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Krankenhaus Agatharied: Schnellere Hilfe bei schweren Schlaganfällen

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Von: Christian Masengarb

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Krankenhaus Agatharied
Das Krankenhaus Agatharied ist Teil des FIT-Pilotprojekts. © Thomas Plettenberg

Das Krankenhaus Agatharied ist Teil eines Pilotprojekts: Spezialisten werden zum Patienten geflogen – nicht die Patienten zum Spezialarzt. Das soll Leben retten.

Agatharied – Das Krankenhaus Agatharied hat im Rahmen des Pilotprojekts Fliegendes Interventionsteam (FIT) des Klinikums Harlaching in München Methoden erprobt, die Patienten mit schweren Schlaganfällen schneller Hilfe zukommen lassen und so Leben retten sollen. Kern des Projekts ist der Ansatz, Patienten künftig nicht mehr zu den seltenen Spezialärzten zu fliegen, die diese Leiden operieren, sondern die Spezialärzte zu den Patienten, erklärt Dr. Christiane Landgrebe, Oberärztin der Agatharieder Neurologie und Zuständige für Patienten mit Schlaganfall. Durchschnittlich habe das Projekt eine Zeitersparnis von rund 90 Minuten pro Patient erbracht. „Bedenkt man, dass bei einem Schlaganfall jede Minute etwa 1,9 Millionen Nervenzellen im Gehirn absterben, zählt für den Patienten jede Sekunde.“

Christiane Landgrebe Oberärztin in der Neurologie des Krankenhauses Agatharied
Christiane Landgrebe Oberärztin in der Neurologie des Krankenhauses Agatharied © mm

Das Projekt entstand wegen der besonderen Versorgung, die Patienten mit schweren Schlaganfällen benötigen, sagt Landgrebe. Obwohl das Krankenhaus Agatharied mit Akut- und Notfallmedizin, zertifizierter Schlaganfalleinheit, Radiologie und neurologischer Abteilung auf Schlaganfallarten, die medikamentös behandelt werden, vorbereitet sei, arbeite dort keiner der Spezialisten, der die für große Blutgerinnsel nötige Operation übernimmt. Diese seien so selten, dass sie nur in großen Kliniken arbeiten.

Flug nach Harlaching belastete Patienten stärker

Bislang ließ das Krankenhaus Agatharied Patienten mit schweren Schlaganfällen daher in Interventionszentren wie das Klinikum Harlaching fliegen. Das belastete die Patienten stärker und dauere wegen der zusätzlich zu transportierenden medizinischen Ausrüstung zudem länger.

Fliegen die Ärzte zum Patienten, löst das beide Probleme. Landgrebe erzählt von einem Mann mit schwerem Schlaganfall, den die Agatharieder Ärzte auf die Operation vorbereiteten, während der Spezialist aus München im Hubschrauber einflog. Vor Ort angekommen, begann dieser sofort mit der OP. Rund anderthalb Stunden, nachdem der Patient erste Symptome bemerkt hatte, entfernten die Ärzte mit einem durch die Leiste ins Gehirn geführten Katheder das Gerinnsel. Die schnelle Behandlung senke die Gefahr schwerer Gehirnschäden, sagt Landgrebe: „Für die Patienten sind die fliegenden Ärzte echte Retter aus der Luft.“

FIT-Projekt wird fortgesetzt

Wegen der positiven Ergebnisse setzen die beteiligten Kliniken das FIT-Projekt fort. Auch im Krankenhaus Agatharied werden die fliegenden Spezialisten weiterhin schnelle Hilfe zum Patienten bringen, bestätigt eine Sprecherin auf Nachfrage.

Das Klinikum in Harlaching will das Projekt, in dessen Rahmen Münchner Ärzte innerhalb von drei Jahren 117 Patienten in 13 Kliniken Südostbayerns versorgten, sogar ausweiten. Da Schlaganfälle bundesweit die dritthäufigste Todesursache sind, Spezialisten aber selten seien, schaffe das FIT-Projekt „eine wichtige Strategie, um hochqualitative Therapien in ländliche Gegenden zu bringen“, schreibt die Klinik in einer Pressemeldung.  

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