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Eine Spende von vielen: 157 000 Euro hat die Einrichtung der neuen Station gekostet, 5000 Euro steuerte der Lions Club Gmund Oberland um (v.r.) Rafael Schenz, Crista Zecher und Katharina Schulz-Schlotter bei. Bei der Eröffnungsfeier, die aus Platzgründen im Foyer stattfand, nahm Geschäftsführer Michael Kelbel den symbolischen Scheck entgegen. Der größte Einzelposten – 50 000 Euro – kam von einer Spenderin, die anonym bleiben möchte.

Krankenhaus Agatharied  

Das palliative Netz wird dichter

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Mit einer umfangreichen Feierstunde wurde die neue Palliativstation am Krankenhaus Agatharied offiziell in Betrieb genommen.

Landkreis – Man feiere keinen neuen Anbau, keinen neuen Chefarzt, kein Millionenprojekt – sondern eigentlich nur den 157 000 Euro teuren Umbau einer Station. „Ist das so eine große Feier wert?“, fragte Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel – um dann gleich selbst die Antwort zu geben: „Ja.“ Denn die neue Palliativstation am Krankenhaus Agatharied sei weit mehr als sechs Betten, ein Multifunktionsraum mit wohnlicher Atmosphäre oder ein individuelles Farbkonzept. Es sei ein großer Schritt auf dem Weg zu einem lückenlosen Versorgungsnetz für schwerstkranke Menschen im Oberland.

Den Weg dorthin skizzierte Joachim Groh, Anästhesie-Chefarzt und Leiter der neuen Station. Der Professor erinnerte an die Gründung des Hospizkreises vor 20 Jahren und den Aufbau der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) unter dem Dach der Oberland Hospiz- und Palliativversorgung (OPAL) vor drei Jahren. Die

Kooperation mit diesen beiden Organisationen sei ein „Musterbeispiel für konstruktive Zusammenarbeit“.

Neuen Schwung erfahre die Palliativarbeit am Krankenhaus durch die Forschungsarbeit seines Professorenkollegen Stefan Lorenzl im Bereich Neuropalliative Care. Bislang widmet sich Palliativmedizin vor allem Menschen mit Tumorerkrankungen. Letztlich haben aber auch Patienten mit chronischen Herzkreislauf-Erkrankungen oder neurologischen Erkrankungen einen großen Bedarf an Palliativversorgung.

„Sechs Betten werden nur der Anfang sein“, prophezeite deshalb auch Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik für Palliativmedizin an der LMU München. Mit der Eröffnung der Station in Agatharied sei einer der letzten blinden Flecken Bayerns beseitigt. „Wir müssen die Kapazitäten weiter ausbauen“, forderte die Professorin, die die Arbeit von Joachim Groh und seiner Frau Ines, Oberärztin auf der Palliativstation, würdigte: „Sie könnten hier niemand Besseren haben.“

Gabriele Fritsch, Ärztliche Leiterin der Oberland Hospiz- und Palliativversorgung, hob die Bedeutung der neuen Station für die Patienten hervor. Für sie bedeuteten die nun viel besseren Rahmenbedingungen ein zusätzliches Sicherheitsgefühl. Dann nämlich, wenn ein Wechsel von der ambulanten zur stationären Betreuung erforderlich wird. Von „größtmöglicher Lebensqualität“ für die todkranken Menschen sprach in diesem Zusammenhang Franziska Gräfin von Drechsel, Vorsitzende des Hospizkreises im Landkreis.

Landrat Wolfgang Rzehak gestand in seinem Grußwort, Angst vor dem Tod zu haben. Lange habe es die Gesellschaft geschafft, das Thema zu verdrängen. „Wir müssen uns dem aber stellen“, sagte er. Als kommunales Krankenhaus habe Agatharied einen Versorgungsauftrag. Dazu gehöre in seinen Augen neben einer Geburtshilfe auch eine Palliativstation. „Die Klinik wird in kommunaler Hand bleiben“, betonte er. „Sonst sind diese Dinge nicht mehr möglich – und Leidtragende wären die Patienten.“

sh

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