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Professionelles Arbeitsumfeld: Reinhard Finkl, Oberarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, in einem der beiden neuen OP-Säle, die in Modulbauweise am Krankenhaus Agatharied entstanden sind.

Personal auf Anschlag

Krankenhaus Agatharied: Klinik-Chef räumt Probleme bei OP-Start ein

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Mit sechs Monaten Verspätung hat das Krankenhaus seine OP-Säle in Betrieb genommen. Noch hat sich nicht alles eingespielt. Und schon jetzt sind die Kapazitäten überstrapaziert.

Agatharied – Von einem Normalbetrieb ist der OP-Bereich des Krankenhauses Agatharied noch ein Stück weit entfernt. Trotz der Aufstockung von fünf auf sieben Säle würden immer noch chirurgische Eingriffe außerhalb der regulären Zeiten von täglich 8.15 bis 15.45 Uhr durchgeführt, berichtet Klinik-Geschäftsführer Michael Kelbel auf Nachfrage unserer Zeitung. Das liege in erster Linie an der Jahreszeit. Traditionell würden die meisten geplanten Operationen in die Wintermonate fallen, weil die Patienten hier lieber im Bett bleiben würden als im Sommer. Hinzu kämen die Sportverletzungen aus dem Skibetrieb sowie weitere wetterbedingte Unfälle. „Alles in allem ist die verfügbare Kapazität im Moment bereits überstrapaziert“, sagt Kelbel.

Dass der Start mit Anfang März ausgerechnet in die heiße OP-Phase gefallen ist, liegt an einer Verzögerung beim Bau der beiden neuen Säle. Eigentlich hätten die in Modulbauweise errichteten Räume bereits im Oktober 2017 in Betrieb gehen sollen (wir berichteten). Doch der „Vorfertigungsgrad“ der Module habe bei Anlieferung bei weitem nicht dem vereinbarten Ausbaustand entsprochen, erklärt Kelbel. Viele Arbeiten hätten damit auf der Baustelle erfolgen müssen. Damit nicht genug: Kurz vor dem Abnahmetermin habe sich herausgestellt, dass wesentliche Teile unvollständig eingebaut worden waren und eine der Firmen obendrein einen „kapitalen Schaden“ verursacht hatte.

Mit schmerzhaften Folgen für das Krankenhaus, wie Kelbel einräumt. „Die gesamte gedachte Operationskapazität war mit Ausnahme der für Notfälle freizuhaltenden Termine für die ersten drei Monate verplant und ausgebucht.“ Durch die Verzögerungen beim Bau mussten die OPs entweder in die Abend- und Nachstunden verlegt oder auf Monate hinaus verschoben werden.

Ärzte, Pflegekräfte und alle anderen betroffenen Mitarbeiter seiein durch die verlängerten Arbeitszeiten „bis an die Grenzen belastet“ worden, sagt Kelbel und lobt gleichzeitig deren großes Engagement. Weil aber einige Patienten ihre Operationen nicht mehr aufschieben wollten, hätten sie sich andere Kliniken gesucht. Dem Krankenhaus Agatharied sei dadurch ein nicht auf den Euro genau zu beziffernder, aber in jedem Fall signifikanter finanzieller Schaden entstanden.

Sobald sich der Betrieb normalisiert habe, werde man die Entwicklung der OP-Zahlen analysieren und prüfen, wie man mit einer Neuverteilung der Kapazitäten auf das „überplanmäßige Wachstum“ in den operativen Abteilungen reagieren könne. Gleichzeitig werde man die Abläufe im gesamten OP-Bereich weiter hinterfragen und optimieren. Zum Beispiel wolle man noch heuer eine „tragfähige Lösung“ für ambulante Operationen finden, auf die die räumliche Struktur der OP-Spange im Krankenhaus nicht ausgerichtet sei.

Die Personalplanung hingegen habe man bereits an den zusätzlichen Kapazitäten orientiert. Derzeit seien alle Arztstellen besetzt. Sollte sich die Notwendigkeit einer Aufstockung abzeichnen, werde man diese schnellstmöglich umsetzen, sagt der Geschäftsführer. „Für unsere Mitarbeiter planbare Arbeitszeiten ohne ständige Überziehungen gewährleisten zu können, ist unser oberstes Ziel.“

Vorteil der neuen Säle sei deren Größe und Flexibilität. Da sie ohne fest montierte Säulen auskommen, könnten mobile OP-Tische zum Einsatz kommen, die den hohen Geräteeinsatz bei Gelenksersatz- und gefäßchirurgischen Operationen erleichtern würden. Wie lange die an sich nur als Übergangslösung gedachten OP-Module genutzt werden, ehe ein neuer Funktionstrakt mit OP-Spange, Notfallzentrum und möglicherweise notfallmedizinischem Zentrum gebaut wird, kann Kelbel noch nicht abschätzen. Er gehe aber davon aus, dass die Interims-Lösung für mindestens fünf Jahre ausreichen muss. Da sei es gut, dass man dies den neuen Sälen von innen nicht anmerke. „Sie sind auf dem neuesten Stand.“

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