+
Es schreibt Dieter Dorby.

Kolumne zu Agatharied

Krankenhaus: Und irgendwie war dann doch was dran

  • schließen

Da ist nichts dran, wir würden wenigen Frustrierten ein großes Forum liefern. So hörten sich die Reaktionen der Entscheider nach unserer Berichterstattung zum Krankenhaus an. Jetzt, wo die Geschichte rum ist, möchten wir gern auch ein paar Worte dazu verlieren.

Ich habe die Kommentare immer noch im Ohr, die wir für den ersten Bericht über jene zwei anonymen Briefe bekommen haben, die die zunehmende Arbeitsbelastung des Pflegepersonals sowie das rauer werdende Betriebsklima am Krankenhaus Agatharied angeprangert haben: „Nichts ist da dran“, stellten Geschäftsführer Michael Kelbel sowie Landrat Wolfgang Rzehak als Vorsitzender des Aufsichtsrats damals unisono und durchaus ein wenig ungehalten fest. Vielmehr gebe die Zeitung ein paar wenigen Unzufriedenen ein öffentliches Forum und nehme billigend in Kauf, dass die Klinik so Schaden nehme. Auch der Begriff der alternativen Fakten fiel mehrfach. Der Rest ist Geschichte.

Denn jetzt, zwei Monate später, stellt sich unsere Einschätzung als nicht so falsch dar. Wie berichtet, hatte Kelbel kürzlich im Anschluss an eine Betriebsversammlung des Betriebsrats zu einem eigenen Treffen eingeladen – ein wichtiger Schritt, wie sich zeigte. 260 der rund 1000 Mitarbeiter nahmen daran teil – sonst sind es deutlich weniger. Das zeigt: Es herrschte bei vielen dringender Gesprächsbedarf.

Klinik-Chef Kelbel hat aus den vergangenen Wochen wohl etwas mitgenommen: Die beste Strategie, das kommunale Krankenhaus auf einem immer schwieriger werdenden Markt wirtschaftlich gesund auf Kurs zu halten, mag noch so gut sein – ist die Stimmung im Haus nicht intakt, gibt es Misstöne. Und gerade in turbulenten Zeiten geht es ja darum, zusammenzustehen.

Dass die Geschäftsleitung an ihrer Kommunikation arbeiten will, darf man glauben. Nicht umsonst war bereits bei der Mitarbeiterversammlung Kelbels neuer Experte Michael Märzheuser im Publikum. Der geschäftsführende Gesellschafter der Märzheuser Kommunikationsberatung GmbH mit Sitz in Münchens nobler Maximilianstraße und Außenstelle in Berlin ist wohl nicht gerade günstig – ein Zeichen dafür, wie wichtig dem Chef die Verbesserung sein dürfte.

Ob es wirklich ohne eine solche Medienberatung nicht geht, sei dahingestellt. Meine Erfahrung ist es, dass zuhören und fremde Belange ernst nehmen meist schon hilft.

Ich habe in den vergangenen Wochen mit vielen Menschen rund um das Krankenhaus gesprochen, und keiner zeigte sich in diesen Gesprächen destruktiv. Im Gegenteil: Die fachliche und emotionale Bindung zu diesem Haus ist durchgehend enorm groß. Dies gilt es, als unbezahlbaren Wert zu erkennen und zu pflegen.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bundestagswahl im Landkreis - die Lage und alle Stimmen am Tag danach
Landrat Wolfgang Rzehak freut sich über das gute Ergebnis der Grünen und schimpft über die AfD. Unklar ist, warum diese in einigen Gemeinden besonders gut abgeschnitten …
Bundestagswahl im Landkreis - die Lage und alle Stimmen am Tag danach
Live-Ticker: Landrat Wolfgang Rzehak spricht von Grünen-Hochburg
Wann gibt‘s die ersten Ergebnisse in den Gemeinden Miesbach, Tegernsee und Holzkirchen? Wie haben unsere Wähler abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und Parteien? Alle …
Live-Ticker: Landrat Wolfgang Rzehak spricht von Grünen-Hochburg
Wahnsinnig erfolgreich - und doch ohne Mandat: Das Pech des Herrn Bär
Als einziger Grünen-Direktkandidat in Bayern schafft es Karl Bär auf Platz zwei hinter die CSU - ein toller Sieg - und genauso tragisch. Wegen eines Münzwurfs geht er …
Wahnsinnig erfolgreich - und doch ohne Mandat: Das Pech des Herrn Bär
Unmut als Nährboden: Warum die AfD bei uns so leichtes Spiel hat
Warum der AfD-Sieg bei uns wenig überraschend ist: Den Ausgang der Bundestagswahl im Landkreis Miesbach kommentiert Redaktionsleiter Stephen Hank.
Unmut als Nährboden: Warum die AfD bei uns so leichtes Spiel hat

Kommentare