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Der Patient und sein Arzt: Paul-Peter Liebl (l.) und Gefäßchirurg Sven Zhorzel. 

„Dabei hämmert einem schon das Adrenalin in den Ohren“

Patient verweigert lebensrettende OP - dann greift sein Arzt zu ungewöhnlicher Methode

Bei einer gerissenen Aorta zählt eigentlich jede Minute. Doch Paul-Peter Liebl verweigerte den Eingriff. Was dann folgte, war eine außergewöhnliche Rettungsaktion.

Agatharied – Für Paul-Peter Liebl beginnt dieser Samstag Ende März mit Kreuzschmerzen. Er nimmt Tabletten und versucht, die Beschwerden so gut es geht zu ignorieren. „Ich dachte, mit ein bisschen Bewegung vergeht das schon wieder“, erinnert er sich. Die Schmerzen werden unerträglich, und am Abend ruft der 81-jährige Waakirchner doch den Notarzt, der Liebl sofort ins Krankenhaus Agatharied bringen lässt. Dort stellt die Ärztin in der Notaufnahme durch Abtasten eine Schwellung im Bauchraum fest und hat sofort einen Verdacht, den ein Ultraschall schließlich bestätigt: eine Ausweitung der Hauptschlagader, ein sogenanntes Aorten-Aneurysma.

„Er hatte Symptome, wie man das im Lehrbuch liest“, erklärt Gefäßchirurg Sven Zhorzel. Ungewöhnlich sei hingegen, dass bei Liebl in vorangegangenen Untersuchungen keine Probleme erkannt worden seien. Im Normalfall entwickle sich ein Aneurysma über mehrere Jahre und werde meist durch Zufall entdeckt.

Die folgende Computertomografie offenbart dann eine noch ernstere Situation: Die Aorta ist an der Stelle des Aneurysmas gerissen. Liebls Glück: Es handelt sich um eine sogenannte gedeckte Ruptur, bei der sich Blut nicht frei im Bauchraum verteilt, sondern nur langsam aus der gerissenen Aorta austritt. Eine Operation ist dennoch überlebensnotwendig. Die Sterberate bei unbehandelten Aortenrissen liegt bei 90 Prozent.

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In Agatharied muss jetzt alles schnell gehen. Zhorzel und sein Team werden ins Krankenhaus gerufen, stehen dort aber vor einem unerwarteten Problem: Liebl will sich aus Angst vor bleibenden Schäden und Pflegebedürftigkeit nicht operieren lassen. „Ich hatte nie Angst vor dem Tod“, erklärt er. „Ich hatte immer Angst davor, dass mir nach Unfällen was bleibt.“

Zhorzel erinnert sich: „Ich hatte den Eindruck, einen Mann vor mir zu haben, der mitten im Leben steht.“ Deswegen macht er den Vorschlag, anstelle der im Notfall üblichen Operation unter Vollnarkose eine Variante zu wählen, die sonst als Vorsorgeeingriff bei Aneurysmen Anwendung findet: eine Stent-Prothese unter örtlicher Betäubung.

Für das Krankenhaus Agatharied ist dies als Maßnahme in einem Notfall ein Novum. So müssen die Ärzte zunächst die benötigten Prothesen in München bestellen und eine halbe Stunde auf die Lieferung warten. Zeit, die im Notfall sonst oft nicht gegeben ist.

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Obwohl Zhorzel mittlerweile in seinem zehnten Jahr praktiziert und schon mehrfach Stents gesetzt hat, lässt ihn dieser Eingriff nicht kalt: „Dabei hämmert einem schon das Adrenalin in den Ohren“, gesteht er. Liebl bekommt davon nichts mit – er verschläft die Operation.

Alles in allem ein besonderer Fall: „Das werde ich den Rest meines Lebens in Erinnerung behalten“, sagt Zhorzel. Denn: Allein eine gerissene Aorta sei eine Seltenheit in der Notaufnahme – auch ohne die besonderen Umstände bei Liebl.

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Für den Gefäßchirurgen hat die Operation gewissermaßen auch eine Türe geöffnet. Der Fall habe gezeigt, dass Patienten im Notfall nicht zwingend nach München verlegt werden müssen. Er hofft, dass die Versorgung verbessert wird, etwa mit bereits vorrätigen Prothesen. „Da würde ich mir einen größeren Ausbau wünschen“, meint Zhorzel.

Für Liebl ist nach dem Eingriff wieder alles beim Alten. „Nach der OP war ich praktisch gesund“, erzählt er. Schon sechs Tage nach dem Eingriff konnte er das Krankenhaus verlassen und erfreut sich guter Gesundheit.

Von Tanja Hertl

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