Am Krankenhaus Agatharied kehrt langsam wieder Normalität ein.
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Am Krankenhaus Agatharied, hier der Blick auf den Eingangsbereich, kehrt langsam wieder Normalität ein.

Erleichterungen für Besucher

Krankenhaus geht erste Schritte in Richtung Normalität

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei, doch am Krankenhaus Agatharied kehrt mit dem stabilen Rückgang der Infektionszahlen langsam wieder etwas Normalität ein.

Landkreis – Zwar gelten auch weiterhin strenge Sicherheitsvorkehrungen, bei Besuchern kann die Klinik aber insgesamt wieder etwas großzügiger sein. Fest steht schon heute, dass das laufende Jahr wegen der Corona-Krise erhebliche finanzielle Einbußen mit sich bringen wird. Das machte Geschäftsführer Michael Kelbel am Mittwoch bei einem Pressegespräch deutlich.

Allgemeine Lage

„Einen Kassensturz können wir erst machen, wenn das Jahr rum ist, aber Verluste im siebenstelligen Bereich zeichnen sich schon heute ab“, kündigte Kelbel an. Während das vergangene Jahr „finanziell auskömmlich“ gewesen sei und dem Krankenhaus dabei auch die staatlichen Corona-Hilfen „nicht geschadet“ hätten, wird die Klinik 2021 deutlich schlechter abschneiden. „Wir werden unsere Betten nicht in Gänze betreiben können und damit an die Auslastung von 2019 nicht herankommen“, sagte Kelbel. Zwar gebe es auch fürs laufende Jahr staatliche Ausgleichszahlungen, um eine satte Finanzspritze wird der Landkreis als Träger der Kreisklinik aber nicht umhinkommen. Immerhin: Das Bekenntnis, das Krankenhaus in kommunaler Hand zu behalten, gilt als unumstößlich.

Medizinische Lage

Aktuell hat sich die Lage in Sachen Corona im Krankenhaus deutlich entspannt. „Mit dem Rückgang der Zahlen haben wir auch weniger Infizierte zu behandeln“, berichtete Pandemiebeauftragter Dr. Steffen Herdtle. Aktuell liege ein Corona-Patient auf der Intensivstation. Das war nicht immer so. Herdtle erinnerte sich an anspruchsvolle Monate, die das Team in einer völlig neuen Art und Weise gefordert hätten. „Auf eine so lange anhaltende Pandemie war niemand vorbereitet“, sagte er. Teilweise hätten bis zu zehn Corona-Patienten pro Tag aufgenommen werden müssen, zeitweise seien aus Sicherheitsgründen ganze Stationen geschlossen worden. „Ein Aufnahmeproblem hat es aber zu keiner Zeit gegeben“, stellte der Leiter der Notaufnahme klar. „Wir waren immer handlungsfähig.“ In der Notaufnahme sank die Zahl der Patienten zeitweise um zwei Drittel, momentan hat sie sich bei 80 bis 90 Prozent des Vorkrisenniveaus eingependelt.

Äußerten sich zur aktuellen Lage an der Kreisklinik: (v.l.) Steffen Herdtle, Michael Kelbel, Peter Wellner, Michael Guggemoos und Michael Landgrebe.

Krankenhauspersonal

Auch am Personal ging die Pandemie nicht spurlos vorbei. Während in den vergangenen zwei Monaten kein einziger Mitarbeiter mehr positiv auf das Coronavirus getestet wurde, mussten zu Spitzenzeiten – im vergangenen Dezember – 30 Personen gleichzeitig in Quarantäne. Bei zehn von ihnen wurde das Virus nachgewiesen. „Die Schutzimpfung macht sich inzwischen schon bemerkbar“, sagte Dr. Peter Wellner, Mitglied des Ärztlichen Direktoriums. „Die Impfbereitschaft ist relativ hoch.“ Über 70 Prozent des Personals und über 90 Prozent der Ärzte seien mittlerweile immunisiert. Die Mitarbeiter werden weiterhin regelmäßig getestet. Seit Einführung des Testsystems im Dezember wurden bis heute rund 40 000 Schnelltests und zusätzlich rund 10 000 PCR-Tests durchgeführt.

Besucher

Einem Test und einer Registrierung müssen sich weiterhin auch die Besucher unterziehen. Und doch gibt es Erleichterungen. Die Einschränkung, dass nur bestimmte Patientengruppen besucht werden dürfen, wurde angesichts der sinkenden Inzidenz aufgehoben. „Wir lockern, bleiben aber in Habacht-Stellung“, betonte Herdtle.

Neue Krankheitbilder

Wie wichtig Besuche von Angehörigen sind, machte der Chefarzt der benachbarten kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied, Prof. Michael Landgrebe, deutlich. „Diese Kontakte tragen maßgeblich zur Genesung bei“, stellte er klar. Für die Zeit nach Corona sieht der Psychiatrie-Leiter eine Behandlungswelle auf sich zukommen. Die lange Isolation, die Abgeschiedenheit im Homeoffice oder finanzielle Sorgen wegen des Verlustes des Arbeitsplatzes könnten Menschen psychisch ebenso zu schaffen machen wie die Folgen einer Corona-Erkrankung. Die kbo-Kliniken denken deshalb über die Einrichtung von Long-Covid-Stationen nach. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser seien dagegen bislang gut durch die Krise gekommen. „Wir hatten psychische Hilfe angeboten, die wurde aber nie angenommen“, sagte er. Inzwischen sieht Landgrebe aber eine starke Ermüdung bei der Belegschaft: „Mit dem Anhalten der Krise geht jetzt vielen zunehmend die Luft aus.“

Projekte und Ausblick

Ob das Krankenhaus Agatharied an die Behandlungszahlen vor der Krise anknüpfen kann, ist derzeit noch völlig unklar. „Das stationäre Niveau könnte um zehn bis 15 Prozent sinken“, sagte Geschäftsführer Kelbel. Bei einer Klausurtagung Ende Juli wollen sich Klinikleitung und Träger deshalb im Lichte der neuen Lage über die Zukunft der Klinik unterhalten.

Stark zurückgeworfen hat die Pandemie die Pläne für die geriatrische Reha. Derzeit kann das Krankenhaus wegen der Einschränkungen kein Bett dafür erübrigen und muss deshalb auf den Neubau des Bettenhauses warten. Dafür läuft gerade die Ausschreibung für die Planung. Ebenfalls in der Ausschreibung ist das geplante Parkhaus. Im Frühjahr 2022 soll laut Kaufmännischem Direktor Michael Guggemoos der Ersatzparkplatz auf der Wiese an der Bundesstraße eingerichtet werden, dann kann der Bau beginnen.

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