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Daten eintippen und Leben retten : Notarzt Florian Meier (v.l.), Rudi Scheibenzuber und Florian Schippan (r.) testen die Turborettung 2.0. Geschäftsführer Michael Kelbel braucht die Liege aber nur für die Demonstration.

Krankenhaus Agatharied mit neuem System

Mit dem Turbo gegen Folgeschäden

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Agatharied - Im Notfall zählt jede Sekunde. Mit der Turborettung 2.0 – einem System zur schnelleren Datenübertragung – ist der Landkreis in dieser Sache gut aufgestellt. 

Rudi Scheibenzuber legt dem Patienten im Rettungswagen das Messgerät an. Es muss schnell gehen. Notarzt Florian Meier tippt derweil die persönlichen Daten des Patienten ins Tablet und schickt sie direkt ans Krankenhaus Agatharied. Die Werte des EKGs gleich hinterher. Bei den Schwestern im Krankenhaus blinkt der Computer rot auf. Sie wissen so genau, wer gleich eingeliefert wird, was ihm fehlt, und was vorbereitet werden muss.

Das ist Turborettung 2.0. Seit Mitte September wird das neue System der schnelleren Datenübermittlung im ganzen Landkreis getestet. „Wir hatten bereits über 1000 Datenübermittlungen bei genausovielen Notfalleinsätzen“, sagt Scheibenzuber, der Leiter des Rettungsdienstes. Eine Quote von 100 Prozent. Im Krankenhaus Agatharied wurde gestern der offizielle Startschuss abgefeuert.

In der Praxis sieht es so aus: Wenn der Rettungsdienst am Krankenhaus eintrifft, steht der passende Arzt schon in der Notaufnahme, Übergabegespräche fallen kürzer aus. Scheibenzuber sagt: „Wenn wir am Krankenhaus ankommen, gibt es keinen Überraschungseffekt.“ Und alles, was die Einsatzkräfte dafür machen müssen: ein Tablet, das sogenannte Nida-Tab, bedienen. „Jeder, der vernünftig mit einem Handy umgehen kann, schnallt das“, sagt Scheibenzuber.

Weniger Folgeschäden durch schnellere Behandlung

Es gibt noch Lücken. Und zwar im Netz. „Standortbedingt klappt die Übertragung manchmal nicht“, sagt der Rettungsdienst-Leiter. Die Funklöcher werde man aber nicht ändern können. Was ihm noch aufgefallen ist: Bei zu kurzen Strecken ins Krankenhaus ist die Zeit fürs Übertragen der Daten zu knapp. „Wir werden in solchen Fällen nur noch Rohdaten übermitteln.“ Das Geschlecht, was ist passiert, wann ist der Sanka da.

Primär holt das System für die Patienten wichtige Sekunden heraus. Der Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie, Günther Pilz, sagt: „Es ist eine entscheidende Beschleunigung in zeitkritischen Momenten.“ Seitdem der Landkreis mit dem System arbeitet, „erleben wir immer wieder, dass bei einem Infarkt mehr Herzmuskeln gerettet werden können“, sagt Pilz. Heißt: Weniger Folgeschäden.

Die Anschaffung des knapp 100 0000 Euro teuren Systems haben sich Krankenhaus und BRK geteilt. Etwa die Hälfte kam durch Spenden rein, beispielsweise bei einer Charity-Gala. „Auf der Spenderliste haben wir noch Platz“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel. „Und Urkunden können wir auch nachdrucken.“

BRK hofft auf weitere Spender

Die Geldgeber finanzieren damit ein Projekt, mit dem der Landkreis ein Vorreiter ist. „In Deutschland haben das nur wenige Landkreise“, sagt Robert Kießling, BRK-Kreisvorstand. „Von Europa und der Welt brauchen wir gar nicht reden.“ Die laufenden Kosten für die Turborettung sind überschaubar. Der BRK-Chef muss zwar noch einige Ehrenamtliche schulen lassen, hat dafür aber selbst Leute mit gutem Know-How. Bauchschmerzen bereitet Kießling eher der offene Betrag der Anschaffung. Dem BRK tut das fehlende Geld weh. Dafür zwickt es an anderen Stellen künftig weniger. „Auch ich fühle mich manchmal Herzanfall-gefährdet“, sagt Kießling. „Jetzt, mit der Turborettung, fühle ich mich wohler.“

Die bisherigen Spender: Förderverein Notarztgruppe, Metzgerei Holnburger, Autohaus Kober, Raiffeisenbank Oberland und Gmund, Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Arztpraxis Florian Meier, Autohaus Weingärtner, Oh-Do-Kwan-Stiftung, Freundeskreis Krankenhaus.

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