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Alleingelassen und überfordert: Diese Stimmungslage beschreiben zwei Briefe aus dem Krankenhaus. Sie werden im März Thema im Aufsichtsrat.

Vorwürfe gegen Klinik Agatharied

Krankenhaus: Landrat will von Vorwürfen nichts wissen

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Während in Agatharied Stellungnahmen von verschiedenen Seiten die Runde machen, reagiert Aufsichtsrats-Chef Landrat Wolfgang Rzehak mit Zurückhaltung. Ein Kollege sieht das anders.

AgathariedDer Bericht in unserer Zeitung über die anonym angeprangerte Überlastung des Pflegepersonals hat im Krankenhaus Agatharied für verschiedene Reaktionen gesorgt. Auch im Aufsichtsrat der Klinik soll das Thema in der nächsten turnusgemäßen Sitzung am Donnerstag, 16. März, erörtert werden. Allerdings eher notgedrungen – zumindest für Wolfgang Rzehak (Grüne), den Vorsitzenden des Gremiums. Denn inhaltlich sieht der Landrat nichts Ungewöhnliches im Kreiskrankenhaus: „Es gibt keinen Skandal. Natürlich befassen wir uns mit den Vorwürfen, aber es fällt uns schwer, etwas abzustellen, weil da nichts ist.“ Generell sei es deutschlandweit einfach schwierig, Pflegekräfte zu finden. Eine Sondersitzung des Aufsichtsgremiums rechtfertige das alles jedenfalls nicht.

Zudem bezweifelt Rzehak, dass zumindest einer der beiden Verfasser der Briefe wirklich in der Klinik arbeitet. „Die Vorwürfe sind so allgemein, dass sie jeder schreiben könnte – vielleicht nur, um uns und dem guten Ruf des Hauses zu schaden.“

Inhaltlich sieht sich der Landrat bestens informiert. „Ich stehe im direkten Austausch mit Geschäftsführer Michael Kelbel. Es gibt keine konkreten Vorwürfe.“ Wer Kritik äußern wolle, solle dies konkret tun und dazu stehen – gerne auch beim Landrat: „Man kann sich auch vertraulich an mich wenden, ohne dass Herr Kelbel es erfährt.“

Ein Aufsichtsratsmitglied sieht das anders

Anders beurteilt Dr. Klaus Fresenius, FW-Kreisrat aus Rottach-Egern, Vorsitzender des Ärztlichen Bezirksverbands Oberbayern und ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates, den Fall. „Man muss diese Anliegen auf jeden Fall ernst nehmen“, betont der Mediziner. Die Ursache für die Überforderung sieht er im Gesundheitssystem. Und das betreffe alle deutschen Kliniken.

„Das Problem ist, dass die Einnahmen die Kosten nicht mehr decken können“, erklärt er. „Agatharied geht es da vergleichsweise noch gut, weil das Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft ist und somit nicht noch zusätzlich 13 Prozent Umsatzrendite erwirtschaften muss. Uns reicht die schwarze Null.“

Dass so etwas wie ein Noro-Virus die ganze Klinik quasi lahmlegen kann (wir berichteten), sei jedoch ein Alarmzeichen. „Normalerweise müsste ein Krankenhaus so eine Welle wegstecken, aber das kann es offenbar nicht mehr.“ Deshalb nehme er die Schreiben absolut ernst. „Die anonymen Briefe sind ein Hilfeschrei.“

Im Kreisverband habe er früher Schreiben ohne Absendern auch keine Beachtung geschenkt – jetzt auf Bezirksebene sei das anders: „Wir gehen solchen Schreiben nach und hinterfragen sie.“

Dafür will er sich auch im Fall Agatharied stark machen. „Ich verstehe die Angst, dass es auch bei uns Züge annehmen kann wie in anderen Kliniken“, sagt Fresenius. „Alle bemühen sich hier mit ganzer Kraft, aber wenn man stets gegen den Wind läuft, geht einem der Sprit aus.“ Es brauche deshalb Offenheit und Gesprächsbereitschaft. „Ich habe Vertrauen in das Führungsteam, aber ich erwarte schon, dass es damit umgehen kann.“

ddy

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