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Einmal das Ohrläppchen, bitteschön: Medizinisches Personal des Krankenhauses misst am Eingang der Klinik bei jedem Ankommenden die Temperatur.

Klinik sucht Ausweich-Quartier

Trotz guter Vorbereitung: Krankenhaus braucht mehr Kapazitäten für Corona-Fälle

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Das Krankenhaus Agatharied sieht sich gut vorbereitet für höhere Corona-Fallzahlen. Doch der Bedarf an Intensivbetten wird wohl trotzdem nicht reichen.

Landkreis – Mehr Zeit für den Arbeitsweg einplanen müssen in diesen Tagen die Angestellten des Krankenhauses Agatharied. Und das, obwohl die Straßen wegen der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus weitgehend leer sind. Doch das Nadelöhr wartet kurz vor dem Ziel. Im Eingangsbereich des Klinikums müssen sich alle Mitarbeiter einem kurzen Gesundheitscheck unterziehen. Im sogenannten Screening überprüft das medizinische Personal, ob bei den Ankommenden erhöhte Temperatur oder andere Infektanzeichen vorliegen.

Nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen das Krankenhaus sicherstellen will, dass seine Angestellten weiter zum Wohl der Patienten im Einsatz sein können, erklärt Dr. Steffen Herdtle, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Kreisklinikum. „Unsere Mitarbeiter leisten derzeit eine großartige Arbeit, weit über ihre regelhafte Tätigkeit hinaus, um das Haus für einen großen Andrang an Covid-19-Patienten vorzubereiten“, sagt Herdtle.

Auch an freiwilligen Helfern scheint es nicht zu mangeln. Nur einen Tag nach Veröffentlichung des Aufrufs (wir berichteten) hätten sich über 80 Interessenten mit den unterschiedlichsten Angeboten im Krankenhaus gemeldet. „Eine wirklich außerordentliche Reaktion“, lobt Herdtle.

Eine solche kommt auch von den niedergelassenen Ärzten, beispielsweise aus dem Atrium in Holzkirchen. „Wir erfahren tatkräftige Unterstützung in der Behandlung ambulanter Patienten“, sagt Herdtle. Einige Kollegen hätten sogar ihren Einsatz im Klinikum vorgeschlagen.

185 Personen im Landkreis Miesbach positiv auf Corona getestet

Die Zahl der Corona-Patienten im Landkreis ist über Nacht um 14 positiv Getestete auf 185 gestiegen, teilt das Landratsamt mit. Gleichzeitig seien inzwischen 19 Personen wieder gesundet (plus acht zum Vortag). 19 Personen werden stationär behandelt, fünf davon intensivmedizinisch. Da es derzeit keine spezifische Behandlung gebe, würden die Erkrankten „supportiv“ therapiert, erklärt Herdtle. Das bedeute, dass die Vitalfunktionen wie Atmung und Kreislauf unterstützt und die Schmerzen gelindert werden. Um den Patienten bestmöglich zu helfen, habe eine Expertengruppe einen Behandlungspfad aufgesetzt.

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Landratsamt rechnet mit doppelt bis dreifach höheren Bedarf an Intensivbetten

Um für steigende Fallzahlen gerüstet zu sein, hat die Klinik ihre Intensivbetten mit Beatmung von 13 auf 25 aufgestockt. Wie das Landratsamt mitteilt, gehen Hochrechnungen aber von einem „doppelt bis dreifach höheren Bedarf in den kommenden Wochen“ aus. Die Suche nach einer Ergänzung zum Krankenhaus laufe deshalb „unter Hochdruck“. Drei Objekte habe eine Untergruppe der Führungsgruppe besichtigt, allesamt Häuser mit größerer Bettenkapazität. Denkbar sei auch, Turnhallen in „Behelfskrankenhäuser“ umzufunktionieren. Laut Herdtle könnten hier Corona-Patienten mit weniger schweren Verläufen isoliert und behandelt werden. Personen also, die zwar keine intensivmedizinische Betreuung benötigen, deren Zustand eine Entlassung in die ambulante Therapie noch nicht erlaubt.

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Im Krankenhaus selbst sind derweil die meisten Vorgaben der Allgemeinverfügung des Freistaats „längst umgesetzt“ und laufen „stabil im Echtbetrieb“, teilt die Klinik mit. Der im Februar eingesetzte Krisenstab habe das Krankenhaus seither „quasi neu erfunden“. Dem seien nicht nur die erweiterten Beatmungskapazitäten, Mitarbeiterschulungen oder restriktive Besucherregelungen zu verdanken, sondern auch ein ausreichender Bestand an Schutzausrüstung.

Obwohl niemand sagen könne, wie lange die im Normalbetrieb 350 stationären Plätze in Zeiten des Coronavirus ausreichen, müsse sich niemand Sorgen machen, nicht aufgenommen zu werden, betont Herdtle. Alle dringenden Fälle würden nach wie vor behandelt. „Die Notfallversorgung läuft in vollem Umfang weiter.“

sg

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