weiteren Auskünften auf die Nichtöffentlichkeit der Sitzung. Nur so viel könne er sagen: „Wir befassen uns mit der Zukunft und damit, wie wir unser Angebot optimieren und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit gewähren können. Jetzt werden die Weichen gestellt.“ Auch sei es weiterhin das politische Ziel, wie er betont, die Klinik in kommunaler Hand zu halten.

Im Krankenhaus haben sich indes die Wogen zumindest vordergründig geglättet, seit Kelbel mit einer Stellungnahme „Das Ende der Offenheit“ im Mitarbeiter-Newsletter angekündigt hatte. Darin heißt es: 

„Sie warten auf Fallentwicklungen, vielleicht sogar wirtschaftliche Ergebnisse oder Erklärungen für das, was wir uns in diesem Jahr an Neuerungen vorgenommen haben? Darauf warten Sie ab jetzt leider vergeblich.“

Damit, so argumentiert Kelbel, reagiere er auf die Berichte in unserer Zeitung: 

„Irgendjemand aus unseren Reihen versorgt die Presse mit allen druckfrischen Erzeugnissen, die eigentlich nur für den internen Gebrauch bestimmt sind. Wie soll ich Ihnen unter diesen Voraussetzungen unsere Strategie erklären? ... Ich bin es, dem dies am meisten wehtut.“

„Es geht dabei um Interna, die dem Krankenhaus schaden können“

Auf Nachfrage unserer Zeitung wird er konkreter: „Es geht mir dabei um Interna, die dem Krankenhaus in der Öffentlichkeit schaden können.“ Er wolle nicht, dass solche Informationen in der Presse landen, „sonst wissen unsere Wettbewerber Bescheid, was wir vorhaben, und können vor uns reagieren“. Daher könne er sein ursprüngliches Ziel, alle mitzunehmen, nicht mehr umsetzen. Dennoch betont er: „Ich suche Offenheit und Kommunikation weiterhin.“

Kopfschütteln und Entsetzen bei Belegschaft

Das ist zumindest bei Teilen der Belegschaft anders angekommen. Wie aus deren Kreis zu erfahren ist, reagierten viele Mitarbeiter – Ärzte, Pflegepersonal und sonstige Angestellte – vielmehr mit Kopfschütteln und Entsetzen. Statt den Dialog mit den Beschäftigten zu suchen und den Teamgeist zu stärken, belaste Kelbel weiter das Betriebsklima, heißt es. Ein Insider, der der Redaktion namentlich bekannt ist: „Er macht genau das, was ihm in den Briefen vorgeworfen worden war und das angeblich nicht stimmen soll.“ Der Vertrauensverlust sei groß.

Dass die Stimmung beim Personal zwiespältig ist, bestätigt auch Kelbel und hat dabei vor allem jene Mitarbeiter im Blick, die schon lange in Agatharied beschäftigt sind. „Natürlich haben wir eine zunehmende Belastung in der Pflege, aber wir haben in unserem kommunalen Krankenhaus mehr Pflegekräfte als Privatkliniken.“ Zudem müsse es nicht nur an der Zahl der Pflegekräfte liegen, wenn die Belastung als zu groß empfunden wird. Deshalb arbeitet Kelbel daran, die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen zu optimieren. „Wenn der Arzt zu spät zur Visite kommt, schmeißt er damit den Zeitplan der Pflegekräfte über den Haufen.“

Neue Kräfte sehen Agatharied als Insel der Glückseligen

Generell, so betont Kelbel, brauche ein Krankenhaus mehr Pflegekräfte als es in Privatkliniken üblich ist: „Das leben wir hier in Agatharied.“ Dass gerade langjährige Mitarbeiter die Entwicklung in Agatharied kritisch bewerten, liege daran, dass sie nur die Vergangenheit vor Ort kennen, aber nicht die aktuellen Zustände in anderen Kliniken. „Neue Kräfte, die zu uns kommen, sagen: Wir sind die Insel der Glückseligen. Viele ältere tun sich in der neuen Pflegewelt schwer.“

„Ich halte die Pflegekräfte für unterbezahlt“

Die Entwicklungen im Gesundheitssektor gefallen auch Kelbel nicht. „Ich halte die Pflegekräfte für unterbezahlt“, sagt er. Dabei sehe er die Gesellschaft und die Politik in der Pflicht. Wenn diese höhere Gehälter unterstützen, könne das Krankenhaus auch entsprechend höhere Preise verlangen. „Aber offenbar ist die aktuelle Situation politisch so gewollt“, stellt er fest. Das auf Fällen basierende Abrechnungssystem mache es schwer, kostendeckend zu arbeiten. Bei kommunalen Häusern stehe der Landkreis ausgleichend dahinter, bei privaten Häusern bleibe bei Defiziten nur der Rückzug, wie es jetzt bei der Geburtshilfe der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz geschehe.

ddy

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