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Hilfe aus der Luft: Mit dem Rettungshubschrauber kommen Schwerverletzte besonders schnell ins Krankenhaus Agatharied. Die Klinik ist jetzt als regionales Traumazentrum zertifiziert. 

Auszeichnung für Agatharieder Klinik

Krankenhaus ist regionales Traumazentrum: Was das für Schwerverletzte bedeutet

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Das Krankenhaus Agatharied darf sich ab sofort „regionales Traumazentrum“ nennen. Wir haben nachgefragt, was die Auszeichnung für die Schwerverletzten im Landkreis bedeutet.

Landkreis – Ob im Verkehr, beim Sport oder in der Arbeit: Schwere Unfälle können immer und überall passieren. Um Schwerverletzte auch außerhalb von Ballungszentren adäquat behandeln zu können und ihnen so die besten Überlebenschancen zu bieten, haben sich 677 Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten der Initiative Trauma-Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) angeschlossen. Die Struktur gliedert die Krankenhäuser in lokale, regionale und überregionale Traumazentren. Das Klinikum Agatharied hat es nun dank einer neuen Auszeichnung auf die zweithöchste Stufe geschafft.

Rund 20 000 Patienten werden jedes Jahr im Kreiskrankenhaus behandelt. 130 davon sind Schwerverletzte nach Verkehrs-, Sport-, Haushalts- oder Arbeitsunfällen. In Agatharied würden zudem häufig Schwerverletzte nach Stürzen aus größerer Höhe versorgt, meist nach Unfällen im Bereich Landwirtschaft oder Freizeit, berichtet Dr. Andreas Bürkner, Oberarzt und Facharzt für Unfallchirurgie. In welches Krankenhaus ein Unfallopfer eingeliefert wird, entscheide der Rettungsdienst oder Notarzt am Unfallort. In der Regel erfolge eine Rücksprache mit der Integrierten Leitstelle und dann mit der Zielklinik.

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Als Traumazentrum ist Agatharied im Netzwerk Oberbayern Süd eingebunden. Die nächsten regionalen Zentren befinden sich in Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und München, benachbarte lokale Zentren sind unter anderem die Kliniken in Bad Aibling und Bad Tölz. Dass die Abteilung für Unfallchirurgie in Agatharied nun als regionales Traumazentrum zertifiziert wurde, kommt nicht von ungefähr, betont Chefarzt Prof. Dr. Ulrich Brunner: „Durch den stetigen Ausbau der Versorgungskapazität und Qualität konnten wir in diesem Jahr den Sprung verwirklichen.“

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Vor allem die Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie sei personell, aber auch im Hinblick auf die Zahl der behandelten Patienten stetig gewachsen, erklärt Bürkner. Modernste Diagnose- und Therapiemöglichkeiten stünden zur Verfügung, Ärzte und Pfleger würden regelmäßig für die Behandlung lebensbedrohlicher Verletzungen geschult. Der Ausbau der OP-Kapazitäten (wir berichteten) sei ebenfalls ein Zeichen für die gesteigerte Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt eine vertiefte Kooperation mit dem Unfallklinikum Murnau, und mit Dr. Niels Buchmann ist zudem ein neuer Wirbelsäulen-Spezialist an Bord.

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Auch für die Zeit nach dem Eingriff ist das Kreiskrankenhaus gerüstet. Die Kreislauffunktionen der Patienten auf der Intensiv- oder Intermediate Care (Intensivüberwachungspflege) werden im interdisziplinären Austausch zwischen Unfallchirurgie und Anästhesie überwacht. Ebenso sind weitere Operationen möglich sowie die Planung der anschließenden Rehabilitation durch die Physiotherapeuten des Klinikums.

Durch die höhere Einstufung im Trauma-Netzwerk werden nicht von heute auf morgen mehr Schwerverletzte ins Agatharieder Klinikum eingeliefert, erklärt Bürkner. Die Zertifizierung bestätige aber die „konstant hohe Qualität in der Schwer- und Schwerstverletztenversorgung“. In den vergangenen Jahren habe man das Vertrauen von Patienten, Rettungsdienst und Notärzten bestätigt. „Dadurch kommen kontinuierlich mehr Schwerverletzte nach Agatharied.“

Neuer Wirbelsäulen-Spezialist

Dr. Niels Buchmann bereichert ab Oktober die Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie im Kreiskrankenhaus.

Von schweren Unfällen ist oft auch die Wirbelsäule betroffen. Zur Behandlung von Verletzungen, aber auch Verschleißerscheinungen und Tumorerkrankungen in diesem Bereich hat das Krankenhaus Agatharied nun einen neuen Spezialisten verpflichtet: Dr. Niels Buchmann. Er wird ab Oktober die Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie als leitender Oberarzt bereichern, gibt das Klinikum in einer Pressemitteilung bekannt. Buchmann war seit 2006 am Klinikum Rechts der Isar in München tätig, seit 2013 auch als Oberarzt. In Agatharied wird er die Experten für die unfallbedingte Wirbelsäulenversorgung, Dr. Helmut Ersch und Dr. Peter Sangha, inhaltlich ergänzen.

Dem Neuzugang im Team liegt vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Haus- und Fachärzten in der Region am Herzen. Entscheidend sei die richtige Indikationsstellung, betont Buchmann: „Eine Operation darf immer nur das letzte Mittel der Wahl sein.“ Wie berichtet, musste sich das Krankenhaus an neuen Vorgaben der Unfallversicherung ausrichten und hat den Konsiliararztvertrag mit Dr. Markus Knöringer gekündigt. Um bei Unfällen eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung sicherzustellen, ist das Krankenhaus Agatharied zudem im Rahmen seiner Neueinstufung als regionales Traumazentrum eine Kooperation mit der neurochirurgischen Abteilung der Unfallklinik Murnau eingegangen

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